Rhein-Pfalz Kreis Sorgenkinder und Sonderfälle

. 6899 – diese Zahl sagt mehr als andere aus der polizeilichen Kriminalstatistik für Frankenthal und Umgebung darüber aus, wie sicher die Bürger in der Stadt, in Bobenheim-Roxheim und den Verbandsgemeinden Maxdorf und Lambsheim-Heßheim leben. Rein rechnerisch werden in den genannten Kommunen also rund 6900 Straftaten je 100.000 Einwohner begangen. Zum Vergleich: In Ludwigshafen liegt dieser Wert bei 10.009. Dass andere Zahlen, die Thomas Lebkücher, Leiter der Polizeiinspektion Frankenthal, und sein Stellvertreter Thomas Jung für das vergangene Jahr vorlegen können, durchaus begrenzte Aussagekraft haben, zeigt anschaulich die Straßenkriminalität: Amtlich erfasst ist hier ein Anstieg der Fälle um 9,3 Prozent auf rund 1400 – und das nach Jahren des stetigen Rückgangs der Delikte. Tatsächlich schlägt hier eine Serie von Sachbeschädigungen an Autos mit in Summe rund 170 Fällen und einer sechsstelligen Schadenssumme ins Kontor, die ein einzelner Täter im vergangenen Jahr begangen hatte. Diesen Sondereffekt herausgerechnet, würde sich der bisherige Trend mit einem weiteren Rückgang fortsetzen. Bei den Wohnungseinbrüchen, deren Entwicklung die Ermittler 2015 stark beschäftigt hatte, sprechen Lebkücher und Jung für das vergangene Jahr von einer Atempause. 157 Fälle stehen in der Statistik, fast ein Drittel weniger als im Vorjahr. „Besonders erfreulich“ ist nach Darstellung Jungs, dass es in mehr als der Hälfte der Fälle (rund 55 Prozent) beim Versuch blieb, in fremde Wohnungen und Häuser einzudringen. Die Beamten führen diesen Umstand auch auf die seit einiger Zeit diesbezüglich verstärkte Präventionsarbeit zurück. So hätten speziell ausgebildete Mitarbeiter 116 sogenannte Grundschutzberatungen geleistet – Gespräche, bei denen Hausbesitzer Tipps zur Sicherung ihres Eigenheims bekommen. Ein Bereich, der die Polizisten in Frankenthal und den Umlandgemeinden immer wieder vor Herausforderungen stellt, in dem allerdings Statistik und Wirklichkeit ein wenig auseinanderfallen, ist derjenige der Gewalt in engen sozialen Beziehungen. Hier ist die Anzahl der meist von Männern verübten Taten um 57 auf 262 gesunken. Hinter dieser Zahl verbirgt sich laut Inspektionsleiter Lebkücher aber eine von Fall zu Fall sehr unterschiedliche Schwere und Tragik. Die Bandbreite reiche von der einmaligen Eskalation bis hin zu massiven Bedrohungsszenarien, in denen dann die Spezialisten für sogenannte High-Risk-Fälle zum Einsatz kämen. Noch keine Vergleichszahlen, die eine Einordnung ermöglichen, gibt es nach Auskunft der Polizei für die Kriminalität bei Zuwanderern: Erstmals wurden 2016 die von ihnen verübten Straftaten separat erfasst. Bei 1052 Flüchtlingen, die Ende vergangenen Jahres im Dienstbezirk der Inspektion Frankenthal lebten, registrierten die Beamten 244 Straftaten, darunter 87 Rohheitsdelikte, 49 Diebstähle, 45 Fälschungs- und Vermögensdelikte und 61 sonstige Taten und Verstöße gegen strafrechtliche Nebengesetze wie etwa das Aufenthaltsrecht. Nicht wenige dieser Straftaten seien auf die Unterbringung der Asylsuchenden zurückzuführen, sagt Thomas Jung mit Blick auf die Frankenthaler Notunterkünfte auf dem Festplatz und in der Albertstraße. „Das Zusammenleben auf engem Raum spielt da eine Rolle“, ist Jung überzeugt. Das Lagebild im Zuständigkeitsbereich der Inspektion stellt nach Ansicht Thomas Lebküchers „keinen Anlass zur Besorgnis“ dar. Umgekehrt seien die fürs vergangene Jahr ermittelten Zahlen für die Polizei aber auch kein Ruhekissen. „Wie die Bürger ihr Umfeld wahrnehmen, das liegt nur bedingt in unserem Einflussbereich. Das ist auch ein Zeitgeistproblem“, sagt der Inspektionsleiter.