Altheim 750-Jahr-Feier am Wochenende: Ein Dorf zwischen Vergangenheit und Zukunft
Mit einem großen Fest feiert Altheim am Wochenende sein verbrieftes Mindestalter von 750 Jahren. Altheim zählt zu den ältesten Siedlungen im Bliesgau mit Funden aus vorchristlicher Zeit. Erstmals urkundlich erwähnt wurden „Altheym“, so die frühere Schreibweise, im Jahr 1275, als der dortige Pfarrer Folmar seinen Besitz testamentarisch dem nahen Kloster Hornbach vermachte. Heute geht das rund 600 Einwohner zählende Dorf mit großen Schritten und einem verjüngten Team in eine digitale und touristische Zukunft. So wird im Herbst der erste digitale Kleinsupermarkt im Saarpfalz-Kreis namens „Friedas24“ im Bickenalbcenter eröffnen.
Altheim ist ein Ort mit Geschichte. Der Hauch der Kelten, Merowinger und des Mittelalters weht durch den Ort − und das nicht nur in der Merowingerstraße, die nach dem ältesten Königsgeschlecht der Franken benannt ist, die von der Mitte des fünften Jahrhunderts bis 751 herrschten. Die Merowinger sind ein wichtiger Eckpunkt der langen Altheimer Geschichte. Doch die ältesten Spuren von Besiedlung sind weitaus älter. So wurden bei Ausgrabungen zwischen 1928 und 1935 in Hügelgräbern auf Altheimer Gemarkung ein Steinbeil und Pfeilspitzen aus der Jungsteinzeit gefunden. Weitere Grabhügel in Altheim stammen aus der Bronzezeit (circa 2200 bis 800 vor Christus), der Hallstattzeit (ab 800 vor Christus) und der Latènezeit (auch jüngere Eisenzeit, 450 vor Christus bis zu Christi Geburt). Somit haben auch die Kelten ihre Spuren hinterlassen. Altheim war also über viele Jahrhunderte stets besiedelt. Was auch nicht verwunderlich ist, liegt der Ort doch mitten im idyllischen Naturschutzgebiet des Bickenalbtales.
Im Internet historische Fotos und ein Film
Zudem liegt Altheim mitten am Jakobsweg, der sich dann später in christlicher Zeit entwickelte. Die tatsächliche Entwicklung des Ortes an heutiger Stelle fällt laut Historikern vermutlich ins sechste Jahrhundert. Bei Bauarbeiten 1974 und 1975 wurde in Altheim das größte Gräberfeld aus der Merowingerzeit im gesamten südwestdeutschen Raum gefunden, das aus 115 Gräber besteht. Eine solch reiche und von kulturhistorischer Bedeutung getränkte Geschichte haben nur wenige Dörfer der Region aufzuweisen. Doch dabei soll es nicht bleiben. „Mit Geschichte in die Zukunft“ könnte das Motto des Dorfes lauten. Denn die Altheimer bleiben nicht stehen und ruhen sich aus auf ihrer Tradition, sie gehen mit Siebenmeilenstiefeln in die Zukunft. Eine verjüngte Mannschaft entwickelt Altheim derzeit mit hohen Zielen. Neuer Ortsbürgermeister ist der 38-jährige Oliver Meiser, der von einem jungen Ortsrat ohne Parteizugehörigkeiten unterstützt wird, und auch vom Dorfverein, der erst 2024 gegründet wurde. Dieser ist als Unterstützungs-Überbau der rund neun vorhandenen Vereine ins Leben gerufen worden, darunter der Sportverein, der Tennisverein und zwei Angelsportvereine. „Wir helfen uns gegenseitig“, sagt Meiser. So auch beim anstehenden Fest am Wochenende, bei dem sehr viele Helfer mit anpacken. Aber auch bei der Zukunftssicherung. „Wir haben eine zugezogene junge Familie, die eine Marketingagentur hat und den ganzen Ort fotografisch digital erfasst hat“, sagt Meiser.
Im Internet wurde das Dorf in einem eigenen Google-Street-View mit historischen Fotos von Häusern und Straßenzüge digital verewigt. Dort sieht man etwa, wie ein gewisser Ort früher aussah, und wie heute. Auch ein Blick in die Kirche damals und heute, kleine Filmchen, beispielsweise über das Keltenhaus außerhalb des Dorfes, vermitteln barrierefrei Wissen und gestatten Menschen aus der ganzen Welt einen visuellen Eindruck.
