Rhein-Pfalz Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Was war, was kommt in Fußgönheim: Über Grenzen hinweg

Rund ums Fußgönheimer Rathaus soll ein Wochenmarkt entstehen.
Rund ums Fußgönheimer Rathaus soll ein Wochenmarkt entstehen. Foto: KUNZ

Die Apotheke ist zu. Die Metzgerei ist zu. Und selbst die Filiale der Großbäckerei hat inzwischen geschlossen. Das will schon etwas heißen, findet Fußgönheims Ortsbürgermeister Jochen Schubert. Er sagt: „Mir geht die Struktur im Dorf verloren.“ Er möchte etwas dagegen unternehmen – und zudem die politischen Kräfte einen.

Es dauert nicht wirklich lange, bis das Gespräch auf Marie-Luise Klein (SPD) kommt. Dabei sollte es doch die Premiere für den neuen Ortsbürgermeister Jochen Schubert (FWG) werden, zum Beginn des neuen Jahres einen Rück- und Ausblick für Fußgönheim zu wagen. Aber ohne ein Wort für die Vorgängerin geht es dann eben doch nicht. Denn es passiert im Moment öfters, dass Schubert Dinge zum ersten Mal als Ortsbürgermeister erlebt, Klein aber noch immer sehr präsent ist. Nicht zuletzt in jeder Ratssitzung, schließlich ist sie weiterhin Mitglied der SPD-Fraktion. „Ich respektiere sie, sie hat ein großes Wissen“, sagt Schubert, „auch wenn wir unterschiedlicher Auffassung sind, wie man etwas umsetzt.“

So ist der Eindruck entstanden, dass Klein, die seit 1999 im Amt war, die Dinge in erster Linie mit sich selbst ausgemacht hat. Heftiger Gegenwind und lange Diskussionen in den Gremien waren oft die Folge. Schubert möchte Entscheidungen auf eine breitere Basis stellen, sagt er und setzt auf ein Miteinander im Ortsgemeinderat. „Wenn es Fußgönheim dienlich ist, werde ich es unterstützen“, sagt er, „auf unserer Ebene müssten Parteiengeschichten unwesentlich sein.“ Es zählt also die Idee, egal von welcher Fraktion sie kommt. Seine Aufgabe sieht er darin, moderierend und ausgleichend zu wirken, das Miteinander zu fördern.

„Nicht nur beschweren, sonder etwas machen“

„Für uns war nicht klar, ob Klein antritt oder nicht“, sagt Schubert über die Zeit vor der Wahl, die das vergangene Jahr in Fußgönheim geprägt hat. Für ihn selbst stand derweil früh fest, dass er sich wieder mehr politisch engagieren möchte, nachdem er sich vor einiger Zeit bereits aus dem Ortsgemeinderat zurückgezogen hatte. Die Auftragssituation in seiner Firma für Elektroinstallationen habe sich allerdings verändert, was Schubert mehr Freiraum bietet – und mehr Zeit. „Man sollte nicht nur daheim auf der Couch sitzen und sich beschweren,“ sagt Schubert, „sondern etwas machen.“ Diese Marschrichtung will er am liebsten auch jedem Fußgönheimer zurufen: „Leute, interessiert euch für euren Ort. Macht was, denn ihr lebt hier.“

Umgekehrt will die Gemeinde ein Angebot ermöglichen, bei dem sich die Menschen im Ort wohlfühlen – und hier bleiben. Daran hapert es aktuell ein wenig, findet Schubert. „Wir sind zu klein, um Infrastruktur zu schaffen“, sagt er, „mir geht die Struktur im Dorf verloren.“ Die Apotheke ist geschlossen, die Metzgerei ist geschlossen – und selbst die Filiale der Ludwigshafener Großbäckerei gibt es nicht mehr. „Seit mindestens zwei Jahren hat sich die negative Entwicklung abgezeichnet“, sagt Schubert. Auch veränderte Öffnungszeiten haben den Zuspruch nicht ausreichend erhöht. Und dass die Bäckerei weg ist, „ist auch für den Blumenladen nebenan blöd“, sagt Schubert.

Ab März will sich Fußgönheim an einem Markttag versuchen, um den täglichen Bedarf der Menschen im Ort zu decken. „Eine schöne Idee“, sagt Schubert. Angedacht seien eine „gute Bäckerei mit entsprechendem Namen“, eine Metzgerei mit breitem Angebot, ein Beschicker mit Käse- und Molkereiprodukten. Damit lokale Händler nicht geschwächt werden, soll der Hofladen in der Dorfmitte integriert werden. Zudem wünscht sich Schubert, dass die Menschen auf dem Markt verweilen, vielleicht bis zum Mittagessen. Ein Stand mit Dampfnudeln oder Suppen würde ihm gefallen. Fehlt im Grunde nur noch ein Arzt im Ort. „Da gibt es keine neue Entwicklung“, sagt Schubert.

Dorfleben so wichtig wie Straßenausbau

Das Gemeinschaftsgefühl im Dorf ist dem neuen Ortsbürgermeister ein großes Anliegen. „Wir müssen die Jugend im Ort halten und es schaffen, dass sie eine Verbindung zum Ort aufbauen, sie weg von der Playstation holen“, sagt Schubert. Der Feuerwehr etwa, dem Tennisverein oder dem ASV gelinge das prächtig. Dass andere Vereine leiden, schmerzt Schubert derweil. Die Jagdhornbläser beispielsweise hatten zum Jahresbeginn ihren letzten öffentlichen Auftritt. Das Dorfleben sieht Schubert als ebenso wichtige Aufgabe wie Bau- und Gewerbegebiete oder den Straßenausbau. Auch das sind Themen, die in diesem Jahr anstehen.

Mittlerweile tritt Schubert in den politischen Gremien mit einer gewissen Routine und Souveränität auf. Im Sommer, bei seiner ersten Ratssitzung, war das anders. Der 52-Jährige spricht von einer „sehr hohen Grundnervosität“. Auch zu seinem Start überließ er Marie-Luise Klein mehr oder weniger noch einmal das Feld. „Mir war es wichtig, Frau Klein ,Danke’ zu sagen“, sagt Schubert. „Es ist ihr Fußgönheim gewesen. Es liegt ihr am Herzen.“ Hier sind Vorgängerin und Nachfolger überhaupt nicht weit auseinander.

Jochen Schubert
Jochen Schubert Foto: FWG/Frei
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