St. Ingbert
Falschparker aufgepasst: „Anzeigenhauptmeister“ zieht nach St. Ingbert – oder etwa nicht?
Hinter dem „Anzeigenhauptmeister“ steckt Niclas Matthei, laut verschiedenen Quellen, die im Netz kursieren, ist er 19 oder 20 Jahre alt. Und er hat ein ganz besonderes Hobby: Falschparker anzeigen. Im Internet berühmt geworden ist er damit durch einen Spiegel-TV-Beitrag im Februar vergangenen Jahres. Seitdem tingelt er, stets begleitet von einem Medientross, per Bus und Bahn durchs Land und meldet in den Städten, die er besucht, zahlreiche Falschparker dem Ordnungsamt.
Für seine Anzeigen erntet er sowohl positive als auch negative Reaktionen. Mit der Zeit hat der Hype um Matthei allerdings krude Züge angenommen: Irgendwann stand er in seiner Arbeitskleidung − Warnjacke, Warnhose und Fahrradhelm − in Diskotheken in ganz Deutschland, wo er Autogramme gab und für Selfies posierte. Auch in Saarbrücken war er zu Gast. Dann ließ er sich einen Schnurrbart stehen, der dem Adolf Hitlers sehr ähnelte.
Im September nach St. Ingbert?
Nun der nächste Streich: Matthei, gebürtig aus Gräfenhainichen in Sachsen-Anhalt, kündige auf seiner Facebook-Seite an, ins Saarland ziehen zu wollen. „Für die Einwohner meiner Noch-Heimatstadt dürfte mit dieser Nachricht die Sonne aufgehen, während für die Einwohner, insbesondere die Falschparker von St. Ingbert, vermutlich mit dieser Nachricht die Welt zusammenbricht“, verkündete er. In St. Ingbert habe Matthei sich ein Haus gekauft, wolle dort voraussichtlich im September einziehen.
Am Sonntagabend dann der Wandel: Matthei sagt, seine Umzugsankündigung ins Saarland sei bloß eine Lüge gewesen. Er betitelt sich selbst sogar als „Lügenlord“, eine deutliche Anspielung an den Ex-Youtuber Rainer Winkler, der sich „Drachenlord“ nannte.
Matthei: Keine Lust auf AfD-Wähler in Ex-Heimat
Warum er von Sachsen-Anhalt ins Saarland ziehen wollte, begründete Matthei auf verschiedene Arten. „Beruflich“ gesehen, so schrieb er in seinem ersten Post zu diesem Thema auf Facebook, seien das Saarland und Rheinland-Pfalz ein „Falschparker-Paradies“. Matthei: „Die Saarländer scheinen ihre eigene Fantasie-Straßenverkehrsordnung zu haben, denn egal wo man hinschaut, man sieht in nahezu jeder Straße überall Linksparker. Auch das Gehwegparken in Wohngebieten scheint dort eine Selbstverständlichkeit zu sein.“ In seinem Heimatort habe er dagegen mit den Falschparkern aufgeräumt. Es gebe nur noch wenige Parksünder-Hotspots. Mattheis Ziel: Er will 2026 auf Platz eins im Falschparker-Anschwärz-Ranking stehen.
Er nennt aber noch weitere Gründe, weshalb er dem Osten den Rücken kehren will: „Der Osten ist der braune Fleck von Deutschland. Überall rechtsradikale AfD-Wähler, Nazis und Regierungskritiker. Davon habe ich genug, im links-konservativen Westdeutschland scheint dagegen politisch noch die Sonne.“ Zudem freue er sich auf die günstigen Preise in den Supermärkten im angrenzenden Luxemburg.
Der Dartpfeil brachte die Entscheidung mit St. Ingbert
In seinem „Aufklär-Beitrag“ sagt Matthei nun, dass er doch nicht nach St. Ingbert zieht und in der Mitte Deutschlands wohnen bleiben will, um möglichst viele Gemeinden auf kurzer Distanz zu erreichen, damit er dort Falschparker aufzuschreiben kann. Dass er ausgerechnet St. Ingbert für seinen Post als neue „Wahlheimat“ auserkoren hat, liegt laut ihm an einem Dartpfeil, der beim Werfen auf eine Deutschland-Landkarte just die Mittelstadt im Saarpfalz-Kreis getroffen habe.
Mit Stefan Raab das Internet getäuscht
Das Auftreten des jungen Mannes im Internet wirkt mehr als kurios. Mal gibt er sich als (selbst)-rechtschaffender Bürger, mal als Influencer, mal als B-Promi, ein anderes Mal sogar als von Stefan Raab erschaffene Kunstfigur. Dessen Comeback im vergangenen Jahr hat Matthei bewusst ausgenutzt, mal hier, mal da im Internet eine Anspielung gestreut. Dann kam die Auflösung: Auch das war nur ein Bluff des „Anzeigenhauptmeisters“. Ihm sei es nur ums Geld gegangen.