Rhein-Pfalz Kreis „Wir hüpfen nicht wie ein Pferd“
Sie nennen sich „Die Traumtänzer“, aber eine Choreographie erlernt Mann nicht im Schlaf. Das ist harte Arbeit, bei der der Spaß allerdings immer im Vordergrund steht. Denn immerhin ist das Männerballett 1992 in den Reihen des Bobenheimer Carneval Vereins entstanden. Aktuell treffen sich zehn Männer jeden Montagabend in der Friedrich-Ludwig-Jahn-Halle, um zwei Stunden zu proben. Morgen empfangen sie dort Kollegen anderer Vereine, die beim vierten Zellerie-Cup gegeneinander antreten.
„Du musst hier rüber, und du dorthin. Jetzt passt’s“, sagt Trainerin Silke Kiesow, nachdem sie die Männer auf der Bühne in die richtige Position gebracht hat. Dann kann es auch schon losgehen mit dem Training der neuen Choreographie für die im November startende Faschingskampagne. Während aus den Boxen Oldschool-Techno-Beats erklingen, versuchen die Mitglieder des Männerballetts, die zwischen 16 und 32 Jahre alt sind, die Schrittfolge zu wiederholen, die ihre Trainerin gerade vorgemacht hat. So einfach die Schritte auch wirken, die Umsetzung stellt sich als schwierig heraus, denn das Timing und die Synchronität müssen stimmen. „Wir hüpfen nicht wie ein Pferd, das sollen Zwischenhüpfer sein“, erklärt Trainerin Silke Kiesow, während ihre Tochter Andrea das Geschehen auf der Bühne vom Zuschauerraum aus beobachtet. Von dort hat sie einen anderen Blick auf die Tanzperformance und kann Kritik und Lob äußern. Still verfolgt derweil Affe Jeff das Geschehen vom Bühnenrand aus. Er ist das neue Maskottchen der Truppe, das beim Bürgerfest in Bobenheim-Roxheim in Teamarbeit am Schießstand gewonnen wurde. Vielleicht wird er irgendwann auch mal in die Choreographie miteinbezogen. „Nichts ist unmöglich“, scherzt Giuseppe Stabile. Er macht seit drei Jahren bei den Traumtänzern mit. „Es macht einfach Spaß“, sagt er und drückt damit aus, was das Anliegen des Männerballetts ist: gemeinsam eine schöne, spaßige Zeit zu verbringen. „In der Ecke stehen noch 24 andere Gründe, warum ich hier mitmache“, scherzt Andreas Kapper und meint damit den Kasten Bier, der quasi als Belohnung nach einem harten Training auf die tanzenden Kerle wartet. Holger Hoffmann wollte unbedingt etwas machen, aber da Büttenreden nicht so sein Ding seien, „bin ich zum Männerballett gekommen“, sagt er. Wie es ihn zu den Traumtänzern verschlagen hat, daran kann sich Dominik Schwarz nicht mehr genau erinnern. Dafür weiß er eins: „Ich bin gerne Teil dieser chaotischen Tanzcrew.“ Neben dem Spaßfaktor wird hier auch die Gemeinschaft gefeiert: Es wird gelacht, gescherzt und eben auch getanzt. Angst, bei Freunden ausgelacht zu werden, weil man Teil eines Männerballetts ist, hat hier niemand. Im Gegenteil: „Männerballett hat sich im Laufe der Jahre stark verändert. Früher hat es gereicht, sich ein Tutu anzuziehen, heute dauert eine Show acht bis zehn Minuten und enthält viele Akrobatikteile – das ist Sport, sehr anstrengend“, erklärt Trainerin Silke Kiesow, während sie mit ihren „Jungs“ Hebefiguren übt. Bei der Truppe ist sie besonders beliebt, weil sie „auch mal einen Scherz mitmacht, denn das brauchen wir“, meint Stabile. Neben dem Tanztraining gibt es noch andere Sachen, um die sich die Mannschaft, die auch an Turnieren teilnimmt, kümmern muss: Kostüme, Bühnenbild, Homepage, Werbung – das alles gehört ebenfalls zu den Aufgaben eines Traumtänzers. Seit vier Jahren ist eine weitere dazugekommen: das Ausrichten des Zellerie-Cups. Bei diesem Männerballett-Spaßturnier tritt die Gruppe außer Konkurrenz auf. „Wir eröffnen den Cup, aber als Ausrichter nehmen wir nicht daran teil. Wir kümmern uns um den Ablauf, die Bar und was sonst noch so gemacht werden muss“, berichtet Silke Kiesow, die die Idee zum Turnier hatte und sich freut, dass „es so gut angenommen wird. Die Leute kommen gerne hierher – und das nicht nur aus der Region. “ Termin Männerballett-Turnier um den Zellerie-Cup am morgigen Samstag, Einlass ab 18.30 Uhr in die Friedrich-Ludwig-Jahn-Halle in Bobenheim-Roxheim. Auslosung der Startreihenfolge um 19 Uhr, Turnierbeginn ist für 20 Uhr angesetzt. Im Vorverkauf sind die Karten ausverkauft. (wek)