Saarland RHEINPFALZ Plus Artikel Gerichtsverhandlung: Wurde Grünen-Politikerin vergewaltigt?

Die Vorwürfe gegen den Angeklagten, ein Mitarbeiter der SPD-Landtagsfraktion, wiegen schwer.
Die Vorwürfe gegen den Angeklagten, ein Mitarbeiter der SPD-Landtagsfraktion, wiegen schwer.

Seit 6. September sitzt ein 30-jähriger Mitarbeiter der SPD-Landtagsfraktion vorm Landgericht Saarbrücken auf der Anklagebank. Er soll im September und Dezember 2017 seine damalige Freundin, eine heute 27-jährige Grünenpolitikerin, in deren Wohnung in alkoholisierten Zustand gegen ihren Willen zum Sex gezwungen haben.

Die Vorwürfe des Staatsanwaltes wiegen schwer: Am 16. September 2017 soll sich der Angeklagte um 22 Uhr betrunken von einem Volksfest kommend in die Wohnung der Grünenpolitikerin gegangen sein. Mit Gewalt habe er seine Freundin zum Oralverkehr gezwungen, „wobei er den entgegenstehenden Willen der Zeugin zumindest billigend in Kauf genommen habe“, so der Staatsanwalt in seiner Anklage.

Am 5. Dezember 2017, knapp drei Monate später, suchte der Angeklagte erneut alkoholisiert seine Freundin in ihrer Wohnung auf. „Er äußerte mehrmals, dass er Geschlechtsverkehr mit der Zeugin haben möchte“, so die Anklageschrift. Auch hier soll er gegen den ausdrücklichen Willen seiner damaligen Freundin den Geschlechtsverkehr mit Gewalt und gegen ihren ausdrücklichen Willen vollzogen haben, „erkennbar äußerte, dass sie das nicht haben möchte. Obwohl er die vorherige Äußerung der Zeugin wahrnahm und erkannte, dass die Zeugin keinen Geschlechtsverkehr haben wollte,“ habe er sein Vorhaben ausgeführt. Sie habe geweint und Schmerzen gehabt. Der Staatsanwalt sieht den Vorwurf der Vergewaltigung in zwei Fällen erfüllt.

Mutmaßliches Opfer hat Vorgänge auf Twitter veröffentlicht

Die Freundin hat im August 2020 die Vorgänge über Twitter selbst gepostet: „Ich habe meinen Vergewaltiger angezeigt“. In seiner Einlassung bestreitet der Angeklagte die Vorwürfe. Der Sex sei einvernehmlich gewesen, erklärte er vor Gericht. Es steht Aussage gegen Aussage. Das mutmaßliche Opfer hat bereits vor Gericht ihre Aussage gemacht. Zum Schutz ihrer Intimsphäre ordnete die Kammer den Ausschluss der Öffentlichkeit an. Dem Prozess wohnt die Diplom-Psychologin Claudia Wendorf aus Berlin bei. Die Aussagepsychologin ist vom Gericht mit einem Glaubwürdigkeitsgutachten beauftragt. Der Prozess wird am 29. September um 10 Uhr fortgesetzt.

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