Homburg
Betriebsbedingte Kündigungen sind bei Bosch in Homburg für fünf Jahre ausgeschlossen
Nach mehrjährigen Verhandlungen habe man sich Ende April geeinigt. Dies erklärte am Dienstag, 19. Mai, Ralf Reinstädtler, Erster Bevollmächtigter der Gewerkschaft IG Metall Homburg-Saarpfalz. Man habe den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen für die nächsten fünf Jahre, den Erhalt der Berufsausbildung sowie eine Verpflichtung zur Übernahme nach Abschluss der Ausbildung vereinbart. Ziel sei die Standort- und Jobsicherung für alle Beschäftigten am Homburger Bosch-Standort. Bestehende Arbeitsverhältnisse würden abgesichert. Neue Chancen und Perspektiven erhalte der Standort Homburg dank Zusagen zur Ansiedlung von Zukunftsprodukten und durch umfangreiche Investitionen. Zum Beispiel hatte der damalige Werkleiter Thomas Gönner im vergangenen Herbst für das Jahr 2020 die Fertigung von Komponenten für knapp 100 Brennstoffzellen angekündigt. Drei Bauteile der Brennstoffzelle für Nutzfahrzeuge gingen in Serie; damit sei Bosch in Homburg „heute schon das Leit-Werk für die ganze Welt“.
Lohneinbußen wegen verkürzter Arbeitszeit
Die jüngsten „Zusagen und Sicherheiten“, so Ralf Reinstädtler, habe das Standort-Management jedoch nicht ohne Bedingungen gewährt. „Umfangreiche Zugeständnisse der Belegschaft“ seien gefordert worden, wobei der Betriebsrat noch viele Punkte habe „entschärfen“ können. Trotzdem blieben im Ergebnis schmerzhafte finanzielle Zugeständnisse der Mitarbeiter. Diese beträfen während der fünfjährigen Vertragslaufzeit Lohneinbußen wegen verkürzter Arbeitszeit sowie die zeitweilige Kürzung einer betrieblichen Zulage.
Bevor der Betriebsrat seine Unterschrift unter die Vereinbarung setzte, befragte er alle Beschäftigten, ob sie das Verhandlungsergebnis mittragen. Zudem, so Reinstädtler, habe die IG Metall ihre Mitglieder bei Bosch befragt, weil die Betriebsvereinbarung eine befristete Änderung des Flächentarifvertrags nötig mache.
90 Prozent votieren mit Ja
„Die Ergebnisse beider Befragungen liegen nunmehr vor und sind im Ergebnis deckungsgleich“, verkündete der Bevollmächtigte am Dienstag: „Knapp zwei Drittel der IG-Metall-Mitglieder haben an der Abstimmung aktiv teilgenommen und ihre Abstimmkarte an die Geschäftsstelle zurückgeschickt. Davon haben 90 Prozent mit Ja abgestimmt und sich für eine Annahme des Verhandlungsergebnisses und eine befristete Änderung der Tarifverträge ausgesprochen.“ Das Ergebnis sei „überraschend eindeutig ausgefallen“, sagte Reinstädtler: „Wir haben mit einer Zustimmung gerechnet, aber nicht in dieser Klarheit. Der Beitrag der Mitarbeiter für Sicherheit und Zukunft wird in der Haushaltskasse spürbar und durchaus finanzielle Einschränkungen zur Folge haben. Daher ist allen Mitarbeitern die Entscheidung sicher nicht leichtgefallen.“
Appell an Unternehmensspitze in Stuttgart
Die Gewerkschaft fordert das Homburger Standort-Management und die Firmenspitze in Stuttgart auf, die Verabredungen und Zusagen umgehend umzusetzen. Die IG Metall werde mit dem Arbeitgeberverband über die zeitlich befristeten Änderungen am Tarifvertrag sprechen.