Rhein-Pfalz Kreis Von Kobolden und Piraten

Schifferstadt. Mit einer besonderen Matinee im Alten Rathaus hat der Musikverein 1974 Schifferstadt sein 40-jähriges Bestehen gefeiert. Gerade die Kinder und Jugendlichen haben ihr musikalisches Können gezeigt. Es gab Stücke aus vier Jahrhunderten zu hören – und so manch ungewöhnliches Instrument.

„Wir geben uns Mühe, dem Klischee gerecht zu werden“, sagte Musiklehrer Helmut Achtzehnter vor seinem Auftritt mit Schülerin Marisa Bohrer. Denn die tiefen Blechinstrumente, auf denen das Duo zu spielen pflegt, stünden in dem Ruf, immer hinterherzuziehen. Da passte ein russisches Volkslied über Wolgaschlepper hervorragend ins Konzept.

Die Instrumentenwahl war ungewöhnlich: ein hierzulande vermutlich eher unbekanntes Saxhorn. Bekannt ist das Instrument vor allem in Frankreich, wo es um 1855 von dem Belgier Adolphe Sax entwickelt wurde. Es erinnert am ehesten an eine Tuba und eine solche spielte Achtzehnter, allerdings keine gewöhnliche, sondern eine tiefere Form des Saxhorns. Damit ließ sich nicht nur eine gravitätische Gavotte von Johann Sebastian Bach spielen, sondern auch „Ragtime“ des Filmkomponisten Rolf Wilhelm. Dieser komponierte Lieder unter anderem für zwei Loriot-Filme und für die Fernsehserie „Derrick“.

Die Klasse von Alexander Kropp gab auf Saxofonen bekannte Melodien wie „Mama Mia“ von Abba, „James Bond Theme“ von Monty Normann und „Celebration“ von Kool and the Gang zum Besten. Als Blechbläser kam zudem das Waldhorn zum Einsatz: Max Erdelmeier spielte in Begleitung von Nils Häßel am Klavier „Le Jardin sur la lagune“ von Jérome Naulais. Die jungen Schüler von Eva Rychtova trugen auf ihren Blockflöten Stücke von Sarah Watts vor wie „Krabbenserenade“ und die Filmmusik von „Piraten der Karibik“. Der Musikernachwuchs unter Leitung Pia Darmstädters überzeugte mit Stücken für die Querflöte, zum Beispiel „Musette“ von Johann Sebastian Bach, „Kobold“ von Edvard Grieg und „Blanchland“ von Mike Walton. Die Eleven von Thomas Panzer führten an Oboe und Klavier unter anderem das „Oboen-Konzert Nr. 1“ von Georg Friedrich Händel auf.

Die Matinee zeigte eindrucksvoll, dass der Verein entgegen dem allgemeinen Trend keine Nachwuchsprobleme hat. Mit Pia Darmstädters musikalischer Früherziehung, der Miniband und einer qualitativ hochwertigen Ausbildung gelinge es, Kinder und Jugendliche zu halten, sagte die Vorsitzende Katja Weickert. Und dem großen Orchester gehörten viele Studenten an, denen der Verein mit flexiblen Angeboten entgegenkomme. „Das ist nicht ganz einfach, aber wir bieten Proben auch außerhalb der Abende und des Wochenendes an.“

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