Dannstadt-Schauernheim RHEINPFALZ Plus Artikel Zu St. Martin leuchten einige Fenster

 Stefanie und Emilia Seyfert vor ihrem Lichterfenster mit bunten Martinslaternen – ein kleiner Trost für die ausgefallenen Umzüg
Stefanie und Emilia Seyfert vor ihrem Lichterfenster mit bunten Martinslaternen – ein kleiner Trost für die ausgefallenen Umzüge.

Die Idee hat sich schnell über das Netz verbreitet – für die ausgefallenen Umzüge an St. Martin sollten Laternen die Fenster beleuchten und so Hoffnung geben. Auch in der Verbandsgemeinde Dannstadt-Schauernheim wurde fleißig gebastelt.

„Den Kindern wurde dieses Jahr so viel genommen“, sagt Stefanie Seyfert – und bringt auf den Punkt, was wohl viele denken: Wochenlang keine Schule, keine Freunde treffen, Ostern nur im engen Kreis feiern, Urlaube wurden abgesagt, und an Halloween von Haus zu Haus zu ziehen und Süßes abgreifen, das war dieses Jahr auch nicht drin. Und nun finden auch noch keine St.-Martins-Umzüge statt. „Hier in Rödersheim ist das ja immer ein großes Fest, seit ich denken kann“, sagt die 41-Jährige, die mit ihren zwei Kindern in Rödersheim lebt. Im Dorf wird traditionell das St-Martins-Spiel in der Kirche von Kindern aufgeführt, danach reitet ein verkleideter St. Martin hoch zu Ross durch die Gassen, dahinter laufen die Kinder, Eltern und Verwandten mit selbst gebastelten Laternen. Und nach der Prozession gibt es auf dem Marienplatz Brezeln, Waffeln oder Bratwurst, man erzählt noch eine Weile – „und dazu wird der erste Glühwein im Jahr getrunken“, erzählt Stefanie Seyfert.

Sie und ihre Kinder waren schon traurig, dass auch dieses Fest ausfällt. Darum hatte sie sich vorgenommen, dennoch mit ihren Kindern wieder Laternen zu basteln. Im Internet hat sie von der Aktion Laternenfenster gelesen – eine Initiative einer Familie aus St. Leon-Rot, die sich in Windeseile über die sozialen Medien verbreitet hat. Die Idee: Selbst gebastelte Laternen entlang einer Lichterkette sollen die Fenster beleuchten und so alle erfreuen, die durch die Gassen gehen. „Auf der Homepage gab es auch gleich die Vorlagen dazu“, erzählt Stefanie Seyfert, und so wurde schon am Wochenende zuvor mit der Bastelei begonnen. „Es war auch mal wieder eine schöne Gelegenheit, bewusst Zeit mit den Kindern zu verbringen“, sagt sie. Tochter Emilia (10) und Sohn David (7) haben es auf jeden Fall genossen – auch wenn manche Teile sehr diffizil waren. „Die auszuschneiden, hat nicht so viel Spaß gemacht“, gibt Emilia zu. Die Bastellaune hat sie sich aber nicht verderben lassen. Ihr Bruder und sie haben sogar noch eine Laterne zum Tragen gemacht, denn am St.-Martins-Abend sind sie nur für sich durch den Ort gelaufen.

Botschaft nach draußen leuchten

Dann mussten sie unweigerlich am Haus von Familie Hetterich vorbei: Auch Britta Hetterich hat sich von der Aktion inspirieren lassen und fleißig geschnippelt und geklebt – sogar ganz professionell mit einer Plottermaschine. Man ahnt es, die 41-jährige Rödersheimerin ist kreativ – bastelt und näht gern. Die Vorlage hat sie verkleinert, damit die Laternenkette gut am Fenster angebracht werden konnte. Von der Aktion überzeugte sie vor allem die Botschaft, die so nach draußen gesendet beziehungsweise geleuchtet werden soll: Wir sind nicht allein. „Ähnlich wie es die Regenbögen in den Fenstern zur Zeit des Lockdowns ausdrücken sollten“, sagt sie. Es sei eine schöne Idee, die St.-Martins-Tradition auch in diesem besonderen Jahr mit den Kindern zu leben und so noch lange zu bewahren.

Genauso sieht es Melanie Handrich aus Hochdorf-Assenheim. Eigene Kinder hat die 21-Jährige nicht, aber sie engagiert sich in der Freiwilligen Feuerwehr, die jedes Jahr die Martinszüge und die anschließenden Treffen an den Feuerstellen begleitet. „Ich weiß, wie viel es den Kindern bedeutet, und ich kann mir gut vorstellen, wie enttäuscht einige waren.“ Von ihrer Mutter, die ebenfalls in Hochdorf-Assenheim lebt, hat sie von der Aktion erfahren – und war sofort dabei. Bunte Laternen hängen nun zumindest an zwei Häusern in der Gemeinde. „Weitere habe ich leider noch nicht bei uns im Dorf entdeckt“, sagt sie. Dafür organisierte der Hochdorfer Musikverein das Martinsleuchten – St. Martin ist durchs Dorf geritten und die Leute konnten sich mit Laternen vor die Tür stellen.

Beide haben fleißig gebastelt.
Beide haben fleißig gebastelt.
Auch Britta Hetterich schmückte ihr Fenster.
Auch Britta Hetterich schmückte ihr Fenster.
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