Rhein-Pfalz Kreis Sportplatz ist der neue Aufreger

Ausgiebig diskutiert wurde bei der Versammlung im „Neuen Hof“.
Ausgiebig diskutiert wurde bei der Versammlung im »Neuen Hof«.

«Neuhofen.» Rund 100 Bürger sind am Donnerstagabend zum Informationsabend der Initiatoren des Bürgerbegehrens „Lebensmitteleinzelhandel“ ins Bürgerhaus „Neuer Hof“ gekommen. Dabei stellte sich heraus, dass der mögliche neue Standort für einen Sportplatz im Dorf die Gemüter bewegt – mehr noch als die Supermarktfrage.

Welche Beweggründe die Vertretungsberechtigten des Bürgerbegehrens leiten, wurde bei der Vorstellungsrunde deutlich: „Hier wurden politische Machtspiele auf Kosten der Bevölkerung ausgetragen“, sagte Iris Klamm. Sie kann nicht verstehen, dass sich die SPD-Fraktion per Ratsbeschluss einer Bürgerbeteiligung widersetzt hat. Und sie fürchtet, dass wegen des unsicheren Ausgangs der Diskussionen um den Supermarktstandort der noch bestehende Wasgau-Markt bald ganz weg ist. Auch Sven Fischer warf den Sozialdemokraten eine Blockadehaltung vor, welche die Entwicklung des Supermarktstandorts zum Stillstand gebracht habe. Zudem sei es angebracht, Bürger bei so weitreichenden Entscheidungen einzubinden. Bernhard Hesse verknüpfte die Standortfrage mit dem Neubau eines Sportplatzes. Er forderte, den VfL stärker zu unterstützen. Seit Jahren sei bekannt, dass der Tennenplatz kaum noch bespielbar ist. Durch den Verkaufserlös des jetzigen Sportplatzes würde sich die Möglichkeit bieten, ein neues Sportzentrum zu finanzieren. Welche Folgen der Ratsbeschluss vom 30. Januar hat, den Standort in der Industriestraße zu favorisieren, erklärte Verbandsbürgermeister Otto Reiland (CDU). Infolge der Kommunalreform muss die Verbandsgemeinde einen neuen Flächennutzungsplan ausweisen, welcher derzeit erstellt werde. Darin müsse auch das Einzelhandelskonzept integriert sein, das jedoch die Industriestraße als neuen Standort des Supermarkts ausschließt. Bliebe es bei dem Ratsbeschluss der SPD, wäre das Zustandekommen des neuen Flächennutzungsplans blockiert. „Durch die freie Fläche in der Ortsmitte hat Neuhofen eine Sonderstellung. Landesplanerisch werden zentral gelegene Grundstücke für die Lebensmittelversorgung immer bevorzugt und deshalb ist auch nur dieser Standort genehmigungsfähig“, sagte Reiland. Über den aktuellen Sachstand in Sachen Sportplatz berichtete Ortsbürgermeister Ralf Marohn (FDP). Er kenne die Angst der Anwohner in Woog- und Rehbachstraße, dass eine Sportstätte am westlichen Ortsrand Lärm und mehr Verkehr mit sich bringe. Er sei deshalb auf der Suche nach einem Kompromiss und lasse weitere Standorte prüfen. Denkbar sei etwa ein Grundstück am Ende der Schafsgasse oder vor der Schlicht. Als Alternative bietet sich laut Marohn auch ein Areal zwischen der B 9 und dem Badeweiher mit Anfahrt über das Gewerbegebiet an. Die anschließenden Bürgerfragen zum Kernthema Supermarkt hielten sich in Grenzen. Eine Frage lautete etwa: Weshalb konzentriere sich die Gemeinde bei den zusätzlich zum Supermarkt geplanten Wohneinheiten nicht auf sozialen Wohnungsbau? Da konnte Marohn mit einem Argument punkten: „Wenn ein Investor einen hohen Grundstückspreis bietet, kann er dafür keine Sozialwohnungen anbieten. Das passt nicht zusammen.“ Welche Art Wohnbebauung als Abgrenzung zum Siedlerweg entstehen soll, sei noch nicht festgelegt. Die Beiträge zum Für und Wider des neuen Sportzentrums waren zahlreicher und emotionaler. Die Gegner befürchten eine Einschränkung ihrer Lebensqualität mit dem Tenor: „Ruhe und Idylle rund um den Badeweiher sind dann weg.“ Nach Annahme einiger Hochhausbewohner würden sich bis zu 1000 Bürger gestört fühlen. Worauf die Befürworter heftig widersprachen. Wie unterschiedlich aber die Wahrnehmung zum Thema Lärm und Verkehr ist, machte der Beitrag einer Anwohnerin am jetzigen Sportplatz deutlich. „Ein Sportplatz verursacht weit weniger Belästigung als ein Supermarkt. Deshalb soll der Sportplatz dort bleiben, wo er ist.“ So hat eben jeder seine subjektive Einschätzung zu dem, was vor seiner Hautür passiert – sachliche Argumente hin oder her.

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