Blieskastel
Bliesbrücke über den Dächern: Was Lieferung so schwierig machte
Über anderthalb Jahrzehnte lang war die alte Bliesbrücke, die die beiden Blieskasteler Ortsteile Breitfurt und Wolfersheim über die Blies verbindet, wegen Baufälligkeit gesperrt. Am Freitag war es so weit: Eine Spezialfirma lieferte die neue Brücke. Nach einer ungeplanten Umsetzung am frühen Morgen in Bliesdalheim wurde die neue Bliesbrücke gegen 12.30 Uhr mit rund zweieinhalb Stunden Verspätung schließlich über den Fluss gehoben und auf die Widerlager gesetzt. Zur Brückenhochzeit kamen rund 50 Einwohner beider Gemeinden.
Mit der Brücke ist ein lange gehegter Wunsch der Anwohner von Wolfersheim und Breitfurt in Erfüllung gegangen. „Als ich ein kleines Mädchen war, habe ich die alte Brücke oft benutzt. Da bin ich mit meiner Mutter oft nach Breitfurt gelaufen, um beim Eifler Schuhe zu kaufen“, erinnert sich Gudrun Süß-Seel aus Wolfersheim. Als Erwachsene hat sie die Bliesbrücke am Ende des Breitfurter Weges genutzt, um spazieren zu gehen. Und auch heute sei die Bliesquerung nötig. „Wenn man auf den Radweg will, den Bliestal-Freizeit-Weg, ist die Brücke wichtig, weil man dorthin kommt, ohne eine Straße nutzen zu müssen“, erklärt sie. Und auch, wenn das jährliche Begegnungsfest zwischen beiden Orten anstehe, werde die Bliesbrücke gebraucht.
30 Meter lang und 12 Tonnen schwer
Denn die Einwohner der beiden Blieskasteler Ortsteile Wolfersheim und Breitfurt verstehen sich so gut, dass sie sogar bei Freundschafts-Sommerfesten regelmäßig zusammen feiern. Das liegt auch daran, dass es in beiden Orten viele verwandtschaftliche Beziehungen gibt. Nur eines trennt die beiden Orte: die Blies, über die nun wieder die neue Brücke führt.
Auch Wolfersheims Ortsvorsteher Matthias Seel, der voriges Jahr zum dritten Mal in Folge gewählt wurde und somit seit neun Jahren im Amt ist, freute sich am Freitagmittag nach eigener Aussage „wie eine Wutz mit einem Ohr, dass die Brücke endlich wiederhergestellt wird. Dafür haben wir 16 Jahre lang gekämpft. Die Brücke ist für uns sehr wichtig als direkte Verbindung zum Radweg“, erklärte er, während an der Ecke Wolfharistraße, also der Ortsdurchfahrt, und dem Breitfurter Weg – einem Feldweg –, die 30 Meter lange und zwölf Tonnen schwere Aluminiumbrücke von einem Kran umgesetzt wurde
Kurven sorgen für Schwierigkeit bei Transport
Die Lieferung der Brücke gestaltete sich schwieriger als anfangs gedacht: Die Brücke wurde über die angrenzenden Häuser der Kreuzung gehoben, der Tieflader fuhr ohne Brücke um die Ecke, und dort wurde die Brücke wieder aufgeladen. Denn um mit aufgeladener Brücke um die Kurve zu fahren, war der Kurvenradius schlicht zu eng. Während die Umsetzung in der Wolfersheimer Ortsmitte geplant war, mussten die Mitarbeiter des Transportunternehmens frühmorgens dasselbe Manöver in Bliesdalheim direkt an der Kirche schon einmal vollführen, hier allerdings ungeplant. Denn auch dort war der Kurvenradius zu eng, sodass die Brücke über die Häuser gehoben werden musste und mit Verspätung in Wolfersheim ankam.
„Es gibt noch ein Nadelöhr unten im Tal, eine 90-Grad-Kurve, ich bin sehr gespannt“, hatte Seel vormittags in der Wolfersheimer Ortsmitte erklärt. Doch auch diese Herausforderung meisterten die Brückenbauer. Mit Seilen an allen vier Ecken zogen sie die Brücke bei der sogenannten Hochzeit, also der Setzung auf die Fundamente, in Position, während sie am Haken eines Autokrans hing.
Kosten: Fast eine Million Euro
Die Brücke über die Blies war aus Sicherheitsgründen seit rund 16 Jahren gesperrt gewesen. Der Stahl war teilweise durchrostet, die Holzbohlen auf dem Boden verfault und morsch. Das Geld und der politische Wille für eine Erneuerung fehlten jedoch lange. Breitfurter und Wolfersheimer gaben aber nicht auf und erinnerten bei jeder Gelegenheit an Absichtserklärungen von Politikern und Parteien. Mitte August 2024 war es dann so weit: Eine Spezialfirma hatte die alte Bliesbrücke abgerissen und Platz für die neue gemacht, an der sich die Einwohner beider Dörfer jetzt erfreuen können. Allerdings liegt die neue Brücke zwar – genutzt werden kann sie aber erst voraussichtlich Ende März.
Gekostet hat die neue, gegenüber dem Vorgängermodell nahezu doppelt so breite Brücke, fast eine Million Euro. Unter anderem wegen der Kosten von mittlerweile rund 960.000 Euro hatte es im Blieskasteler Stadtrat über ein Jahrzehnt keine Einigung zu dem Projekt gegeben. Hier sorgte schließlich der Bund für Bewegung. Er übernimmt nun 90 Prozent der Kosten. Die Kosten für das Bier und die Würste beim Eröffnungsfest sind in der Fördersumme nicht enthalten – die übernehmen die „Wolferschummer“ und „Brääwadder“ aber gerne selbst.