Rhein-Pfalz Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Wahlkampfziel für Worms: Mehr Bars und Kneipen

Zentrum der Kommunalpolitik: das Wormser Rathaus.  ArchivFoto:BALZARIN
Zentrum der Kommunalpolitik: das Wormser Rathaus. Archiv

Die Wormser wählen am Sonntag einen neuen Stadtrat sowie Ortsbeiräte und Ortsvorsteher für alle 13 Vororte. Um die 52 Sitze im Stadtrat, in dem derzeit sechs Parteien vertreten sind, kandidieren acht Gruppierungen, darunter die neu gegründete Freie Liste Pfeddersheim.

Detlef Kettner und Michael Antz sind die Spitzenkandidaten der Freien Liste Pfeddersheim (FLP). Bereits im OB-Wahlkampf war der Missmut der Vororte mit Verwaltung und Stadtrat nicht zu übersehen. „Worms hat 85.000 Bürger, 50.000 davon leben in den Vororten, und die sind nicht nur in Pfeddersheim bislang missachtet worden“, sagt Kettner. Die Pfeddersheimer haben nun ihre Konsequenzen gezogen. „Beschlüsse der Ortsbeiräte sind nur Wünsche, es entscheiden am Ende Stadtrat und Verwaltung“ sagt der 60-jährige Kettner. Nach 40 Jahren in der SPD und 30 Jahren aktiver politischer Arbeit ist er laut eigener Aussage „kein unbeschriebenes Blatt“.

Stark machen für Vorort

Kettner rechnet sich Chancen aus, hofft, es bei der Wahl des Ortsvorstehers in die Stichwahl zu schaffen. Dass die FLP auch in den Stadtrat will mit mindestens zwei Mandaten und somit Fraktionsstatus, erklärt Kettner damit, dass „man ohne dessen Unterstützung nichts bewirken kann“. Es gebe zwar Stadträte aus Pfeddersheim, aber die seien in etablierten Parteien und von diesen abhängig. „Wir wollen uns vorrangig für Pfeddersheim stark machen, aber satzungsgemäß uns auch für die Stadt Worms engagieren“, betont Kettner. Er vermutet, dass das Beispiel der FLP bei einem Erfolg Schule auch in anderen Vororten machen könne. Und es täte den Großen seiner Ansicht nach gut, wenn sich die großen Parteien ihre Mehrheiten suchen müssten.

Bislang können SPD und CDU mit derzeit zusammen 35 Mandaten – die SPD hat mit 18 Sitzen gerade mal ein Mandat mehr als die CDU – und somit absoluter Mehrheit gemeinsame Projekt durchbringen. Um ohne den GroKo-Partner Ziele zu erreichen, müssten nach heutiger Konstellation zumindest FWG und Grüne mitziehen.

„Ausgehangebot verbessern“

Nach der verlorenen Oberbürgermeisterwahl im vergangenen Jahr wollte die SPD mit neuer Mannschaft und Konzept antreten. Wie in der CDU sind einige neue, junge Gesichter dabei, insgesamt setzt man weiter auf Erfahrung. Der bisherige Fraktionsvorsitzende Timo Horst (40) bleibt Spitzenkandidat, auf Position zwei rangiert Maria Unterschütz (56), bislang außerhalb des Stadtrats aktiv. Landtagsabgeordneter Jens Guth nimmt sich zurück auf Platz 12.

Neu dabei ist als Listenkandidat „007“ Pavel Zolotarev. Der 33-jährige, Referent im rheinland-pfälzischen Wissenschaftsministerium, möchte für Worms ein „vielfältiges Ausgehangebot schaffen“. Zolotarev plädiert für einen Nachtbürgermeister, der auch Projekte initiieren sollte. Als möglicher Kandidat wurde von außen Peter Englert ins Spiel gebracht, der prompt per Facebook reagierte: „Mit Pavel kann ich mir alles vorstellen.“ Parteiübergreifendes Engagement ist durchaus im Sinne Zolotarevs. In der Kommunalpolitik gehe es in seinen Augen nicht um ideologische Differenzen und Parteipolitik, sondern darum, dass „Probleme gemeinsam vor Ort gelöst werden“.

Stabile Mehrheit für CDU-OB

An der Spitze der CDU-Liste stehen der bisherige Fraktionssprecher Klaus Karlin und Beigeordnete Petra Graen. Ziel dürfte es sein, dem künftigen CDU-Oberbürgermeister Adolf Kessel bei seinem Amtsantritt im Juli eine stabile Mehrheit im Rat durch Zuwächse zu verschaffen. Ob die CDU allerdings den Sprung von derzeit 17 in Richtung 27 Plätze und der absoluten Mehrheit schafft, ist zweifelhaft. Eine andere Möglichkeit wäre es, Schnittmengen mit den kleineren, bürgerlichen Fraktionen zu finden. Das könnte sich bei einer Latte von Versprechen realisieren lassen: etwa mit dem Verkehrskonzept für eine Fahrradstadt – ein Ziel der Grünen –, einer konsequenten Abschiebung abgelehnter Asylbewerber und mehr Präsenz von Ordnungsbehörde und Polizei – ein Ziel der Freien Demokraten, einem Verkehrskonzept für alle, vom Fußgänger bis zu Auto und Bus – ein Ziel von FWG-Bürgerforum. Schnittmengen mit der SPD? Über 20 Jahre Zusammenarbeit lassen sich nicht wegwischen, da gibt es viele deckungsgleiche Zukunftsideen.

Zuwächse könnte man FWG-Bürgerforum zutrauen mit dem Schauspieler und Sänger Peter Englert an Platz 2, der als Bürgermeisterkandidat der als Bürgermeisterkandidat bei der Stimmenauszählung knapp hinter OB Michael Kissel rangierte. Ansonsten setzt man bei den kleinen Parteien (FWG-Bürgerforum, FDP und Grünen) auf bewährte und bekannte Namen, und Die Linke hat an Position 2 ebenfalls einen OB-Kandidaten: Georg Gräff.

Erstmals kämpft auch die AfD um Mandate im Stadtrat. An Position 4 der Kandidatenliste steht hier mit dem 65-jährigen Berufsschullehrer Ludger Sauerborn, Gründungsmitglied der Wormser Grünen und OB-Kandidat von 1997, kein Unbekannter.

Zur Sache: Ergebnisse der Kommunalwahl 2014

SPD 34,2 Prozent (18 Sitze), CDU 31,8 Prozent (17) Grüne 12 Prozent (6), FDP 6,2 Prozent (3), FWG-Bürgerforum 9,3 Prozent (5), Die Linke 3,5 Prozent (2), NPD 2,8 Prozent (1), Wahlberechtigt: 62.535 Bürger, Wahlbeteiligung 47 Prozent.

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