Rhein-Pfalz Kreis Vor Luther übersetzten schon die Pfälzer
«Schifferstadt.» Gerade von einem protestantischen Pfarrer kann man erwarten, dass er, wie einst Luther, „dem Volk aufs Maul schaut“. Michael Landgraf schaut den Pfälzern aufs Maul und erzählt, was ihm dabei aufgefallen ist. Und er hat höchst spannende Dinge entdeckt.
hatte während seiner Studienzeit in Göttingen einen Spitznamen bei den Mitbewohnern seiner Wohngemeinschaft: „Morsch`n“, habe man ihn gerufen, seit er einmal verschlafen an den Frühstückstisch geschlurft war und die anderen Studenten auf Pfälzisch gegrüßt habe. Landgraf stammt aus Ludwigshafen, wo er 1961 geboren ist. Er studierte Theologie und Philosophie in Heidelberg und Göttingen. Er war Lehrer in Germersheim und ist seit 1999 Leiter des Religionspädagogischen Fachzentrums in Neustadt. Er leitet auch das Bibelmuseum dort und ist seit 2014 Vorsitzender des rheinland-pfälzischen Schriftstellerverbandes. Landgraf gelang es nun im Schreiwer-Hais`l, historisch fundierte Geschichten und Anekdoten auf sehr kurzweilige Art zu präsentieren – natürlich durchgängig „uff pälzisch“. Wer hätte gedacht, dass die erste schriftlich gefasste Verkündung des Evangeliums in deutscher Sprache in Pfälzer Mundart stattgefunden hat? Wie Landgraf berichtet, sei es Otfried von Weißenburg gewesen, der entgegen der damaligen Praxis und dem Willen der Kirche im achten Jahrhundert eine Zusammenschau der Evangelien geschrieben habe. Weil der spätere Mönch in Dahn geboren ist, ist er zweifelsfrei ein Pfälzer. Spannend ist nun, dass in der Pfälzer Mundart noch viele Eigenheiten des Mittelhochdeutschen erhalten geblieben sind. Ortsangaben wie „uff“ (auf), „nuff“ (hinauf) und „druff“ (darauf) gebe es auch bei dem alten Troubadour Walther von der Vogelweide so zu lesen, sagte Landgraf. Das Hochdeutsche, das die meisten Pfälzer gleichsam als erste Fremdsprache lernen, sei eine Kunstsprache. Sie sei entstanden, als vor gut 150 Jahren erstmals die verschiedenen deutschen Fürstentümer zum Deutschen Reich vereinigt wurden. Schon vorher spielte Luthers Bibelübersetzung eine wichtige Rolle beim Entstehen einer Sprache, die überregional verstanden werden soll. Luther habe sich stark am ost- und mitteldeutschen Sprachgebrauch orientiert, sagte Landgraf. Landgraf skizzierte die Einflüsse des Jiddischen (Mamme, Kaff, Zores), des Französischen (Trottoir, Chaussee, „malad sein“) und des Lateinischen, das die Römer mitgebracht hatten: In der Pfalz „kammert“ man die Triebe der Reben. Das war eine Art, die Reben anzubinden, die von den Römern überliefert war. Und „Keschde“ komme vom lateinischen Castanea. Landgrafs Vortrag legte Wert auf gute Unterhaltung und so gab es eine Menge Geschichten und Anekdoten zur Pfälzer Sprache, die nicht unbedingt wissenschaftlich belegt, aber recht lustig sind. Besonderer Gast war der Liedermacher Uli Valnion. Er ist bekannt als Sänger alter Arbeiterlieder und eigener Stücke. In Pfälzer Mundart habe er bisher nicht geschrieben. Im Schreiwer-Hais`l stellte er erste Stücke vor und die kamen auch sehr gut an. Dem aktuellen US-Präsidenten, ein Spross der Kallstadter Familie Trump, geigte Valnion ordentlich die Meinung: „Du bisch ä Lufdbumb!“, schrieb er ihm ins Stammbuch.