Saarpfalz-Kreis / Neunkirchen / Saarbrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Eisregen: Umgekippter Lkw, geschlossene Schulen, Warnung per Handy

An der Europa-Galerie in der Saarbrücker Innenstadt versuchten Fußgänger, sicher über die vereisten Gehwege zu kommen.
An der Europa-Galerie in der Saarbrücker Innenstadt versuchten Fußgänger, sicher über die vereisten Gehwege zu kommen.

Minustemperaturen ab Dienstagabend und vereiste Straßen sorgten am Mittwoch für über 100 Unfälle im Saarland. Der Busverkehr im Saarpfalz-Kreis wurde eingestellt. Viele öffentliche Einrichtungen waren am Mittwoch geschlossen. Auf der Autobahn 8 stürzte ein Sattelschlepper beim Neunkircher Stadtteil Furpach auf die Seite.

Über 100 Unfälle haben Polizei und Feuerwehr im gesamten Saarland am Mittwoch registriert. Ursache für fast alle Unfälle waren die vereisten Straßen. Der im Saarland stundenlang anhaltende Regen hatte schon seit Dienstagabend begonnen, auf dem bei Minustemperaturen bitterkalten Boden zu gefrieren.

In St. Ingbert haben auf der A8 vier Autofahrer am Mittwochmorgen die Kontrolle über ihre Fahrzeuge verloren und sind ins Schleudern geraten, teilte die Polizei mit. Einige Autos seien mit Leitplanken kollidiert; alle am Unfall beteiligten Personen seien leicht verletzt ins Krankenhaus gebracht worden. Die Autofahrer, die zwischen den Anschlussstellen St. Ingbert-West und St. Ingbert-Mitte unterwegs waren, seien laut Polizei „vom plötzlich aufgetretenen Blitzeis überrascht“ worden.

Stundenlange Staus

Rettungsfahrzeuge und Abschleppwagen hatten den Unfallort wegen der vereisten Straßen nur sehr schwer erreichen können, so die Polizei. Teilweise standen Autofahrer dort stundenlang im Stau. Insgesamt musste der Autobahnabschnitt für dreieinhalb Stunden gesperrt werden.

Am Dienstagabend ist auf der A8 beim Neunkircher Stadtteil Furpach ein mit dem Kunststoff PVC tonnenschwer beladener Sattelzug umgekippt und hatte die Straße blockiert. Der 30 Jahre alte Fahrer sei bei einer Baustelle bei den Anschlussstellen Neunkirchen-Wellesweiler und -Oberstadt ins Schlingern geraten und sei auf die Seite gekippt. Er wurde schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht, habe sich aber noch aus eigener Kraft aus seiner Kabine befreien können, sagt Christopher Benkert, Pressesprecher der Freiwilligen Feuerwehr Neunkirchen.

Alle Busse im Saarpfalz-Kreis stehen still

Aus dem Sattelzug liefen laut Benkert schätzungsweise mehrere Hundert Liter Diesel aus. Um eine Ausbreitung zu verhindern, sicherten die Feuerwehrleute die Kanaleinläufe um die Unfallstelle ab. Chemieberater wurden ebenfalls angefordert. Technisches Hilfswerk (THW) und die Feuerwehr bargen den Lastwagen.

Nicht nur für Autofahrer, auch für Zug- und Buspassagiere hatte der Mittwoch ernste Folgen. So hatte Sandra Brettar, Pressesprecherin des Saarpfalz-Kreises am Mittwochmorgen mitgeteilt, dass der Busverkehr auf allen Linien im Kreis eingestellt sei. Auch die Stadtbusse fuhren nicht mehr. Am Mittag haben sich die Verantwortlichen dazu entschlossen, die Busse den gesamten Mittwoch über stillstehen zu lassen. Für Zweibrücker bedeutete das unter anderem, dass sie nicht wie gewohnt mit der Linie R7 von Zweibrücken nach Homburg fahren konnten.

Unwetterwarnung bereits am Dienstagmittag auf dem Handy

Die Vorab-Warnung, die vor möglichem Eisregen und Glätte warnte, kam schon einen Tag früher, am Dienstag. Wer sich mittags über ein penetrantes Vibrieren auf seinem Smartphone gewundert und dann draufgeschaut hat, konnte durch die aufgeploppte Unwetterwarnmeldung schon einen halben Tag vorher reagieren, und etwaige Bahnreisen verschieben oder absagen.

Denn auch die Züge fuhren in Richtung Saarbrücken nicht mehr alle Haltepunkte an. Grund waren die teilweise zentimeterdicken Eisschichten, die sich an so manchen Bahnsteigen gebildet hatten. Einige Verbindungen, wie alle Fahrten der RB (Regionalbahn) 71 von Trier über Saarbrücken nach Homburg, fuhren gar nicht.

400 Tonnen Salz

Um die Straßen vom Eis zu befreien, waren städtische Streuwagen teilweise schon seit Dienstagabend im Einsatz. In Neunkirchen hatte der zentrale Betriebshof seine Arbeit mit acht Streufahrzeugen um vier Uhr am Mittwochmorgen wieder aufgenommen. Eine Stunde später hatten sechs Schmalspurschlepper damit begonnen, die breiteren Geh- und Radwege freizuräumen. Für solche Fälle habe der Betriebshof 400 Tonnen Salz und 50.000 Liter Salzsole eingelagert, berichtet die Neunkircher Pressestelle.

Die St. Ingberter Streuwagen kümmerten sich bis zum Mittag vor allem um die Hauptverkehrsstraßen. Dazu gehören auch die Zufahrtswege zum Krankenhaus und die Feuerwehrgerätehäuser. In manchen Kitas, etwa in St. Ingbert, gab es eine Notbetreuung. Da viele Einrichtungen kein Essen mehr ausgeliefert bekamen, mussten sich die Kinder mit dem für solche Fälle eingelagerten Notessen zufriedengeben. Ansonsten hatten aber viele Kitas, Schulen und Rathäuser geschlossen. Auch in Homburg, Bexbach und Kirkel hatten die Unternehmen die Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt – wo das eben technisch möglich war. Viele Seitenstraßen waren auch in Homburg bis zum Nachmittag nicht befahrbar. Weil am Nachmittag die Temperaturen bis auf neun Grad anstiegen, hatte sich die Lage im Saarpfalz-Kreis weitgehend wieder entspannt.

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