Dudenhofen RHEINPFALZ Plus Artikel Wald beliebter Zufluchtsort in Corona-Krise

Statt Spielplatz: Bei einem Spaziergang im Wald – wie hier in der Nähe von Dudenhofen – können Kinder wie Erwachsene ein bissche
Statt Spielplatz: Bei einem Spaziergang im Wald – wie hier in der Nähe von Dudenhofen – können Kinder wie Erwachsene ein bisschen Ausgleich zum Schmoren in den eigenen vier Wänden finden.

Wenige Aktivitäten sind in der Corona-Krise außerhalb der eigenen vier Wände noch erlaubt. Ein Waldbesuch zählt dazu – natürlich unter Beachtung der Abstandsregeln. Förster Jürgen Render begrüßt das wachsende Interesse an seinem Beritt im Zeichen der Gesundheitsstärkung. Der Förster warnt aber auch vor Gefahren, die nichts mit dem Virus zu tun haben.

„Es sind unheimlich viele Menschen im Wald. Nicht nur am Wochenende, auch werktags“, sagt Jürgen Render, Leiter des Forstreviers Modenbach. „Mitunter sind Leute darunter, die sonst eher selten in den Wald gehen“, stellt er fest. Der Förster findet es in Ordnung, dass es so ist. Denn: „Der Wald ist nach wie vor ein guter Ort der Erholung.“ Als gesundheitsfördernde Aspekte nennt er Bewegung, frische Luft und eine Vielzahl an Sinnesreizen. Nicht zuletzt gebe es dort Gerüche, von denen einige erwiesenermaßen das Immunsystem anregen. Japaner haben für den Waldbesuch zur Gesundheitsstärkung einen eigenen Begriff: Shinrin-yoku – Waldbaden.

In der Region nach wie vor erlaubt sind nach den von Bund, Land und Kommunen wegen der Corona-Epidemie verordneten Einschränkungen das Fortbewegen und der Aufenthalt im öffentlichen Raum wie dem Wald – vorausgesetzt man ist allein, höchstens zu zweit oder zusammen mit Angehörigen desselben Haushalts. Zu anderen Personen sollen stets mindestens 1,5 Meter Abstand eingehalten werden. Verboten sind Menschen-Ansammlungen.

Genug Platz für nötigen Abstand

„Manchmal stehen ein paar Leute beisammen und reden miteinander“, hat Förster Render bemerkt. In der Regel hätten die Personen dabei einen ausreichend großen Abstand zueinander eingehalten. Waldwege, wie sie in Rheinland-Pfalz verstanden würden, seien per Definition mit Autos befahrbar und deshalb zwei bis drei oder noch mehr Meter breit, weiß der Revierleiter. Diese Wege böten also genügend Platz für flüchtige Unterhaltungen einiger weniger Personen. Sie dürften auch von Radfahrern genutzt werden – im Gegensatz zu schmalen Pfaden, die für Pkw nicht befahrbar und deshalb auch für Radler tabu sind.

Vom Coronavirus abgesehen sieht Render eine Gefahr für Waldbesucher in der Missachtung oder dem Entfernen von Absperrungen wegen Baumfällarbeiten. „Mitunter werden unsere Markierungen nicht respektiert. Das kann lebensgefährlich sein“, warnt der Förster davor, die rot-weißen Bänder und die Schilder, die auf Forstarbeiten hinweisen, zu ignorieren. „Unsere Forstwirte haben es in den vergangenen Wochen ein paarmal erlebt, dass plötzlich Fußgänger neben ihnen standen, als sie eine Fällung vorbereiteten“, erinnert sich der Revierleiter.

Manche Passanten hätten ihre Ignoranz einer Absperrung damit begründet, dass sie sich im Wald auskennen würden, weshalb schon nichts passieren werde, teilt Render mit. Andere sagten, sie hätten kein rot-weißes Band gesehen. „Manchmal werden die Bänder auch einfach von Leuten entfernt. Damit bringen sie ahnungslose Passanten in größte Gefahr“, sagt der Förster. Er könne nur an die Vernunft der Leute appellieren, die vorübergehenden Beschränkungen zur eigenen Sicherheit zu akzeptieren.

Verkehrssicherung im Gange

„Wir sind noch einige Wochen im Revier mit dem Fällen von geschädigten oder abgestorbenen Bäumen beschäftigt“, kündigt Render an. Die Arbeiten dienen der Verkehrssicherung, das heißt der möglichst gefahrlosen Nutzung von Waldwegen und Straßen im Forst sowie von Freizeiteinrichtungen wie Spielplätzen, Grillhütten und Lehrpfaden (sobald diese nach der Corona-Krise wieder geöffnet sind). „Diesmal haben wir im Revier keine Holzernte durchgeführt, sondern es werden nur kranke und abgestorbene Bäume gefällt“, informiert der Förster. In Dudenhofen seien seine Kollegen damit so gut wie fertig. In Harthausen, Hanhofen und Schwegenheim sei noch einiges für sie zu tun.

Aus der Hinwendung von immer mehr Menschen zum Wald schöpft Render aber auch die Hoffnung, dass dieser als schützenswertes Gut (noch) mehr Wertschätzung erfährt. „Die Robustheit und Regenerationsfähigkeit des Waldes können uns Menschen viel Zuversicht geben. Schließlich sind auch wir Teil der Natur“, sagt der Förster.

Zur Sache: Ein Spaziergang

RHEINPFALZ-Redakteur Timo Leszinski war mit Frau und zwei Kindern (sechs und acht) wochentags zur Mittagszeit im Dudenhofener Wald unterwegs.

13.30 Uhr: Ankunft am Parkplatz. Nur drei weitere Autos sind hier geparkt. Es scheint zu verantworten zu sein, unser Gefährt zu verlassen. Der Anflug eines schlechten Gewissens, weil wir nach zwei Wochen mal nicht den Grundsatz „zu Hause bleiben“ beherzigen, verfliegt. Die Corona-Ansteckungsgefahr tendiert gegen null.

13.42 Uhr: Immer noch ist keine Menschenseele zu sehen oder zu hören. Dass so wenig los ist, überrascht nun doch. Liegt es an der Uhrzeit? Das Wetter ist schließlich gut geeignet für einen Waldspaziergang.

13.51 Uhr: Jetzt doch. An einer Wegekreuzung kommt von links eine Frau auf dem Fahrrad angefahren. Dank roter Jacke ist sie schon von Weitem gut zu erkennen. Wir halten gebührenden Abstand.

14.00 Uhr: Wir sehen Menschen mit Hund in der Ferne. Sie biegen ab, bevor wir uns begegnen. Wegen uns? Oder ist das einfach ihre normale Route zum Gassigehen? Fragen, die man sich dieser Tag im Wald durchaus stellt.

14.13 Uhr: Die nächste Hundehalterin. Diesmal kommt es zur Begegnung auf dem Waldweg. Natürlich halten alle den Mindestabstand ein. Man grüßt sich verschämt.

14.45 Uhr: Nach ein paar weiteren Spaziergänger-Sichtungen nähern wir uns wieder dem Parkplatz. Die Kinder haben auch langsam genug, zumal der Wald jahreszeitbedingt nur wenig zum Spielen hergibt. Als dauerhafter Ersatz für Spielplätze scheint er aktuell nur bedingt geeignet.

14.50 Uhr: Wir sind zurück am Auto. Der Parkplatz ist mittlerweile voll. Es hat gut getan, mal wieder etwas anderes als die eigenen vier Wände zu sehen. Die Moral ist gestärkt: Wir stehen das durch!

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