Gersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Bliestal-Freizeitweg nach zehn Monaten wieder durchgehend offen

Bürgermeister Michael Clivot darf Lenya und ihre Mama Jenny Heubusch jetzt wieder auf den Radweg lassen. Klein-Lina fährt im Anh
Bürgermeister Michael Clivot darf Lenya und ihre Mama Jenny Heubusch jetzt wieder auf den Radweg lassen. Klein-Lina fährt im Anhänger mit.

Auf dem Bliestal-Radweg im südlichen Saarpfalz-Kreis war das Teilstück zwischen Reinheim und Gersheim seit März 2020 gesperrt. Jetzt darf Lenya Heubusch aus Reinheim endlich wieder ihre Oma in Gersheim mit dem Rad besuchen.

Die kleine Lenya hatte sogar eigens einen Brief an den Gersheimer Bürgermeister Michael Clivot geschrieben – mit der Bitte, den beliebten Freizeitweg doch möglichst bald wieder zu öffnen. Am Donnerstagnachmittag war es endlich soweit: Zusammen mit Mutter Jenny und Schwester Lina radelte Lenya Heubusch erstmals wieder auf der asphaltierten ehemaligen Bahntrasse gen Gersheim. Warum der Weg überhaupt monatelang gesperrt war? Aus eher kuriosen Gründen.

„Entlang des Radwegs waren dort jahrelang die nötigen Baumpflegemaßnahmen versäumt worden“, sagt Bürgermeister Michael Clivot. Daher habe sich an einem rund 600 Meter langen Hangstück ein Biotop gebildet. „In 20 Jahren sind dort Bäume gewachsen. Voriges Jahr bestand die Gefahr, dass die auf den Radweg fallen.“ Zum Beispiel seien Eschen wegen des Eschentriebsterbens abgestorben, aber auch andere Bäume machten zunehmend Probleme. Vor allem nach einem Sturm Ende Februar 2020.

Ab Gersheim wird die Sache problematisch

Naturschutz- und andere Behörden legten damals fest, welche Bäume entlang der Radweg-Etappen zwischen Lautzkirchen und Gersheim gefällt werden dürfen beziehungsweise müssen. „Ab Gersheim wurde die Sache naturschutzmäßig problematisch“, sagt Michael Clivot: „Denn es war unklar, welche Auswirkungen es auf den Lebensraum hat, wenn man die Bäume in dem Biotop einfach abschneidet.“ Schließlich sei der Bereich an den Bliesufern besonders geschützt. Es gebe dafür sogar eigene europäische Richtlinien.

Laut Clivot ist die Gemeinde Gersheim für das Reinigen des Weges zuständig. Eigentümer sei jedoch der saarländische Landesbetrieb für Straßenbau, kurz LfS. Und der hat nach Clivots Worten für die Sicherheit zu sorgen. In diesem Fall also auch für die Baumpflege der angrenzenden Gewächse.

Teilstück stand kurz vor endgültiger Schließung

Doch so einfach scheint die Sache nicht zu sein. Denn im Laufe der Zeit haben sich in dem Biotop mehrere besondere Vogel- und andere Tierarten angesiedelt. Also mussten erst Naturschutzgutachten her, und das dauerte. Und fiel nicht immer eindeutig aus. „Wir waren schon knapp davor, den Radweg hier endgültig zu schließen“, räumt Bürgermeister Michael Clivot ein. Damit den Ausflüglern nichts passieren konnte, wurde der Radweg ab März 2020 zwischen Gersheim und Reinheim geschlossen. Aber nicht jeder hielt sich an das Verbot. Mitunter wurden Absperrungen sogar mit dem Trennschleifer geknackt.

Die Gersheimer Gemeindeverwaltung habe aber „stets sanften Druck in Richtung Land, Wirtschafts- und Umweltministerium gemacht“, sagt Clivot, damit der Radweg erhalten und wieder geöffnet werden kann. So, wie es sich Lenya Heubusch und viele andere Gersheimer und Reinheimer gewünscht haben.

„Sanfte Baumpflege“

Zuletzt hat eine Fachfirma aus der Eifel etliche Bäume im Hang gefällt und sogenannte „sanfte Baumpflege“ betrieben. Bis vergangene Woche wurden manche Bäume ganz gefällt und andere soweit zurückgeschnitten, dass sie für die Radfahrer und Spaziergänger keine Gefahr mehr darstellen – selbst, wenn sie eines Tages umfallen sollten.

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