Blieskastel-Webenheim
2021 wird die bild- und faktenreiche Chronik „100 Jahre Bauernfest“ erscheinen
„Die bislang einzige Unterbrechung in seiner Geschichte erlebte das Webenheimer Bauernfest in den Jahren 1940 bis 1948 – wegen des Zweiten Weltkriegs“, sagt Martin Schunck, der stellvertretende Vorsitzende des Reitervereins Bliestal. Ansonsten hat der Verein noch jedes Jahr im Juli das größte Volksfest im östlichen Saarland ausgerichtet. 2020, als das Coronavirus auch dem Webenheimer Bauernfest in die Suppe spuckte, hielt der Reiterverein seine stolze Tradition wacker mit einem Umtrunk in der Reiterklause wach. Zu den Klängen der Musikkapelle Breitfurt – alles unter Einhaltung der Hygienevorschriften, versteht sich.
Am Samstagnachmittag, 30. August, haben Schunck und sein Vorstandskollege Julius Sonn in der Reiterklause zugebracht, dem Hauptquartier des Clubs am Festgelände in den Blieswiesen. Sie hatten dort jede Menge moderne Computer- und Scannertechnik aufgefahren. Denn die Ortsbevölkerung war eingeladen, alte Fotos, Schriftstücke und andere Dokumente aus der nunmehr 99-jährigen Geschichte des Webenheimer Bauernfests vorbeizubringen. Schon seit Monaten sind Schunck, Sonn und ihr Mitstreiter Hans Hurth damit beschäftigt, solche Zeitzeugnisse aus Schuhkartons, aus Truhen vom Speicher oder aus Opas altem Schreibschrank akribisch zu sichten. Die eindrucksvollsten Dokumente scannen sie für die opulente Jubiläums-Festschrift ein, die sie 2021 im 100. Jahr des Webenheimer Bauernfests veröffentlichen werden.
Rare Zeitzeugnisse aus Vor- und Nachkriegszeit
„Wir haben schon eine ganze Menge Fotos aus den letzten 100 Jahren beisammen“, berichtet Julius Sonn von Farbaufnahmen schauriger Geisterbahnen vom Bauernfest-Vergnügungspark, von voll besetzten Festzelten mit Politikern wie den früheren saarländischen Ministerpräsidenten Franz Josef Röder und Werner Zeyer sowie von spannenden Pferderennen und farbenprächtigen Bauernmärkten vergangener Jahrzehnte.
Während sich die Daten-Festplatten, die Alben und Pappkartons voller historischer Fotos und Urkunden in diesen Wochen zusehens füllen, hat die Redaktion der geplanten Jubiläumschronik das Staunen über manch unverhofften Schatz aus alter Zeit noch immer nicht verlernt. Julius Sonn: „Im Leben hätten wir nicht geglaubt, dass uns noch jemand die Original-Festschriften der Bauernfeste 1939 und 1948 bringen würde.“ Doch genau so ist es gekommen. „Dass diese Hefte noch existieren ...“, wundert sich Martin Schunck und zeigt sich darüber erleichtert, „dass in der 1939er-Festschrift zum Glück kein Hakenkreuz drin ist. Denn so ist uns allen im nächsten Jahr bei einer Veröffentlichung gleich viel wohler.“
Neuer Wirt muss seine Premiere vertagen
Nur vom Schlagersänger Jürgen Marcus kann es kein Erinnerungsfoto geben: Der Interpret des Hits „Ein Festival der Liebe“ hatte 1973 sein fest vereinbartes Gastspiel beim „Bunten Abend“ geschwänzt und die saarpfälzischen Schlagerfans seinerzeit schnöde im Stich gelassen.
Ausgefallen ist auch die für 2020 geplante Webenheim-Premiere des neuen Bauernfest-Zeltbetreibers Pfalzwiesen GmbH. Das Unternehmen mit 70 eigenen Servicekräften und Köchen sowie 40 Security-Mitarbeitern hätte mit volkstümlichen Speisen- und Programm-Angeboten das traditionell urwüchsige Flair des bäuerlich geprägten Volksfests ins große Bierzelt zurückholen sollen. Jetzt müssen nicht nur der Reiterverein Bliestal, sondern auch die Pfalzwiesen GmbH auf das Jahr 2021 vertrauen – in der Hoffnung, dass für große Publikumsveranstaltungen dann wieder bessere Zeiten anbrechen. „Dieses Jahr konnte man ja leider nichts machen“, zuckt Martin Schunck mit den Schultern: „Hoffen wir halt, dass es nächstes Jahr klappt.“
Und dann, zum Jubiläum, wollen es auch die Bauernfest-Organisatoren vom Reiterverein Bliestal wieder ordentlich krachen lassen. Nicht nur mit ihrer Festschrift, die bild- und faktenreich die Historie der vergangenen 100 Jahre Revue passieren lässt.
Info
Unter festschrift@bauernfest.de nimmt die Festschrift-Redaktion weiterhin historische Bauernfest-Dokumente entgegen.