Homburg
Ein Karussell für Kinder mit Behinderungen
49 städtische Spielplätze betreuen Erwin Blank von der Homburger Grünflächenabteilung und sein Kollege Dieter Dorda in der Homburger Innenstadt, den Stadtteilen und Vororten. Auf keinem davon war bis vor wenigen Tagen ein explizit behindertengerechtes Spielgerät zu finden. Am Montag haben sie zusammen mit der Beigeordneten Christine Becker und der Behindertenbeauftragten Christine Caster auf dem Storchenspielplatz zwischen Unterer Allee und Oberer Allee das erste Homburger Inklusionsspielgerät eingeweiht. In Beschlag genommen haben die Kinder das Metallkarussell, das Platz für drei Rollstühle bietet, bereits Tage zuvor.
Bereits vor zwei Jahren hat Christine Caster die Idee zu einem solchen Spielgerät gehabt, das sich besonders an Kinder mit Behinderungen richtet. Im vergangenen Jahr wurde das Thema im Stadtrat behandelt und die Anschaffung des Spielgerätes beschlossen. Seit Anfang August schließlich hat die beauftragte Firma das Gerät auf dem Storchenspielplatz errichtet. „Das ist kein Spielgerät von der Stange, daher ist es mit 38 000 Euro in der Anschaffung schon recht teuer“, sagte vor Ort Erwin Blank vom Spielplatz-Management der Homburger Grünflächenabteilung.
Ein vergleichbares nicht-inklusives Spielgerät sei für rund ein Drittel dieses Preises zu haben, schätzt er. Was einer der Gründe sein dürfte, warum das Rollstuhl-Karussell das bislang einzige inklusive Spielgerät der Universitätsstadt ist, wenn man von Spielgeräten im Hof der Schule am Webersberg absieht, die allerdings nicht in städtischem Besitz sind. Wobei das Homburger Grünflächenamt sehr offen für solche Ideen sei, sagte auch Dieter Dorda. Allerdings waren 2020 gerade mal 68 000 Euro für Spielgeräte auf den 49 Spielplätzen im Haushalt der Stadt Homburg eingestellt. Somit sei das Grünflächenamt in seinen finanziellen Möglichkeiten eingeschränkt. Laut der städtischen Beigeordneten Christine Becker hat allerdings die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen bereits 2009 die Teilhabe von Kindern mit Behinderungen durch spezielle Spielgeräte im öffentlichen Raum angemahnt. Diese Forderung werde nun erfüllt.
Inklusion beginnt auf dem größten Spielplatz
Den Storchenspielplatz hat sich das Grünflächenamt als Standort für das neue Edelstahl-Karussell ausgesucht, weil er zum einen der größte Homburger Spielplatz ist und zum anderen sehr stark frequentiert ist.
Zwei weitere neue Spielgeräte werden laut Erwin Blank spätestens in der letzten Augustwoche auf dem Spielplatz Hammerloch in Jägersburg montiert, allerdings keine Inklusionsspielgeräte, sondern eine konventionelle Rutsche und ein Kletterturm. Auch der Erbacher Spielplatz in der Bodelschwinghstraße erhält in diesen Tagen eine neue Kettenschaukel. 35 000 Euro kostet der neue Spielturm, den das Grünflächenamt bis Ende September in der Brunnenstraße am Stadtpark aufstellen wird. Er ersetzt den vorherigen, morschen Spielturm, der bereits seit längerem abgebaut ist.
EINWURF
Die Stadt Homburg betreut 49 Spielplätze in Innenstadt, Stadtteilen und Vororten. Das ist eine Menge Holz. Im wahrsten Wortsinn. Spielplätze sind aber keine Kür, sie sind in einer modernen Gesellschaft Pflicht. Sie helfen, dass Kinder motorische Fähigkeiten entwickeln, soziale Interaktion lernen und sich mehr bewegen können. In Zeiten von zwangsweise stubensitzenden Coronazeit-Kindern, die auch in Kindergarten und Schule aus Corona-Vorsichtsgründen immer noch nicht das volle Sport- und Bewegungsprogramm bekommen, sind gerade Spielplätze wichtiger denn je – als Platz zum Toben, aber auch als Entspannungsort für die Eltern. Ein Jahresetat von 68 000 Euro für sämtliche Spielgeräte auf allen 49 Spielplätzen in Homburg ist ein schlechter Witz. Da muss mehr drin sein! Und gerade für die Anschaffung inklusionsgerechter Spielgeräte, die teurer sind, gibt es mit Sicherheit Fördertöpfe. Aber der Anfang ist gemacht. Jetzt muss die Stadt mit Vollgas weiter machen und die Zeiten, in denen Spielplätze weggespart wurden und Spielgeräte allein aus Kostengründen abgebaut wurden, endgültig hinter sich lassen. Zweibrücken kann da als leuchtendes Beispiel dienen, das sich übrigens auch Blieskastel zum Vorbild nehmen kann. Denn auch in Blieskastel wurden in den vergangenen 15 Jahren Spielplätze aus finanziellen Gründen geschlossen und viele Geräte abgebaut.