Rhein-Pfalz Kreis „Wir leisten Pionierarbeit“

91-86382497.jpg

Elke Beckers Schreibtisch steht in exponierter Lage im Ludwigshafener Kreishaus. Direkt neben der Eingangstür liegt der Raum, in dem die 58-jährige Waldseerin dienstags gemeinsam mit Elfriede Benedix (73) aus Otterstadt für Senioren im Kreis da ist. „Uns sieht man, wenn man rein und rausgeht“, erzählt sie. Trotzdem haben die beiden Frauen wenig Publikumsverkehr im Seniorenbüro, obwohl sie auch Bindeglied zwischen Senioren und Kreisverwaltung sind, ein offenes Ohr für allerlei Anliegen haben. „Manche lassen auch mal Dampf ab“, sagt Elke Becker. Oft gehe es darum, die Menschen an die richtigen Stellen zu vermitteln, Hilfe zu leisten, aufzuzeigen, wo sie hin müssen. „Es kommen aber nicht nur Senioren zu uns. Es sind auch Angehörige, die zum Beispiel Fragen zum Thema Pflege haben und Ansprechpartner suchen“, erzählt Elke Becker. Seit zwei Jahren ist das Büro im Kreishaus in Ludwigshafen. Vorher hatte es seinen Sitz in Limburgerhof. Ins Leben gerufen wurde die Einrichtung von Franz Schweder, dem ehemaligen Vorsitzenden des Kreis-Seniorenbeirats. Über ihn ist Elke Becker zur Mitarbeit gekommen. Die 58-Jährige ist hauptamtlich angestellt. Ihre Mitstreiterin Elfriede Benedix macht den Job ehrenamtlich. „Ich bin in der dritten Periode im Kreis-Seniorenbeirat und schon immer an Familienpolitik interessiert“, sagt die Otterstadterin, die lange politisch aktiv war. „Ich denke, man kann nur etwas bewegen, wenn man sich auch selbst einbringt.“ Sie schätzt im Seniorenbüro vor allem die Arbeit im Team. Man könne sich austauschen und sich gegenseitig bei Ideen unterstützen. Die Hauptaufgabe der beiden liegt in der Netzwerkarbeit – für und mit Senioren. Sie beraten zum Beispiel bei Veranstaltungsplanungen, betreuen den Seniorenratgeber redaktionell und pflegen die Homepage des Seniorenbüros. Elke Becker wünscht sich, dass in Zukunft dort mehr Informationen und Termine für Senioren gebündelt auftauchen. Nur: Ohne Mithilfe der Gruppen vor Ort gehe das nicht. „Sie können die Homepage mitgestalten“, sagt die Waldseerin. Zudem kümmert sie sich mit Elfriede Benedix um Einladungen und Protokolle der Sitzungen des Kreis-Seniorenbeirats, unterstützt diesen in der Verwaltungs- und Öffentlichkeitsarbeit. „Wir arbeiten mit und für den Seniorenbeirat“, sagt Elke Becker. Aber auch eigenständig. „Wir haben viele Ideen, die wir auf den Weg bringen wollen.“ Ideen, wie die Lesepaten, die Schülern helfen sollen, ihre Lesefähigkeiten zu verbessern. „Es geht darum, Kinder mit Migrationshintergrund oder mit Leseschwäche zu fördern“, sagt Becker. Umgesetzt wird das in Zusammenarbeit mit dem Förderverein für Jugend und Soziales des Rhein-Pfalz-Kreises, der Volkshochschule, dem Seniorenbüro und den örtlichen Gemeindebüchereien. Die Ausbildung wird im September und Oktober an jeweils zwei Tagen in Bobenheim-Roxheim, Dannstadt-Schauernheim und Waldsee von der Volkshochschule angeboten. In Bobenheim-Roxheim, erzählt Becker, sei das Projekt Lesepate auch schon angelaufen. An der Rheinschule ist Georg Mergeler einmal pro Woche zu Gast und liest mit den Kindern. Zudem gibt es eine Zusammenarbeit mit den Familienpaten des Kreises. „Wir machen Werbung bei Senioren, damit sie eine Patenschaft übernehmen“, sagt Becker und berichtet von einer Veranstaltung in Waldsee, bei der sich gleich zwei Interessierte gemeldet haben. „Da müssen wir dranbleiben“, sagt Becker. „Wir möchten die Senioren aktivieren, ihnen Möglichkeiten bieten, sich einzubringen“, sagt Elke Becker. „Ich möchte den Menschen Aufgaben und ein Gefühl der Wertschätzung geben.“ Sie sieht viele Ressourcen in der älteren Generation, die sich positiv auf Jung und Alt auswirken. „Wir sind in der Pflicht, ein Vorbild zu sein“, sagt Elfriede Benedix und erzählt von der Weiterbildung zum Seniorensicherheitsberater bei der Polizei (Die RHEINPFALZ berichtete). „Ich hoffe, dass noch mehr es machen.“ Beratung für Senioren gebe es eigentlich in jedem Ort, sagt Bärbel Fritsch, Vorsitzende des Kreis-Seniorenbeirats. Das Seniorenbüro kanalisiere Anfragen, bündle sie und schaffe so eine bessere Übersicht und Arbeitsbasis. „Vernetzung ist das Wichtigste.“ Deshalb sei es unerlässlich, dass Elke Becker und Elfriede Benedix wissen, was vor Ort passiert und so Dinge anstoßen können. „Wir leisten hier Pionierarbeit“, sagt Elke Becker. Ihr Ziel ist es, jegliche Seniorenarbeit zu vernetzen, nicht nur die der offiziellen Seniorenbeiräte, sondern auch andere Gruppen, die Veranstaltungen vor Ort anbieten, miteinzubeziehen. „Wir gehen auch auf die Leute zu, zum Beispiel beim Thema Digitales“, sagt Becker. Benedix hat da auch eine ganz konkrete Idee für die Zukunft: einen Kurs zum Thema „Wie geht Online-Banking“. „Jetzt, wo die Sparkasse Filialen schließt, ist das ein Thema.“ Kontakt Das Seniorenbüro in der Kreisverwaltung, Europaplatz 5, Ludwigshafen ist dienstags von 10 bis 13 Uhr sowie donnerstags nach Vereinbarung geöffnet. Kontakt: Telefon 0621 5909629, E-Mail: Seniorenbuero@kv-rpk.de. Im Netz: www.senioren-rhein-pfalz-kreis.de.

x