Blieskastel / Einöd / Saarbrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Eine Stadt kämpft gegen Wasser: Blieskastel am Samstag überflutet

Weil ein Pumpwerk ausgefallen war, drückte sich das Wasser am Samstagabend durch die Gullydeckel und überflutete die Blieskastel
Weil ein Pumpwerk ausgefallen war, drückte sich das Wasser am Samstagabend durch die Gullydeckel und überflutete die Blieskasteler Altstadt.

Von der Feuerwehr wird die Unwetterlage bereits mit Jahrhundert-Katastrophen verglichen. Besonders kritisch war es am Samstag in Blieskastel: Dort drohte die Altstadt, von der Blies überschwemmt zu werden. Anwohner wurden evakuiert, das Wasser kam durch die Gullydeckel. In Saarbrücken kam eine Frau ums Leben.

[Aktualisiert Montag, 15.39 Uhr] Am Blieskasteler Lidl-Markt versammeln sich am Samstagmittag Hunderte Personen. Wahlplakate ragen aus der Menge, vereinzelt blitzen die neongelb reflektierenden Feuerwehruniformen in der Menge auf. Rund 350 Helfer und 450 Einsatzkräfte waren geeint in einem Ziel: Den Damm, der die Altstadt auf rund 1400 Metern vor einer Überflutung schützt, zu stabilisieren. Es sind Szenen, die einem mit aller Wucht klarmachen: Hier geht es ums Ganze. Genauer gesagt: Es geht darum zu verhindern, dass die Blies die Blieskasteler Altstadt nicht überflutet. Am Samstagmittag werden daher über 16.000 Sandsäcke herbeigeschafft, die den Deich verstärken sollen. So konnte der Damm über den gesamten Tag hinweg um 30 Zentimeter erhöht werden. Ohne die über 350 freiwilligen Helfer, die sich einfach einfanden, „hätten wir das nicht geschafft“, zieht der Pressesprecher der Leitstelle der Feuerwehr, Eric Dessloch, am Montag sein Fazit.

Denn zunächst stiegen die Pegel am Samstagmorgen weiter, jedoch langsamer, teilte die Pressestelle des Saarpfalz-Kreises mit. Der kritische Punkt liegt bei 4,36 Meter. Die Feuerwehr Blieskastel gibt der RHEINPFALZ am Samstagnachmittag erste Zeichen, die auf Entwarnung hindeuten: Gegen Abend sollte sich die Lage in Blieskastel entspannen, so die Feuerwehr.

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Am Samstagabend steht Blieskastel unter Wasser

Vor der Entwarnung kam aber das Bangen – und das vereinte Arbeiten an einer Situation, die nicht außer Kontrolle geraten sollte. In einem Interview mit dem SR sagte der Landrat des Saarpfalz-Kreises, Theophil Gallo (SPD) am Samstagnachmittag, dass eine Überflutung der Innenstadt von Blieskastel drohen könnte. Die Deiche seien völlig durchweicht.

Am frühen Samstagabend hatte sich die Lage nochmals verschlechtert. „Der Damm hat aber zum Glück gehalten“, sagte die Erste Beigeordnete der Stadt Blieskastel, Lisa Becker, die selbst mithalf, Sandsäcke zu füllen. In Blieskastel-Webenheim war eine eigene Station dafür eingerichtet worden.

Das neue Problem am Samstagabend: Weil ein Pumpwerk ausgefallen war, drückte sich das Wasser durch die Gullydeckel. Die Wassermassen seien aus den Gullys geschossen, „wir standen total unter Zeitdruck, mussten agieren“, sagt Dessloch. Immerhin galt es, das Wasser 50 bis 75 Zentimeter hochzupumpen. Trotz allen Versuchen, der Lage Herr zu werden, stand die Innenstadt am Abend unter Wasser. An den tiefsten Stellen stand das Wasser kniehoch; einige Anwohner wurden auch mit Schlauchbooten aus ihren Wohnungen evakuiert. Zwei Personen hätten laut Dessloch ein Ausweichquartier in Anspruch genommen. Die anderen Bewohner kamen bei Verwandten und Freunden unter oder blieben – soweit das möglich war – in ihren Häusern, folgten dem Appell, Keller- und im Bedarfsfall auch Erdgeschoss zu meiden. Einsatzkräfte hatten die Anlieger besonders betroffener Straßen persönlich an der Haustür informiert.

67-Jährige von Einsatzfahrzeug angefahren

Am Sonntag dann das große Aufatmen: Der Pegel der Blies sank endgültig, das Pumpwerk funktionierte gegen 3 Uhr in der Nacht auf Sonntag wieder, und das Wasser wurde bis zum Mittag aus der Altstadt gepumpt. „Die Lage hat sich beruhigt“, sagt Eric Dessloch, der RHEINPFALZ. Auch in Kirkel-Limbach, im Mandelbachtal und in Gersheim standen Straßen und Keller unter Wasser. Auch den Europäischen Kulturpark in Reinheim hat es laut Kreis „schwer getroffen“.

