Rödersheim-Gronau
Sebastianusfest: Hoffnung in Krisenzeiten
Nachdem im vergangenen Jahr der Gottesdienst nur symbolisch mit Vertretern verschiedener Gruppen gefeiert werden konnte, durfte in diesem Jahr wieder eine beschränkte Anzahl an Gemeindemitgliedern mit dabei sein. „Wenn auch nicht so groß wie sonst, so bin ich doch froh, dass alle möglichen Plätze besetzt sind“, sagte Ortspfarrer Michael Hergl. Er freute sich besonders, dass der Festgottesdienst am Donnerstag wieder in Konzelebration mehrerer Pfarrer gefeiert werden konnte. Zugleich wurde die Messe aber auch per Livestream übertragen und war damit auch einem größeren Kreis zugänglich.
Die Aufgabe des Festpredigers hatte Josef Szuba aus Ludwigshafen für den eigentlich vorgesehenen, aber erkrankten Pfarrer Volker Sehy, übernommen. Daneben wirkten mit der frühere Ortspfarrer Raimund Röther, der damit zum 27. Mal das Sebastianusfest feiern konnte, sowie Dechant Hubert Werth aus Moers, der zum zwölften Mal mit dabei war. Den Kreis der Zelebranten komplettierten Kaplan Jaimon, Diakon Claus Kasper und Pastoralreferentin Marion Krüttgen. Coronabedingt waren keine Ministranten beteiligt, deren Aufgaben übernahm Kaplan Jaimon. Musikalisch wurde der Festgottesdienst von Rudi Scholl an der Orgel und Simon Hetterich als Gesangssolist mitgestaltet.
Vor Jahrhunderten Gelübde geleistet
Das Sebastianusfest ist seit Gründung der Pfarrei Heiliger Sebastian vor sechs Jahren nicht nur Patronatsfest, sondern auch immer Höhepunkt der Woche des Großen Gebets. Speziell in Rödersheim geht dieser Tag zurück auf ein 1648 von den 69 verbliebenen Einwohnern geleistetes Gelübde, das diese nach den überstandenen Schrecken und Hungersnöten des Dreißigjährigen Krieges dem Heiligen Sebastian leisteten. Seither wird dessen Namenstag, der 20. Januar, nun als Feier-, Ruhe-, Fast- und Abstinenz-, Gebets- und Opfertag festlich begangen.
So durchziehen traditionell Lieder zur Anrufung des Heiligen das Gottesdienstgeschehen und auch Pfarrer Josef Szuba stellte in seiner Festpredigt Verbindungen zwischen der aktuellen Krisensituation der Kirche und dem Glaubensvorbild des Heiligen sowie Corona und den Seuchen früherer Zeiten her. Er eröffnete den Gläubigen mit seinen Gedanken eine Perspektive, machte Hoffnung. „Laufen wir nicht weg, verlieren wir nicht den Mut, entscheidend ist, dass wir Jesus Christus nachfolgen, und Rechenschaft ablegen über unseren Glauben, der uns geschenkt wurde“, lautete Szubas Fazit.
Stilles Gebet und Anbetung
Der traditionelle Opfergang wurde von Ortsbürgermeister Thomas Angel (FWG) angeführt. Den Tag über bestand dann noch die Möglichkeit zum stillen Gebet und zur Anbetung in die Kirche St. Leo zu kommen, wo auf dem Sebastianusaltar die Monstranz mit der Reliquie des Heiligen sowie am Hochaltar das Allerheiligste ausgesetzt waren. Mit einer Andacht sowie einem Abendgottesdienst wurde dieser hohe und traditionsreiche Rödersheimer Festtag beschlossen.