Saarbrücken
Fürs Heimspiel zuhause braucht der 1. FC Saarbrücken jetzt nur noch seinen grünen Rasen
2015 wurde das alte Ludwigspark-Stadion abgerissen, um einer modernen Sportarena mit 16 000 Plätzen zu weichen. Was dann folgte, war eine Serie von Verzögerungen, Pannen und Baustopps. Fünf Jahre später ist der neue Ludwigspark immer noch nicht fertig. Die Baukosten schraubten sich von anfangs geschätzten 16 Millionen auf mehr als 46 Millionen Euro. Ob dieser Unbilden sah sich der FC Saarbrücken über Jahre gezwungen, seine Heimspiele im maroden Stadion im Nachbarort Völklingen auszutragen. Doch dieser Sportplatz genügt den Vorgaben für die höhere Spielklasse nicht. Daher buchte der Club zum Entsetzen seiner Fans ein Stadion im fernen Frankfurt als drittligataugliche Ersatz-Arena.
Ausweich-Spielort Frankfurt wird nicht gebraucht
Doch diese merkwürdige Lösung ist nun nicht mehr nötig. Am Montag, 14. September, gaben Club-Präsident Hartmut Ostermann und Saarbrückens Oberbürgermeister Uwe Conradt (CDU) bekannt, dass ihre blauschwarz gedressten Kicker nun doch daheim in der Saar-Hauptstadt antreten dürfen. Und zwar auf der Baustelle Ludwigspark.
Hier lässt sich nach fünf Jahren Bauzeit inzwischen deutlich die Struktur der Nachfolge-Spielstätte erkennen. Mit der Haupttribüne mit VIP-Lounge, Sitz- und Presseplätzen auf der südlichen Längsseite und der gegenüberliegenden Sitzplatztribüne im Norden. Gästefans werden künftig ihre Steh- und Sitzplatzränge hinter dem westlichen Fußballtor vorfinden, während für die Anhänger des 1. FC Saarbrücken die komplette Osttribüne mit Stehplätzen bestückt wurde.
Diese Tausenden Zuschauerplätze werden derzeit aber noch gar nicht gebraucht. Vor dem Hintergrund der saarländischen Corona-Verordnung darf die Arena am ersten Heimspiel-Tag am 26. September nur von 900 Personen betreten werden. In dieser Zahl sind die Spieler nebst Trainern und Betreuern inbegriffen, ebenso die Ordner, Rotkreuz- und Feuerwehrleute sowie alle weiteren Helfer. Für die eigentlichen Zuschauer (Gästefans müssen draußen bleiben) dürften da noch etwa gut 700 Plätze übrig bleiben. Genauso ist es aktuell auch bei den Regionalligaspielen im Homburger Waldstadion der Fall.
Vorverkauf im Internet
FCS-Boss Hartmut Ostermann will dafür sorgen, „dass die verfügbaren Eintrittskarten gerecht unter Fans, Mitgliedern und Sponsoren verteilt“ werden. Der Kartenvorverkauf im Internet soll zum Wochenende starten. Tageskassen am Stadion gibt es beim FCS bis auf Weiteres ebenso wenig wie den Verkauf von Dauerkarten.
Doch noch sind die Bauarbeiter, Bagger und Planierraupen im Einsatz. „In den vergangenen 14 Tagen stand die Baustelle besonders unter Volldampf“, sagt Martin Welker: Der neue Chef der städtischen Gebäudegesellschaft Giu agiert als Projektleiter. Er ist der Nachfolger des vor einigen Wochen abgelösten Jürgen Schäfer.
Diese Woche Samstag, 19. September, bestreitet der 1. FC Saarbrücken seine erste Drittliga-Partie auswärts beim VfB Lübeck. Acht Tage später ist dann das erste Heimspiel angesagt – gegen Hansa Rostock auf der Baustelle Ludwigspark. Spätestens an diesem Tag wird dort dann der grüne Fußballrasen liegen und festgewachsen sein müssen. Im Moment präsentiert sich das künftige Spielfeld nämlich immer noch als braune Sandpiste. Ein Baustellenfahrzeug, Grader genannt, dreht dort seine Runden und planiert die Platzoberfläche. Doch nach Aussage von Projektleiter Martin Welker ist der Rollrasen aus Nordrhein-Westfalen bereits im Anmarsch. Für den gestrigen Dienstag kündigte Welker auf dem unfertigen Fußballplatz das Ausbringen von Schädlingsbekämpfungsmitteln an. „Von Mittwoch bis Freitag dieser Woche wird dann der neue Rasen aufgelegt.“
„Erweiterungspotenzial“
Stichwort Rasen: Wohl noch lange werden die Saarbrücker Fußballfreunde mit zwei notdürftig begrünten Erdreich-Freilfächen leben müssen, die an den Enden der Gegengeraden neben den nagelneuen Sitzreihen in der Nordtribüne klaffen. Für diese Löcher in der Optik hat man sich bei der Stadtverwaltung die freundlichen Begriffe „Ausbaureserve“ und „Erweiterungspotenzial“ ausgedacht.