Im Saarpfalz-Kreis habe es wegen des Hochwassers keine Todesopfer gegeben, so der Kreis. In Saarbrücken war aber eine 67 Jahre alte Frau am Freitag bei einem Hochwasser-Einsatz von einem Einsatzfahrzeug erfasst worden; am Sonntagabend erlag sie ihren Verletzungen, wie die Landeshauptstadt mitteilte. Saarbrückens Oberbürgermeister Uwe Conradt (CDU) erklärte: „Diese traurige Nachricht macht mich zutiefst betroffen.“ Dieser tragische Unfall sei eine schreckliche Tragödie. Die Untere Katastrophenschutzbehörde im Regionalverband bat um Verständnis, dass bis auf Weiteres keine weiteren Angaben zu dem Unglück und zu dem Opfer gemacht werden könnten.

Kreis: Es braucht Zeit, bis Normalität einkehren kann

Lisa Becker dankte allen Einsatzkräften, die seit Freitagmorgen unterwegs waren und bis zur Erschöpfung arbeiteten. Ehrenamtliche der Feuerwehr und des Technischem Hilfswerks wie auch die Hauptamtlichen vom Bauhof hätten ihr Bestes gegeben. Nun seien alle komplett ausgepowert.

Es seien große Schäden entstanden, „die es noch zu beziffern gilt. Es wird viel Zeit vergehen, bis wieder eine gewisse Normalität einkehren kann“, teilt die Pressestelle des Saarpfalz-Kreises am Montagmorgen mit.

Im Einsatz waren in Blieskastel und den Nachbargemeinden die örtliche Feuerwehr, aber auch Feuerwehren aus anderen Gemeinden, selbst aus Hessen, das Technische Hilfswerk (THW) und sogar private Unternehmen, die Sandsäcke füllten.

Landrat Theophil Gallo spricht am Montag von einem „großen Zusammenhalt der Menschen in der Notsituation“. Diese „bewegende Solidarität“ sei überall, wo Gallo hinkam, zu spüren gewesen.

Pferde in Böckweiler, Kälber in Einöd vor Fluten gerettet

Aber nicht nur die Blieskasteler Innenstadt, auch einige Stadtteile waren von den Wassermassen betroffen. Dessloch nannte insbesondere Webenheim, Blickweiler und Straßenzüge in Breitfurt. In Böckweiler wurden schon am Freitag Pferde aus einer Stallung gerettet. In Webenheim standen am Samstag in der Straße Stadtpfad und in der Bleichstraße mehrere Keller unter Wasser. In der Brunnen- und in der Römerstraße von Blieskastel mussten mehrere Hausbewohner mit Booten evakuiert werden. Sie seien alle bei Freunden oder Verwandten untergekommen, so der Saarpfalz-Kreis. In diesen Straßen wurde auch der Strom abgestellt.

In Einöd hat die Feuerwehr am Sonntagmorgen Kälber mit Booten aus dem überfluteten Gebiet gerettet. Und in Blieskastel-Lautzkirchen war am Freitag ein Hang abgerutscht. Die Statik der betroffenen Häuser sei als kritisch zu bewerten, sagte der Landrat. Der eigens eingerichtete Krisenstab des Saarpfalz-Kreises verschaffte sich am Samstag mit Hilfe von Drohnen einen Überblick. Sie überflogen die vom Hochwasser betroffene Region.

Am Montag beginnen die großen Aufräumarbeiten

Die Feuerwehr Blieskastel und die Homburger Kollegen war die gesamte Nacht von Freitag auf Samstag im Einsatz, um Sicherungsmaßnahmen zu treffen. „Wir sind müde, aber es geht weiter und wir erhalten von allen Seiten große Unterstützung“, sagte ein Sprecher der Homburger Wehr. Allein in Blieskastel hatte es über 140-Unwettereinsätze gegeben.

Der Pfingstmontag ist vor allem der Tag der Reinigungs- und Aufräumarbeiten, sagt Dessloch. „Aber wir sind auch nach wie vor in Einsatzbereitschaft.“ Denn es gebe etliche Bürger, die jetzt erst bemerkten, dass ihr Keller vollgelaufen sei. Mit ähnlichen Anrufen rechnet er für den heutigen Dienstag. „Sicher werden dann auch einige Geschäftsinhaber in der Innenstadt sehen, dass das Untergeschoss ihres Ladens unter Wasser steht.“

Am Dienstag könnte es wieder kritisch werden

Der schlimmste Tag ist laut Dessloch der Samstag gewesen. Über 500 Einsatzkräfte der Feuerwehr, des THW und der Bundeswehr hätten mitgeholfen, die Lage in den Griff zu bekommen.

Auch für Dienstag wird wieder mit Starkregen gerechnet. „Wir gehen aber davon aus, dass die Blies die Menge verkraften kann.“ Allerdings, räumte er ein, seien die Wiesen und die Uferflächen gesättigt.

Am Samstagmittag trat die Blies über die Ufer und verwandelte manche Gebiete in eine Seenlandschaft.
Am Samstagmittag trat die Blies über die Ufer und verwandelte manche Gebiete in eine Seenlandschaft.
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