Homburg Für Naturaufnahmen im „wilden Bliesgau“ muss Rosemarie Kappler „schleichen wie ein Indianer“
Steinkauz, Weißstorch, Turmfalke und Mäusebussard: Solche fliegenden Bewohner des Bliesgaus sind weithin sicherlich bekannter als Bienenfresser, Wiesenschafstelze oder das Ockerfarbene Queckeneulchen. Das alles und noch viel mehr gibt es in dem farbigen Bildband zu entdecken, den Rosemarie Kappler bei ihren vielstündigen Expeditionen ins heimische Tierreich zusammengetragen hat. Scheinbar hautnah ist die Fotografin ihren scheuen Stars auf die Pelle gerückt. Erste Produkte von Kapplers ausgedehnten Wanderungen durch den Kirkeler Wald, das Gersheimer Orchideengebiet oder die Halbtrockenrasen an ehemaligen Eisenbahntrassen gab es 2019 auf einer Wanderausstellung zu bewundern, die Kappler in Homburg, Blieskastel und Reinheim präsentierte.
Zwischenstation am Biotop bei Homburg-Beeden
In diesem Frühjahr nun traf die 61-Jährige auf Andreas Schorr, den Geschäftsführer des St. Ingberter Röhrig-Verlages. „Frau Kapplers Ausstellung hatte mir auf Anhieb sehr gut gefallen“, sagt der Unternehmer, dass er „schon länger nach einem Naturfotografen gesucht“ habe. Man tat sich zusammen, und so kam es zu dem 95-seitigen Buch. Dieses hält sich bei den Texten bewusst zurück, um das Schwergewicht auf Bilder der vielfältigen und farbenfrohen Fauna zu setzen, die im Bliesgau wohnt oder dort auf der Durchreise ist. Wie zum Beispiel die Blaukehlchen oder Fischreiher, die gerne mal am Beeder Biotop einen Zwischenstopp einlegen.
„Das geht einem schon ordentlich an die Bandscheiben, wenn man das schwere 600er-Objektiv mit Telekonverter durch die Botanik schleppt“, gesteht die Homburgerin, dass ohne Ausdauer und eine gewisse Leidensfähigkeit gar nichts läuft. „Du kannst ja nicht sagen, ich geh’ jetzt mal flott ins Mandelbachtal und fotografier’ einen Kuckuck. Oft ist man auf Tipps etwa von Hobby-Ornithologen angewiesen, die neulich irgendwo gerade etwas Besonderes entdeckt haben.“
Auto ist das „beste Tarnzelt“
Mit dem Tele ganz nah ran ans Objekt kommt Rosemarie Kappler vorzugsweise aus ihrem Auto heraus: „Das ist das beste Tarnzelt. An der Seitenscheibe habe ich extra ein Fensterstativ, und dort kommt dann ein Tuch drüber.“ Doch die meisten Fotos, so erzählt sie, seien ihr während Spaziergängen gelungen. „Da musst du dich ranschleichen wie ein Indianer.“
Keine Frage: Die großformatigen Fotos machen Lust auf den nächsten Ausflug im Bliesgau zwischen Bickenalb und Saar. Wer Geduld und den richtigen Blick hat – so wie Rosemarie Kappler – kann sich dort mit einer Begegnung mit Eisvogel, Schlingnatter oder Gottesanbeterin belohnen.
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