Rhein-Pfalz Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Schifferstadter Mittellacheweiher ist ausgetrocknet

So sah es aus: Der Boden des Weihers war staubtrocken.
So sah es aus: Der Boden des Weihers war staubtrocken. Foto: arts

Was lange befürchtet wurde, ist eingetreten: Der Schifferstadter Mittellacheweiher ist ausgetrocknet. Der finanzielle Aufwand, das Gewässer zu retten, war der Stadt zu hoch. Die Angler sind natürlich enttäuscht. Aber ein Fünkchen Hoffnung glimmt noch.

Der Boden ist nach dem Regen der vergangenen Tage eine Schlammfläche. Zwischenzeitlich war der ehemalige Grund des Mittellacheweihers sogar voller Trockenrisse. Der Regen kam zwar, aber zu spät und auch bei Weitem nicht in ausreichender Menge, um den flachen, vormals rund 2,5 Hektar kleinen Wald-See zwischen Schifferstadt und Dudenhofen noch einmal zu retten. Wo noch vor wenigen Monaten schlammiges Wasser schwappte, sprießt jetzt Schilf, das sich immer weiter in die Freifläche vortastet. Klaus Krause verbirgt seine Enttäuschung nicht. „Das ist ein großer Verlust“, sagt der stellvertretende Vorsitzende des Angelsportvereins (ASV) Schifferstadt. Er meint damit natürlich einen Fischgrund, aus dem die Vereinsmitglieder in den Sommermonaten rund 275 Kilogramm lebende Fische gezogen hatten, um die Schuppenträger – Karpfen, Karauschen, Aale – in ein anderes Gewässer umzusiedeln und vor dem Erstickungstod zu bewahren. Einerseits.

Kostbarer Lebensraum fehlt

Andererseits sei mit dem Weiher, einen schwachen Steinwurf von der Grillhütte entfernt, auch ein Erlebnis- und Erholungsraum für die Schifferstadter Bürger verschwunden, gibt Krause zu bedenken. Zumindest ist die Idylle dort getrübt, seit der Blick nicht mehr auf eine Wasserfläche, sondern zerfurchte Ödnis fällt. Damit, meint Krause, sei nun auch ein kostbarer Lebensraum für etliche wasserliebende Tierarten verlorengegangen. Zwar bietet ein Verlandungsprozess wiederum ebenfalls viele ökologische Nischen. „Aber irgendwann steht da ein Wald, und dann haben Sie denselben Lebensraum wie außen herum“, sagt der Anglervorstand, dem daher nicht ganz eingängig ist, warum Stadt und Naturschutzbehörde nicht eingeschritten sind. „Falsch verstandener Naturschutz“ sei das.

Zeit dazu wäre wohl gewesen, denn das Ende des Weihers kam mit Ansage. Bereits in den vergangenen Jahren war der Wasserstand aufgrund der geringen Niederschläge und des sinkenden Grundwasserspiegels bedrohlich gefallen und damit auch der Sauerstoffgehalt des schrumpfenden Wasserkörpers. In der sommerlichen Hitze hatte sich dieser zuletzt auf 34 Grad aufgeheizt – den Fischen ging im Wortsinn die Luft aus. Die Angler mussten, wie auch schon im vergangenen Jahr, zum Notfang ausrücken. Und auch eine Belüftung des Gewässers durch die Feuerwehr zeigte keinen Erfolg.

Kosten waren zu hoch

Immer wieder hatten die Angler in den vergangenen Jahren auf die zunehmende Verlandung hingewiesen. Ideen wie jene, Wasser vom nahen Ranschgraben in den Weiher einzuleiten oder die, den Weiher wieder auszubaggern und als Löschwasserreservoir für die Feuerwehr zu deklarieren, verliefen sprichwörtlich im Sande. Praktische Gründe und ausufernde Kosten ließen die Stadt vor der Umsetzung zurückschrecken. Einzig ein Teil des Uferbewuchses wurde gerodet, um mehr Wind auf die Wasseroberfläche zu lenken. Zu spät auch dies, meint Krause. „Landschaftlich ist das selbstverständlich ein Verlust“, sagt die für den Naturschutz zuständige Erste Beigeordnete Ulla Behrendt-Roden. „Wir hätten es gerne anders gehabt“, betont die Grünen-Politikerin. Aber die möglichen Kosten seien einfach zu hoch gewesen: „Darum haben wir uns entschieden, den Weiher verlanden zu lassen, so leid mir das tut.“ Was nicht heiße, dass man das Areal nun sich selbst überlasse. „Wir lassen es nicht verkrauten“, betont Behrendt-Roden. Der Arbeitskreis Grünflächen solle nun gemeinsam mit der Lokalen Agenda ein Konzept entwickeln, beispielsweise für ein Feuchtgebiet. Aber auch das wäre wohl nicht zum Nulltarif zu bekommen.

