Altheim
Erste Altheimer Storchenbrut seit über 60 Jahren
„Die Ornithologen von der Vogelwarte Radolfzell sind ganz erstaunt darüber, dass unser Nest so schnell angenommen wurde“, freut sich die Altheimer Ortsvorsteherin Beate Lambert. Zusammen mit ihrem Mann beobachtet sie die Vögel täglich vom heimischen Balkon aus. Doch nicht nur die Lamberts interessieren sich für die schwarzweißen Großvögel: Auch die Kinder aus der Umgebung und die Nachbarn, die einen direkten Ausblick auf die Bickenalb-Aue haben, verfolgen das emsige Treiben und Klappern im hohen Nest.
Denn dort gibt es eine ganze Menge zu sehen. „Ungefähr Mitte März kam ein einzelner unberingter männlicher Storch ins Tal und hat sich das Nest in aller Ruhe angesehen“, weiß Beate Lambert zu berichten. „Hier hat’s ihm scheinbar gefallen. Er hat sofort angefangen, Hecken zu sammeln und das Nest weitergebaut.“
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Hahnenkämpfe“ unter Storchenmännern
Eine Nest-Grundausstattung aus Gestrüpp war bereits vorhanden, seit die Pfalzwerke den zwölf Meter hohen Storchenmast Mitte Februar aufstellten. Am 27. März schließlich, nachdem der Storchenmann zwei Wochen lang immer wieder auf einer Straßenlaterne Ausschau gehalten hatte, gesellte sich nicht nur ein weiterer Storch hinzu, sondern gleich zwei. Deren erster ist ein weibliches Tier, das laut Beate Lamberts Informationen am 1. Juni 2019 in Winden in der Pfalz beringt wurde.
Ein so junger Vogel sei durchaus ungewöhnlich, da Störche normalerweise erst mit drei Jahren geschlechtsreif werden. Und auch den dritten Storch – einen männlichen – konnte die Ortsvorsteherin anhand seines Beinrings durch ihr starkes Teleobjektiv identifizieren. „Das ist ein Franzose. Er kommt aus Kappelkingen bei Saaralben im Département Moselle“, erzählt Beate Lambert. Der 400-Seelen-Ort Kappelkingen liegt rund 55 Kilometer Luftlinie von Altheim entfernt.
Doch anscheinend hat dem Vogel auch sein geballter französischer Charme nichts genutzt. Denn am Ende entschied sich die Störchin für den unberingten Nestbauer, der ja schon seit 14 Tagen auf sie gewartet hatte. Als sich der französische Flattermann ins Nest drängen wollte, wurde er von der Störchin und ihrem Partner kurzerhand verscheucht. Seit Tagen ward er im Tal nun nicht mehr gesichtet.
Wiederansiedlung gelungen
Stattdessen hat sich im Altheimer Nest inzwischen die Brut des Vogelpaars eingestellt. Beate Lamberts Ehemann Josef hat vom Balkon aus einige nicht so ganz jugendfreie Paarungsfotos geschossen. „Jetzt steht die brütende Storchendame manchmal auf und dreht die Eier“, haben die Lamberts schon mehrmals das typische Brutverhalten beobachtet und auch fotografiert. Unterdessen fliegt das Männchen fleißig im Tal umher, um Nahrung zu suchen.
„Das ist das erste Mal seit über 60 Jahren, dass in Altheim wieder ein Storchenpaar brütet“, freut sich die Ortsvorsteherin. Zuletzt hatte es in den 1960er-Jahren auf dem Milchhäuschen in der Ortsmitte ein Nest gegeben, wie einige ältere Dorfbewohner noch wissen.
„Damit ist die Wiederansiedlung der Weißstörche nach über 60 Jahren im Bickenalbtal gelungen“, sagt sie. Wobei sie allerdings nur für dessen saarländischen Teil sprechen kann. Denn in Mittelbach, in den Bickenalb-Auen in Richtung Hengstbacher Mühle, ragen bereits seit drei Jahren zwei Storchenmasten in die Höhe, deren Nester von den Vögeln ebenfalls schon gut angenommen wurden.
Aktuell brütet dort allerdings noch kein Paar.
Namen gesucht
Beate Lambert sucht nach geeigneten Namen für das Altheimer Storchenpaar. Wer Vorschläge hat, kann die Ortsvorsteherin kontaktieren unter Telefon 06844/1223 sowie per E-Mail beate.lambert@freenet.de.