VG Römerberg-Dudenhofen / Lustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Tierschutzverein Terra Mater berichtet über Schicksal von Vierbeinern

Illegal nach Deutschland eingeführt: der Welpe Albert.
Illegal nach Deutschland eingeführt: der Welpe Albert.

Der bundesweit agierende Verein Terra Mater hat sich dem Tierschutz verschrieben. Seit Anfang des Jahres kümmert er sich auch um Tiere, die in der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen gefunden oder sichergestellt werden. Sie werden in die vereinseigene Auffangstation nach Lustadt gebracht, wo sie auf andere Artgenossen mit besonderen Schicksalen treffen.

Batman steht ruhig in seinem umzäunten Auslauf und beobachtet neugierig die Besucher. Der Kangal-Hirtenhund ist vier Jahre alt und wurde vor drei Jahren in Lustadt an einen Zaun angebunden von einem Spaziergänger entdeckt. Seitdem lebt er in der fünf Hektar großen Auffangstation am Rand der südpfälzischen Ortsgemeinde. „Er ist sehr gut erzogen und nett, außer wenn er Autos jagen will“, sagt Desiree Wabner und lacht. Die 39-Jährige ist Tierpflegerin und leitet die Station. Sie glaubt, dass der Hund ausgesetzt wurde, weil er sehr groß und die Rasse nicht einfach im Umgang sei. Der Verein konnte den Besitzer nicht ausfindig machen. Vermittlungsversuche, die etwa vier Wochen nach dem Fund starteten, blieben erfolglos.

Terra-Mater-Vorsitzender Heinz Zimmermann sagt, dass seine Mitarbeiter meistens Glück hätten und den Besitzer ermitteln können. Bei 15 bis 20 Prozent der Fundtiere sei das jedoch nicht möglich. Viele Tiere – vor allem Hunde – seien zwar gekennzeichnet, aber nicht registriert, sagt der 77-Jährige. Er vermutet, dass die Besitzer vom Tierarzt nicht darauf hingewiesen werden oder es vergessen. Mit einer Registrierung könne sofort herausgefunden werden, woher das Tier kommt. Desiree Wabner erzählt, dass sie einen Husky aus Frankreich hatte, bei dem sie über ein Tierregister die Besitzerin ausfindig machen konnte. „Der Hund war ihr gestohlen worden und an einer Raststätte angebunden gewesen“, erinnert sie sich.

Drei bis fünf Einsätze pro Tag

Terra Mater gibt es seit 1996. Der Verein hat deutschlandweit drei eigene Standorte sowie weitere 28 Partnerstationen und finanziert sich aus Spenden, Beiträgen der rund 13.000 Mitglieder sowie Zusammenarbeiten mit Kommunen. 2019 hat er einen Jahresüberschuss von rund 62.000 Euro erwirtschaftet, den er für Tier- und Umweltschutzprojekte verwendet hat. In Lustadt sind neun Angestellte beschäftigt, die eine berufliche Ausbildung im Tierbereich haben. Unterstützt werden sie von Tierärzten, ehrenamtlichen Helfern und Tierpaten. Die Mitarbeiter von Terra Mater retten rund um die Uhr Tiere, die von der Polizei oder Bürgern gefunden oder von Behörden sichergestellt werden. Drei bis fünf Einsätze seien es pro Tag, sagt Wabner. Zum Einsatzgebiet gehören der ganze Landkreis Germersheim sowie das benachbarte badische Gebiet und seit Kurzem auch die Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen.

Dort hatte der Haupt- und Finanzausschuss beschlossen, die Tierrettung dem Verein zu übertragen. Damit sollen die ehrenamtlichen Feuerwehrleute, die dafür während ihrer Arbeitszeit und auch nachts gerufen wurden, sowie das Ordnungsamt entlastet und Kosten, wie für den Tierarzt und die Unterbringung im Tierheim, reduziert werden. Fundtiere kosteten die Verbandsgemeinde vergangenes Jahr rund 20.800 Euro. Terra Mater zahlt sie nun eine Grundgebühr von etwa 14.000 Euro pro Jahr. Hinzu kommen mögliche weitere Kosten, etwa für sichergestellte Tiere. Die Verwaltung hatte auch bei den in der Verbandsgemeinde ansässigen Tierschutzvereinen sowie beim Tierschutzverein in Speyer angefragt. Angebote gaben letztlich Terra Mater sowie der Tierschutzverein Speyer ab, wobei Terra Mater das beste Preis-Leistungs-Verhältnis biete, so die Verwaltung.

Aufwand nicht bewusst

In der Lustadter Auffangstation leben zwischen 150 und 200 Tiere – von Pferden über Schafe bis hin zu Vögeln, Hunden, Katzen und Nagetieren. Kaninchen seien klassische Fundtiere, sagt Wabner und kritisiert, dass sie von einigen Menschen als „Wegwerf-Artikel“ angesehen werden. Sie begründet das damit, dass die Vierbeiner meistens für Kinder angeschafft werden, die sich dann nicht darum kümmerten. Die Eltern hätten keine Zeit, störten sich daran, dass die Nager Möbel anknabbern und ließen sie deswegen einfach frei. „Ihnen ist beim Kauf nicht bewusst, dass ein Tier Arbeit bedeutet“, sagt Wabner.

Außer den Fund- und sichergestellten Tieren gibt es in der Auffangstation auch Lebewesen, die von ihren Besitzern abgegeben wurden. Pino, ein fünf Jahre alter Gelbbrust-Ara, kam nach Lustadt, weil seine Besitzerin verstorben war und deren Mann im Rollstuhl sich nicht um den Vogel kümmern konnte. Der Vogel sei ein Geschenk für die dann verstorbene Frau zum 70. Geburtstag gewesen. Das sei völlig unrealistisch, weil ein solches Tier bis zu 60 Jahre alt werden könne, macht Wabner deutlich.

Die 39-Jährige schätzt an ihrer Arbeit die Vielfalt – von der medizinischen Betreuung über die Futtermittelkunde bis hin zum Umgang mit den unterschiedlichen Tieren und deren Charakter. Neugierig und etwas aufgedreht ist Albert. Der fünf Wochen alte Welpe wurde illegal ohne Impfung aus Rumänien eingeführt und fiel der Polizei bei einer Fahrzeugkontrolle in Wörth auf. Er wurde geimpft und konnte in ein neues Zuhause vermittelt werden.

Kontakt

Wer ein verletztes oder herumstreunendes Tier entdeckt, soll sich unter 06347 608672 oder bei der Integrierten Leitstelle, die unter 112 zu erreichen ist, melden. Dort ist eine Notfallnummer von Terra Mater hintergelegt. Der Verein ist rund um die Uhr im Einsatz.
Ausgesetzt: Kangal-Hirtenhund Batman.
Ausgesetzt: Kangal-Hirtenhund Batman.
Mit der 20 Jahre alten Katze Trixie, die seit zwölf Jahren in der Auffangstation in Lustadt lebt: Leiterin Desiree Wabner und Te
Mit der 20 Jahre alten Katze Trixie, die seit zwölf Jahren in der Auffangstation in Lustadt lebt: Leiterin Desiree Wabner und Terra-Mater-Vorsitzender Heinz Zimmermann.
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