Homburg
Eden-Kino öffnet wieder – aber ohne neuen Mieter als Betreiber
Zweieinhalb Wochen, nachdem die Betreiber Andreas und Timo Simon die Schließung des Homburger Eden-Kinos bekannt gaben, können Kinobegeisterte nun aufatmen. Familie Ohl, der das Kinogebäude gehört, möchte das Filmhaus gemeinsam mit ihrem Enkelsohn Jason Bode nun selbst weiterbetreiben. Externe Mieter möchten sie also nicht ins Boot holen. „Ich bin für den kaufmännischen Bereich zuständig. Jetzt suchen wir noch nach einem Theaterleiter“, sagt Jason Bode der RHEINPFALZ im Gespräch am Dienstagmittag. Der Theaterleiter soll der kreative Kopf des Kinos werden – und sich hinsichtlich der Filme, die im Eden-Cinehouse gezeigt werden, ausleben können. Damit kann er spätestens ab dem 11. Juli loslegen – dann soll das Kino wieder seine Pforten öffnen.
Mehr Filme in kürzerer Zeit
„Wir wollen das neue Spielprogramm knackiger und moderner gestalten“, erzählt Bode. Mehr Filme sollen in kürzerer Zeit über die Leinwände flimmern; insgesamt soll es „mehr Dynamik und Abwechslung“ bei den Filmen geben. Die ehemaligen Betreiber Andreas und Timo Simon hatten mindestens einen Ruhetag pro Woche eingelegt – der soll nun wegfallen. Mehrmals pro Woche konnte man vormittags und abends sogenannte Arthouse-Filme sehen, die nicht die breite Masse anlocken und auch nicht dem allgemeinen Geschmack entsprechen. Diese Tradition möchte Jason Bode zusammen mit seinen Großeltern beibehalten.
Bode möchte das Eden-Kino „einmal chic machen“. Das Foyer soll neu gemalt werden, ein neues Kassensystem soll eingeführt werden, und einige allgemeine Ausbesserungen soll es geben. Das Erscheinungsbild der vier Kinosäle soll sich nicht ändern. „Die Kinosäle sind auf dem aktuellen Stand“, sagt Bode. Auch das Inventar soll von den ehemaligen Betreibern übernommen werden.
Zum Start gibt’s „Ich – Einfach unverbesserlich 4“
Was erwartet die Besucher am Wiedereröffnungstag am 11. Juli, übrigens ein Donnerstag? „Wir planen, als ersten Film ’Ich – Einfach unverbesserlich 4’ zu zeigen“, sagt Jason Bode. Der Kinderanimationsfilm kommt auch an diesem Tag in die deutschen Kinos. In den rund fünf Wochen bis zur Eröffnung möchte Bode erst einmal „ein bisschen verbrannte Erde abflauen lassen“. Das mediale und allgemeine Interesse bei den Leuten sei sehr hoch gewesen. Auch ein Streit und juristische Auseinandersetzungen zwischen dem ehemaligen Betreiber und den Vermietern hatten für Schlagzeilen gesorgt. So wollten Andreas und Timo Simon unter anderem ihr Inventar verkaufen; der Verkauf wurde allerdings abgesagt.
Vor ein paar Tagen hätten erfolgreiche Gespräche mit Homburgs Bürgermeister Michael Forster (CDU) stattgefunden, berichtet der neue Betreiber. Bei der Eröffnung werde es auch besondere Aktionen geben. Was genau, kann Bode noch nicht sagen. Aber: „Wir werden uns was einfallen lassen und werden auf uns aufmerksam machen“, sagt er.
Die neuen alten Eigentümer
Jason Bodes Großeltern, Familie Ohl, hatten das Eden-Kino früher selbst betrieben. Im Dezember 1992 hatte Familie Ohl das Filmhaus mit ihrer Firma, den Filmtheaterbetrieben Ronald Ohl, übernommen. Sie renovierten die damals noch drei Kinosäle und eröffneten einen vierten. Vor zehn Jahren hatten Andreas und Timo Simon den Standort mit ihrer Firma, der Cinemas Group, übernommen und das Kino auf den neusten Stand der Technik gebracht.
Jetzt wollten Andreas und Timo Simon das Kino umfassend renovieren – der Saal 4 sollte renoviert, und die restlichen Projektoren gegen neue 4K-Laserprojektoren ausgewechselt werden. Foyer und Toiletten sollten komplett renoviert und umgestaltet werden, ebenso die Kinosäle 1 und 2. Sie hatten sich sogar überlegt, einen fünften Kinosaal anzubauen.
Kauf des Kinos geplatzt
Allerdings wollten die beiden das Gebäude kaufen. Familie Ohl wollte dafür 1,4 Millionen Euro haben. Während der Kaufgespräche seien jedoch immer mehr Mängel und Investitionsstaus am Gebäude aufgefallen. „Man hat in den letzten 30 Jahren nicht wirklich viel am Gebäude gemacht“, sagte Andreas Simon der RHEINPFALZ Mitte Mai. Laut eines Gutachtens schmälern diese Mängel den Gebäudewert auf 600.000 Euro. Der Eigentümer hätte aber auf seiner ursprünglichen Preisvorstellung beharrt. Da die Behebung der Mängel laut Simon zusätzlich „eine gute Million“ verschlungen hätte, haben die nun ehemaligen Betreiber beschlossen, die Reißleine zu ziehen. Sie wären zwar bereit gewesen, die Renovierung durchzuführen – dafür hätten sie aber einen niedrigeren Kaufpreis aushandeln müssen. Das sei aber nicht möglich gewesen.