Saarbrücken
Bernhard Moestl erzählt: Was man von einem Shaolin-Mönch im Alltag lernen kann
„Wer hat schon mal gegen Mike Tyson gekämpft?“ Mit dieser im ersten Moment eigenwillig klingenden Frage beginnt der ehemalige Shaolin-Mönch Bernhard Moestl seinen Vortrag beim Diskussionsforum „New Waves Saar 2.0“ auf dem Eventschiff „Frohsina“ in Saarbrücken. Das vom ehemaligen saarländischen Regierungssprecher Thorsten Klein organisierte Event hatte zum Ziel, in Vorträgen und Workshops die Wirtschaft stärker miteinander zu vernetzen und neue Idee anzuregen. Dazu beitragen sollte auch Bernhard Moestl – auch dank seiner ungewöhnlichen Denkweisen.
Der aus Rumänien angereiste Bestsellerautor teilte dabei seine Erfahrungen aus seiner Zeit bei den Shaolin-Mönchen in China. Dabei handelt es sich um einen buddhistischen Mönchsorden, der für seinen Kampfstil, den „Shaolin Kung Fu“ bekannt ist. Diese Kampfkunst hat Moestl dort erlernt. In mehreren Büchern erzählt er, was er von den Mönchen gelernt hat, und übertragt diese Erkenntnisse auf den Alltag. Von seinem Besuch im Saarland könne er viel mitnehmen, sagt er. Die Erkenntnisse aus den Gesprächen und Fragen der Eventbesucher seien ein guter Indikator, um zu erkennen, was die Menschen derzeit beschäftige. Doch was haben die Shaolin-Mönche mit Mike Tyson zu tun?
Mike Tyson und chinesische Mönche
Als das Publikum die zu Beginn gestellte Frage verneinte, stellt Bernhard Moestl sie in abgewandelter Form noch einmal. „Warum würdet ihr nicht gegen ihn kämpfen?“, fragt er die Zuhörer, um die Auflösung gleich hinterher zu schieben. Der Grund, weshalb niemand gegen Mike Tyson kämpfen wolle, sei, dass er gut kommuniziere, wie stark er sei. Denn anders als der Begriff Kampf es suggerieren mag, sei der Schlüssel zum Erfolg nicht Gewalt, sondern Kommunikation. „Kampfloser Sieg“ sei hier das Stichwort, welches von den Shaolin-Mönchen geprägt wurde. Am Ende sei es nicht so wichtig, wie gut man kämpfe – entscheidender sei, dass die Menschen eben denken, dass man im Kampf gegen einen verlieren würde.
Der Schlüssel dafür: Kommunikation. Ein Attribut, das für jeden Menschen und für die Wirtschaft ganz besonders wichtig sei. „Die Menschen haben Angst vor Veränderungen, die sie nicht erwarten“, erklärt Moestl. Gerate man mit einem Flugzeug unerwartet in Turbulenzen, erzeuge das bei vielen Menschen Angst. Kündigt der Pilot die Turbulenzen jedoch vorher an, habe man sofort ein besseres Gefühl und die Situation scheint unter Kontrolle.
Die Wahrnehmung ist entscheidend
Eine Erkenntnis, die sich auch auf unternehmerische Entscheidungen übertragen lasse. Als Kopf eines Unternehmens habe man etwa die Aufgabe, seinen Mitarbeitern Entscheidungen zu erklären. Genau wie der Pilot es tut. „Wir gewinnen und verlieren in der Kommunikation. Egal ob als Führungskraft oder Autor“, sagt Moestl.
Kommunikation beginne dabei oft mit der Frage, wie man mit sich selbst rede. Jeder könne selbst darüber entscheiden, was er in sein Bewusstsein lasse und was nicht. Dies beeinflusse dann wiederum, was sich auf andere Menschen überträgt. Als praktische Übung könne man sich etwa jeden Abend überlegen, was man gut gemacht habe, und es aufschreiben. Auch im Team gelinge das, etwa wenn man im Meeting am Ende jeder Woche bespreche, was in der Woche gut gelungen ist. Langfristig würde das zu veränderten Denkmustern führen, meint der schreibende Mönch.
Letztlich sei für eine Führungskraft nicht wichtig, was sie sei, sondern, was die Leute über sie denken. „Wir wissen nicht, ob Mike Tyson ein guter Boxer ist“, sagt Bernhard Moestl. „Der Geist ist alles – was du denkst, das wirst du“, habe schon Buddha gesagt. Eine Erkenntnis, die weit über den Wirtschaftskontext hinausgeht.