Mutterstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Vor 100 Jahren erstmals hauptamtlicher Bürgermeister für Mutterstadt

Mutterstadts erster Berufsbürgermeister: Jakob Weber mit seiner Frau vor seinem Wohnhaus in der Turnhallenstraße.
Mutterstadts erster Berufsbürgermeister: Jakob Weber mit seiner Frau vor seinem Wohnhaus in der Turnhallenstraße.

Ein leidenschaftlicher Kommunalpolitiker, sprachgewaltig, durchaus streitbar und unbequem und ein Kämpfer für bessere Lebensbedingungen: Das war Jakob Weber, Mutterstadts erster Berufsbürgermeister. Am 18. April 1920, also vor jetzt 100 Jahren, wurde Weber zum ersten hauptamtlichen Bürgermeister gewählt.

Aus der Bevölkerung des damals noch landwirtschaftlich geprägten Großdorfs mit 5500 Einwohnern erhielt der Sozialdemokrat 1467 Stimmen, sein Gegenkandidat aus dem bürgerlichen Lager kam auf 1277 Stimmen. Mit dem 47-jährigen Weber kam damit auch erstmals in Mutterstadt ein Sozialdemokrat in dieses Amt.

Laufbahn durch den Krieg unterbrochen

1873 als Sohn einer Mutterstadter Arbeiterfamilie geboren, erlernte Jakob Weber das Maurerhandwerk, wurde Polier, Bauaufseher und anschließend Gewerkschaftsbeamter beim Deutschen Bauarbeiterverband. Er befasste sich schon in jungen Jahren mit sozialpolitischen Problemen, vertiefte sein Wissen durch Selbststudium, Weiterbildungskurse und Parteischulungen. 1910 zog Jakob Weber in den Gemeinderat, wo er für die SPD das Amt eines zweiten Adjunkts (heute Beigeordneter) übertragen bekam.

Weber war angetreten, wesentliche und nachhaltige Verbesserungen der örtlichen Lebensverhältnisse zu schaffen. So veröffentlichte er bereits 1911 seine „Denkschrift über Straßenherstellung, Entwässerung und Kanalisation sowie Errichtung einer Licht- und Kraft-Anlage“. Er war auch maßgeblich am Bau der Pestalozzischule, mit einem Volksbad, beteiligt. Jedoch musste Weber zunächst als Soldat in den Ersten Weltkrieg ziehen.

Kampf gegen Separatismus

1920 bewarb er sich mit seinem Wahlspruch „Das Wohl der Gemeinde steht über den Parteien“ um das Amt des ersten hauptamtlichen Bürgermeisters und wurde auch gewählt. Seine Amtszeit fiel in die turbulenten Jahre nach dem verlorenen Krieg. Investitionen der Gemeinde für Wohnungsbau, Förderung der Schulen und der Bücherei sowie Kanal- und Straßenbaumaßnahmen fallen unter anderem in diese Zeit.

Eine wichtige Rolle spielte Weber in den Jahren 1923/24 im Kampf gegen die Separatistenbewegung, die unter dem Schutz Frankreichs die Pfalz aus dem Reichsgebiet herauslösen wollte. Jakob Weber gehörte als Sprecher von 677 Landgemeinden zu einer Delegation, die Ende Dezember 1923 bei der Rheinlandkommission in Koblenz vorstellig wurde, um dies zu verhindern.

Für sauberes Wasser gesorgt

Am 3. Januar 1930 wurde Jakob Weber vom Gemeinderat für weitere zehn Jahre in seinem Amt bestätigt. Er wurde Mitgründer des Zweckverbandes für Wasserversorgung und dessen erster Vorsitzender. 1931 floss erstmals in knapp 900 Haushalten sauberes Wasser aus den Leitungen, der Wasserturm wurde gebaut.

Ein Rückschlag in der Entwicklung Mutterstadts war in den Augen Webers 1930 die Entscheidung der Staatsregierung, aus Teilen von Schifferstadt, Neuhofen, Rheingönheim und Mutterstadt eine selbstständige Gemeinde Limburgerhof zu gründen. Mutterstadt verlor seinen südlichen Ortsteil mit 300 Einwohnern, den Bahnhof und 316 Hektar seiner Gemarkung. Jakob Weber wandte sich vehement dagegen, vergebens.

Von Nazis verfolgt und gedemütigt

Nach der Reichstagswahl 1930 wurde Jakob Weber als führender Sozialdemokrat im Landkreis zum bevorzugten Hassobjekt der NS-Propaganda. Nach der Machtergreifung, am 13. März 1933, wurde der Bürgermeister von Polizei und SA aus dem Amt entfernt und in „Schutzhaft“ in das Konzentrationslager in Neustadt eingeliefert, später in Gefängnissen in Frankenthal und Ludwigshafen festgehalten und mit einem Ortsverbot belegt. Er wehrte sich mit Eingaben und Gerichtsverfahren. Durch die Auseinandersetzungen und die schlechte Unterbringung geschwächt, erkrankte Weber und starb mit 60 Jahren, am 28. November 1933. Auf dem alten Mutterstadter Friedhof wurde er begraben; sein Grabmal wird erhalten. Ursprünglich war für Samstag, 18. April, zum 100. Jahrestag seines Amtsantritts eine Gedenkfeier geplant.

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