Bald der erste digitale Supermarkt im Kreis
Doch es geht noch weiter. Da Altheim nicht nur am Jakobswanderweg, sondern auch am Mühlenradweg und an der Bickenalbroute liegt, spielt nicht zuletzt Tourismus eine Rolle. Zwar gibt es kein Hotel in Altheim, aber eine Ferienwohnung. Die kann man sich auch online ansehen und auch Touren planen. Dabei hilft auch das neue Busangebot des Flitsaars, ein neues Modell nach Art eines Anruftaxis. „Damit können Touristen sich beispielsweise ans Keltenhaus bringen lassen und von dort aus Radfahren oder wandern“, sagt Ortsvorsteher Meiser. Innerhalb von nur fünf Monaten hätten beide Kleinbusse, die rund um Altheim unterwegs sind, bereits über 100.000 Kilometer auf den Tacho gefahren. Das Angebot werde sehr gut genutzt, so Meiser, natürlich nicht nur von Touristen, sondern hauptsächlich von Altheimern. Einen Nachteil hat der Flitsaar, den man digital per Mobiltelefon bestellen kann: Er endet an der Grenze zu Rheinland-Pfalz, bindet also das nahe Zweibrücken nicht in den Fahrplan ein.
Ebenfalls digital wird das Bickenalbcenter in der Dorfmitte. Das startete als Nahversorgungszentrum um das Jahr 2010 mit einer Bürgeramt-Aussenstelle der Blieskasteler Stadtverwaltung, einer Bäckerei, einer Filiale der Volksbank Saarpfalz und einem Friseurladen. Zwischenzeitlich war auch ein Industriebetrieb ansässig. Bis auf den Friseurladen gibt es mittlerweile keine Geschäfte mehr im Bickenalbcenter. Stattdessen gibt es zweimal wöchentlich ein Treffen der Altheimer Senioren zum Kaffeeklatsch. Im Herbst jedoch soll mit „Friedas24“ der erste digitalisierte Nahversorger im Saarpfalz-Kreis einziehen. Das Konzept der Firma aus dem nordsaarländischen Wadern sieht einen Kleinsupermarkt für die Dinge des täglichen Bedarfs vor, der ohne Personal auskommt. Man öffnet die Tür mit einer Karte, kauft ein, bezahlt mit Karte und fertig. Für den Betrieb habe man einen Pächter aus dem Ort gefunden, der den Laden in einem Franchise-Konzept betreibt.
Nicht zuletzt durch den geplanten Digital-Supermarkt sieht Oliver Meiser sein Dorf auch für Touristen gut aufgestellt. Man kann mit dem Flitsaar mobil sein, Radtouren machen und wandern, am Keltenhaus grillen, sich zuvor im Supermarkt mit Proviant versorgen, kann in der Ferienwohnung wohnen und bei Enzo an der Kirche italienisch essen gehen. Und das in einer sanften Hügellandschaft mitten zwischen grasenden Kühen, zwischen Wald und Bickenalb.
Festprogramm
Pünktlich zum Fest 750 Jahre Altheim auf dem Dorfplatz vor der Kirche hat die Ortsgemeinde eine Festschrift erstellt, die am Wochenende erhältlich ist. Start des Jubiläumsfestes ist am Samstag, 28. Juni, um 16.30 Uhr, es folgt um 17 Uhr die offizielle Eröffnung. Um 18 spielen die „Tollkirschen“ einen Sketch auf der Bühne, ab 20 Uhr sorgen „The Twins“ für Livemusik zwischen den Ständen, an denen Altheimer Vereine und andere Anbieter kulinarische Spezialitäten auftischen. Enzos Pizzeria ist genauso vertreten wie der Angelsportverein Bickenalb, Burgerliebe und Delikatessen vom Hochlandrind aus dem Rohrbachtal. Der zweite Festtag, Sonntag, der 29. Juni, beginnt um 9 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst. Ab 10 Uhr spielt das Blasorchester des Turnvereins Breitfurt zum Frühschoppen auf. Ab 12 Uhr machen Heimat- und Kulturverein, Angelsportverein Altheim, die Alten Herren des SV Altheim, der Tennisverein und die ehemaligen Feuerwehrleute der Kameradschaft 2012 viele verschiedene Mittagessen-Angebote. Ab 14 Uhr spielt das „Duo Delight“ Livemusik, anschließend folgt um 14.30 Uhr das Kindertheaterstück: „Der versteinerte Ortsvorsteher“. Kaffee und Kuchen, ein buntes Kinderprogramm und ab 17 Uhr Livemusik mit „Batweasel“ runden das zweitägige Fest ab.