Altheim RHEINPFALZ Plus Artikel Altheimer Jungstörche tragen jetzt ihre Ringe

Die Jungstörche stellen sich in einer natürlichen Reaktion tot, was das Beringen erleichtert.
Die Jungstörche stellen sich in einer natürlichen Reaktion tot, was das Beringen erleichtert.

Andrea und Alex heißen die beiden ersten im Bickenalbtal geborenen Jungstörche, die am Mittwoch, 9. Juni, in Altheim beringt wurden. Die Aktion stieß auf großes Interesse. Selbst die Kindergartenkinder mit ihren Muttis waren mit Bollerwagen gekommen, um den ungewöhnlichen Moment gebührend zu feiern.

Seit Ostern hatte mit den beiden Elternstörchen erstmals seit rund 60 Jahren wieder ein Storchenpaar in den Altheimer Bickenalbwiesen gebrütet. Und zwar in einem neuen Nest, das Gemeinde und Pfalzwerke am Rosenmontag auf einem etwa zwölf Meter hohen Mast dort aufgestellt hatten. „Die Ornithologen von der Vogelwarte Radolfzell sind ganz erstaunt, dass unser Nest so schnell angenommen wurde“, hatte sich die Altheimer Ortsvorsteherin Beate Lambert im April gefreut. Zusammen mit ihrem Mann hat sie vom eigenen Balkon einen tollen Ausblick auf Nest und Nachwuchs.

Und trotzdem ist sich Beate Lambert nicht sicher, wie viele Eier das von ihr wegen seines weißen Gefieders „Schneewittchen“ getaufte Storchenweibchen tatsächlich gelegt hat. Durchgekommen sind jedenfalls zwei Jungen, die jetzt um die drei Wochen alt sind und deren Geschlecht in diesem frühen Stadium bislang noch nicht bekannt ist. Daher wählten die Altheimer in einer salomonischen Entscheidung zwei Namen aus, die jeweils für beide Geschlechter passen. Und auch die Kennzeichnung auf den Ringen der beiden fangen mit A an: AA5306 und AA5307 heißen die beiden Altheimer Jungstörche jetzt ganz offiziell. Und wo immer sie in Zukunft auftauchen werden: Kundige wissen dann, woher sie stammen.

Storchenmama ist noch jung

Und genau das ist für Beate Lambert schon ein kleines Wunder. „Die Mutter ist sehr jung, die ist ja erst am 1. Juni 2019 in Winden in der Pfalz beringt worden und somit gerade mal zwei Jahre alt. Normalerweise werden Störche erst mit drei Jahren geschlechtsreif“, weiß Lambert, die sich mittlerweile zur Storchen-Spezialistin gemausert hat. Und dann waren da noch die Nachtfröste der vergangenen Wochen. Dass die Mutter dennoch zwei gesunde Jungen zur Welt gebracht hat, sei schon erstaunlich. „Die Jungen sind in einem guten Ernährungszustand“, bescheinigte am Mittwoch dieser Woche der Beringer Sebastian Kiepsch vom Naturschutzbund Nabu aus Saarlouis. Zusammen mit zwei Helfern beringte er Andrea und Alex. Mama Schneewittchen hingegen war der Trubel zu viel, sie hatte zuvor das Nest verlassen. Der Zeitpunkt der Beringung war nach Kiepsch’ Worten genau richtig. Viel später hätte bei den Jungstörchen nämlich der Fluchtreflex eingesetzt. So jedoch stellten sie sich im Nest einfach tot. Ideal für die Beringung.

Mit dabei waren am Mittwoch auch die Kindergartenkinder aus Altheim sowie etliche erwachsene Altheimer, die mit „Storchenwasser“ (Bier und Sekt) miteinander anstießen. Nicht fehlen durfte Wolfgang Mann, der Ortsvorsteher aus dem nahen Peppenkum. Er wollte sich informieren über die Störche und die Beringung. Denn oft kommen die Vögel aus Richtung Frankreich in die deutsche Grenzregion und überfliegen dann sein Dorf. Daher wollen die Peppenkumer den Überfliegern eventuell demnächst selbst ein Angebot machen. Sprich, ein Nest bauen.

Casanova bleibt weg

Nicht dabei am Mittwoch war der französische Casanova-Storch, der das Paarglück der beiden Eltern zu Beginn hatte stören und die Braut an seiner Seite haben wollte. Auch während der Brut kam er laut Beate Lambert immer mal wieder angeflogen und versuchte sein Glück mit aufdringlichem Gebalze. Doch vergeblich. Schneewittchen hat sich festgelegt, und wie man an den beiden Jungstörchen sieht, war das auch gut so.

Nach Aussage von Sebastian Kiepsch gibt es 26 bebrütete Storchenhorste im ganzen Saarland. Darunter auch einige Wildhorste, beispielsweise in Baumkronen. Das Storchenpaar, das in Altheim sein Nest gefunden hat, war das erste seit den 1960er-Jahren in der Bickenalb-Gemeinde. In Verlängerung des Bickenalb-Aue stehen im benachbarten Mittelbach seit drei Jahren ebenfalls zwei Storchenmasten, die jedoch bislang nicht besiedelt wurden. Experten zufolge sind die Mittelbacher Masten zu niedrig und stehen zu nah am Wald.

Altheimer Kindergartenkinder und ihre Muttis verfolgen gespannt die Beringung per Hubsteiger.
Altheimer Kindergartenkinder und ihre Muttis verfolgen gespannt die Beringung per Hubsteiger.
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