Rhein-Pfalz Kreis Von Helene und anderen Nervensägen

SCHIFFERSTADT. Mit Anekdoten über Schufte und finstere Gestalten aus Theater, Kino und Literatur hat Daniel Helfrich am Donnerstag sein Publikum in der Schifferstadter Stadtbücherei amüsiert. Der Odenwälder Kabarettist ist derzeit mit seinem drittem Klavierkabarettprogramm unterwegs: „Das halbnackte Grauen“ breitet sich aus und macht auch vor ausgewählten Nervensägen des Alltags wie Helene Fischer nicht halt.
Ein Mann mit schlechten, schiefsitzenden Zähnen betritt die Bühne, er hält ein Plakat in die Luft, auf dem steht „ist single“. Ein weiteres mit der Aufschrift „suche Date“ folgt. Beim letzten Plakat „mit Zahnärztin“ stimmt das Publikum in breites Gelächter ein. Bereits zu Beginn seiner Kabarettshow hat Helfrich das Publikum auf seiner Seite. Und das, obwohl er mit dem Klavierspielen und Singen noch gar nicht begonnen hat. Das scheint mit Gebiss, das ihm bei jedem gesungenen Ton fast aus dem Mund fällt, auch nicht so einfach zu sein. Nach einem „Zähnenwechsel“ will Helfrich sein Publikum besser kennenlernen. Beim nächsten Lied müssen die Zuschauer daher zu prekären Themen wie „Wer hat bei der Steuer mal nicht alles angegeben?“ oder „Sich aufgrund von Alkohol auch schon einmal übergeben?“ Stellung beziehen. Solchermaßen vorbereitet führt Helfrich sein Publikum vollends in die Welt des Bösen ein. In der Henkerballade geht es um einen Scharfrichter aus dem Orient. Er hat vom Fachkräftemangel in Europa erfahren hat und will nun dabei helfen, die Gefängnisse um ihre Straftäter zu erleichtern. Dann folgt eine Neuinterpretation von Frankenstein als Disney-Film. Am Klavier erzählt Helfrich die Geschichte des Monsters Boris Ochsenknecht, das sich in die neue Praktikantin, „die schwarze Barbara mit blauen Augen“, verliebt. Eine Geschichte mit Happy-End. Kein glückliches Ende nehmen dagegen laut Helfrich die Songs von Helene Fischer – seine ganz persönliche Nervensäge im Alltag. In einem Lied spottet der Kabarettist über die Reimkunst der Schlager-Sängerin und singt: „Hallo ich bin’s – ein Lied mit Humor, Herz und Esprit. Ich bin ein glückliches Lied, denn ich bin froh, dass ich kein Lied von Helene Fischer bin – kein kitschiger Schlager ohne Sinn.“ Die Stimmung im gemütlichen Bibliotheksraum ist gut, die Zuschauer sind von Helfrichs Programm begeistert. Bernhard und Anneke Christ finden: „Die witzigen Texte mit Klavier und seine Mimik – da macht es einfach Spaß zuzuhören und zuzuschauen.“ Die beiden Schifferstadter haben bereits seine letzte Kabarettshow „MusiZierFische“ im Alten Rathaus in Schifferstadt gesehen. „Er ist ein tolles Gesamtkunstwerk und scheut in seiner Show auch nie die Interaktion mit dem Publikum.“ Nach zweieinhalb Stunden voller Grusel, Schurken und Nervensägen, haben die Zuschauer am Ende von Helfrich auch etwas gelernt: Trotz all dem Bösen in der Welt, gibt es auch unglaublich viel zu Lachen. (mxr)