Rhein-Pfalz Kreis Wie ein Unternehmen geführt

Am 1. Januar des Jahres, in dem in Kapstadt die erste Herztransplantation stattfindet und in dem in Deutschland der erste Bundeskanzler Konrad Adenauer stirbt, wird in Grünstadt das Kreiskrankenhaus im Westring eröffnet: 1967. Das 230-Betten-Haus, das damals unter der Trägerschaft des Landkreises Frankenthal stand, gehört seit 1969 zum Landkreis Bad Dürkheim.
Verwaltungsdirektor Udo Langenbacher ist stolz darauf, dass die Klinik seit mehr als 30 Jahren schwarze Zahlen schreibt: „Wir zeigen, dass auch kommunale Betriebe erfolgreich geführt werden können.“ Für 2016 liegt der Überschuss bei fast 497.000 Euro. In den ersten 18 Jahren kämpfte das Haus dagegen mit großen finanziellen Problemen. Erst als Langenbachers Vorgänger Claus Wadle auf dem Chefsessel Platz nimmt, ging es aufwärts. Er war der Ansicht, dass ein Krankenhaus wie ein Wirtschaftsunternehmen geleitet werden muss. Wadle beginnt recht zügig mit Modernisierungen: Von 1986 bis 1992 wird der Bettentrakt für 14 Millionen D-Mark erneuert. Alle Patientenräume erhalten Nasszellen, und aus 230 Drei-Bett-Zimmern werden knapp 200 Zwei-Bett-Zimmer. Parallel dazu werden Anfang der 90er-Jahre der Küchenbereich und die Außenfassade erneuert. Die Geriatrische Tagesklinik mit zwölf Plätzen wird 2001 eröffnet, die Verwaltung erhält ein eigenes Gebäude. 2006/07 werden für 11,4 Millionen Euro unter anderem vier Operationssäle und die große Zentralsterilisation geschaffen, gleichzeitig entsteht ein neuer Hubschrauberlandeplatz. Im August 2008 wird die Umwandlung des alten OP-Trakts in eine Intensivstation für acht Patienten abgeschlossen. Dieser Umbau sei ein Glücksfall gewesen, sagt Andreas Bernhardt, seit 1999 Chefarzt der Anästhesie. „Wir haben dadurch sehr großzügige Patientenzimmer bekommen.“ Umgestaltet wird auch die Eingangshalle, und die Zentralambulanz erhält drei weitere Behandlungsräume. 2010 beginnen die elf Monate dauernden Bauarbeiten für eine Halle mit Zufahrt für die Rettungswagen. Darüber hinaus entsteht eine Wirtschaftshalle für die Entsorgung von Wertstoffen und Abfällen. „Zwischen 2006 und 2012 sind zudem 275 Parkplätze errichtet worden“, erzählt Langenbacher. Claus Wadle schafft es trotz der immensen Investitionen, dass der Haushalt des Krankenhauses ab 1986 alljährlich mit einem Plus abschließt. Grundlage des Erfolgs ist ein Klinikmanagement, das er zusammen mit der Kreisverwaltung entwickelt hat. Seinen Mitarbeitern sagt er: „Ihr müsst so wirtschaften, wie ihr es privat mit eurem Geld auch tut.“ Verwaltungsdirektor in den Anfangsjahren ist Rudolf Langer. Chefärzte der ersten Stunde sind der Internist Otto Bode, der Gynäkologe Heinrich-Ludwig Jonas, der Anästhesist Siegfried Werncke sowie die Chirurgen Friedrich Hans Köpp und Heinrich Pabst. Letzterer hat 1951 das kleine Bergkrankenhaus mit 42 Betten in dem Gebäude eröffnet, in dem sich heute die Hans-Zulliger-Schule befindet. Da die reine Privatklinik zur Versorgung der Bevölkerung nicht ausreicht, wird schräg gegenüber das Kreiskrankenhaus errichtet. Dabei werden aus den geplanten Gesamtkosten von rund 9,2 Millionen D-Mark nach dreijährigen Bauarbeiten – die wegen Insolvenz des Generalunternehmers zwischendurch gestoppt werden müssen – 12,2 Millionen Mark. Der erste wichtige Umbau für etwa sechs Millionen Mark wird schon neun Jahre später in Angriff genommen. Zwischen 1976 und 1979 werden der Funktionstrakt mit Operationssälen um 800 Quadratmeter erweitert und die erste Intensivstation mit fünf Betten eröffnet. Kreißsaal, Röntgenabteilung und Labor werden erneuert. Aktuell werden im Kreiskrankenhaus von mehr als 250 Vollzeitkräften jährlich über 15.000 Patienten versorgt. Die Zahlen aus dem vergangenen Jahr: 9437 stationäre Behandlungen, 4513 Operationen, 1151 ambulante chirurgische Eingriffe und 592 Geburten. Das Haus ist als „babyfreundlich“ anerkannt. Als eine von sechs auserwählten Kliniken des Landes soll es sich nach dem Willen der Landesregierung zu einem „sektorenübergreifenden Gesundheitszentrum“ entwickeln. Deshalb ist die Errichtung eines Ärztehauses in den Weinbergen geplant. Termin Das 50-jährige Bestehen des Kreiskrankenhauses Grünstadt wird unter anderem am Sonntag, 20. August, mit einem Tag der offenen Tür gefeiert.