Lambsheim RHEINPFALZ Plus Artikel Zwischen Rauferei und Versöhnung: Ein Schulmediator berichtet

„Ich betrachte die Schüler als meine Kunden“, sagt Thomas Pirjevec, ehrenamtlicher Mediator an der Lambsheimer Karl-Wendel-Schul
»Ich betrachte die Schüler als meine Kunden«, sagt Thomas Pirjevec, ehrenamtlicher Mediator an der Lambsheimer Karl-Wendel-Schule.

Die Lambsheimer Grundschule profitiert seit fast zwölf Jahren von einem Mann, der gerne Streit schlichtet. Thomas Pirjevec ist ehrenamtlicher Schulmediator und hilft Kindern, selbstbestimmte Lösungen für Probleme und Konflikte zu finden. Sein Verein Seniorpartner in School kann Verstärkung gebrauchen.

Wenn Thomas Pirjevec in den Pausen auf dem Schulhof oder im Gebäude der Karl-Wendel-Schule (KWS) herumläuft, nimmt sein geschultes Auge den Umgang der Lambsheimer Grundschüler miteinander ins Visier. Hier bekommt ein Kind von einem anderen gerade ohne Grund einen Klaps auf den Hinterkopf, dort bahnt sich wegen einer Lappalie eine Rauferei an. Hier sitzt ein Junge isoliert und traurig am Essenstisch, dort kommt ein Mädchen „Thomas, Thomas“ rufend angerannt, weil eine Klassenkameradin etwas Gemeines gesagt hat.

Der 64-Jährige hat einen Blick und ein gutes Gespür für Streit unter Kindern und für das, was hinter einem Konflikt liegen kann. „Streit kann zum Beispiel der Versuch einer Kontaktaufnahme sein“, sagt Pirjevec und nennt den Klassiker: Zwei, drei Kinder spielen etwas, ein anderes darf nicht mitspielen und wird deshalb aggressiv. Ein Streit oder eine Rauferei in der Schule sei fast immer die Folge von etwas, das länger vorher passiert sei, sagt der Wahl-Lambsheimer, der aus Köln stammt.

Manchmal wird ein Vertrag geschlossen

Manches Gezänk kann Pirjevec sofort an Ort und Stelle klären, anderes benötigt ein Gespräch in einem Nebenraum ohne Publikum. „In der Mediation benötigen wir keine Zeugen“, sagt er. Manchmal werde im Schlichtungsgespräch geweint, dann lässt Pirjevec das so geschehen. Manchmal ist der Zoff so groß, dass die Kontrahenten einen Vertrag miteinander schließen sollen. „Jeder darf dann drei Wünsche äußern, denen der andere entsprechen soll.“ Toll findet es der Mediator, wenn Kinder statt Vorwürfe abzustreiten zugeben können: Ja, das ist so gewesen, das habe ich gemacht.

Dieses Beispiel führt zum Kern seiner ehrenamtlichen Aufgabe. Thomas Pirjevec ist – salopp gesagt – weniger der Mann für „Friede, Freude, Eierkuchen“ an der Schule. Vielmehr hilft er mit, dass Kinder lernen, Konflikte aus ihrer Sicht darzustellen und dabei Gefühle und Bedürfnisse auszudrücken, die Sichtweisen anderer zu respektieren und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Die Schulmediation sei daher ein Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung, heißt es auf der Internetseite von Seniorpartner in School (SiS) Rheinland-Pfalz. Thomas Pirjevec ist Vorsitzender des Landesverbands.

Wie ist der Diplom-Betriebswirt, der in Mannheim studiert hat, zu dieser Rolle gekommen? „Meine Frau hat eine Anzeige von SiS gelesen“, erzählt Pirjevec. „Der Bundesverband suchte Mediatoren, und ich wollte gern was in meiner Gemeinde machen.“ Mit der Lambsheimerin Sabine Tervooren entwickelte er ein Streitschlichtungsprojekt für alle Klassen an der Karl-Wendel-Schule, und nach einer Ausbildung bei einem professionellen Schulmediator war Pirjevec bald regelmäßig im Einsatz – auch wenn nicht alle Lehrkräfte das anfangs begrüßt hätten, wie er verrät.

Heute gehört der Senior, der freiberuflich als Systemischer Berater arbeitet, zum KWS-Team wie die Schulsekretärin, die Betreuungskräfte oder der Hausmeister. Mit der Schulsozialarbeiterin arbeitet er eng zusammen, und die stellvertretende Rektorin Anja Blum kann sich den Schulbetrieb ohne ihn kaum noch vorstellen.

„Neugierig sein und kein Urteil fällen“

Dass Pirjevec seinen unbezahlten Job an der Schule voll verinnerlicht hat, merkt man im Gespräch daran, dass er regelrecht nachdenken muss, wenn er seine Haltung und seine Kompetenzen auf den Punkt bringen soll. „Immer neugierig und klar sein“, sagt er. „In einem Streit kein Urteil fällen und ein Schlichtungsgespräch so angenehm wie möglich machen. Kein Spielkamerad oder guter Onkel sein wollen. Mich entschuldigen, wenn ich mal nicht aufmerksam gewesen bin.“

Die Schulkinder bezeichnet er gern als seine Kunden, „die hier eine schöne Zeit haben sollen“. Und woran misst er den Erfolg seiner Arbeit? Richtig messen könne er den nicht, sagt Pirjevec, der selbst keine Kinder hat. Wenn ein Streit geklärt ist und alle mit einem guten Bauchgefühl nach Hause gehen, weil eine Lösung aufgezeigt wurde, dann sei er sehr zufrieden. Und die Verabschiedung der Viertklässler Ende Juni sei ein toller Moment für ihn gewesen. „Als ich gesehen habe, wie stolz und mit geradem Rücken die Kinder die Schule verlassen haben, da dachte ich: Dazu habe vielleicht auch ich etwas beigetragen.“

Kontakt

Thomas Pirjevec würde sich freuen, wenn mehr Menschen nach ihrer Erwerbstätigkeit den Weg zum gemeinnützigen Verein SiS finden würden. Auf der Internetseite www.seniorpartnerinschool.de kann man sich über das Ehrenamt des Schulmediators informieren. Telefonisch steht der Landesvorsitzende Pirjevec unter O6233 579320 oder 0170 5653310 zur Verfügung, seine E-Mail-Adresse lautet tho.pir@web.de.

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