Probleme an der „Sandgrube“

Noch klammern sich laut Krause einige Angler an die Pläne zum Ausbau der A 61 nebenan, weil dafür Sand gebraucht werde – und so entstand der Mittellacheweiher ja auch: durch Aushub. Würde hier also nochmals gebaggert, könnte sich der vielleicht wieder mit Wasser und Leben füllen, ist die vage Hoffnung. Dass daraus Wirklichkeit wird, glaubt Krause indes nicht. Und auch für den benachbarten Fischweiher „Sandgrube“ sieht Krause langfristig schwarz. Zwar betrage der Wasserstand noch zwei bis 2,5 Meter. „Aber die Wasserwerte sind nicht gut. Das ist eben auch eine Pfütze, nur etwas größer.“

Eine mit fast fünf Hektar weit größere Pfütze ist der Iggelheimer Kellmetschweiher, und das Wort „Pfütze“ hört Lothar Scheurer, der Vorstand des Iggelheimer Angelsportvereins Kellmetschweiher, im Zusammenhang mit diesem Gewässer nicht so gern. „Wir haben zwar derzeit einen 50 bis 80 Zentimeter tieferen Wasserstand als normal“, sagt Scheurer, aber die durchschnittliche Wassertiefe betrage immer noch 3,5 Meter.

Genug Platz für Fische also, jedoch ist auch hier die Anglerfreude aus ähnlichen Gründen wie an der Mittellache getrübt: Im Kellmetsch- wie im Niederwiesenweiher wuchert üppiges Grün. „Der Kellmetschweiher ist fast nicht mehr beangelbar“, klagt Scheurer – denn die Angler kommen gar nicht mehr an die Fische ran. Weil der dichte Uferbewuchs aus Naturschutzgründen nur sehr zaghaft gelichtet werden dürfe. Der Bewuchs wiederum fördere die Verlandung auch dieser Weiher.

Nächste Baustelle: Bahnweiher

Was Scheurer wundert, ist das Auftreten bestimmter Pflanzen wie Seerosen, deren Vorhandensein er sich im Grunde nur damit erklären kann, dass diese Flora „von außen eingetragen“ wurde. Aber von wem?, fragt sich der Iggelheimer Anglerchef, der nicht versteht, warum sein Verein hier nicht stärker regulierend eingreifen darf: „Schließlich erhalten wir einen Lebensraum.“

Einen Lebensraum, wie ihn einst ähnlich der Mittellacheweiher geboten hat. Und wie er an einem anderen Weiher glücklicherweise noch vorhanden ist. Am Schifferstadter Bahnweiher sei nämlich die Situation noch „ganz okay“, sagt Schifferstadts ASV-Vize Krause. Hier ist das Problem indes, dass die hölzerne Uferbefestigung in die Jahre gekommen ist und an manchen Stellen nachgibt. Teile des Ufers drohen damit unterspült zu werden und in das bis zu 15 Meter tiefe Gewässer abzurutschen – was für Besucher oder spielende Kinder gefährlich werden könnte. „Da müssen wir unbedingt etwas tun, das hat Priorität“, sagt die Erste Beigeordnete Behrendt-Roden. Sie rechnet mit „mehreren Hunderttausend Euro“ an Kosten. 2021 soll die Maßnahme umgesetzt werden. Bis dahin würden die Angler die Standfestigkeit des Ufers kontrollieren. Klaus Krause wird es vernommen haben.

Mehr Pfütze als See: Vom Schifferstadter Mittellacheweiher ist nicht mehr viel übrig.
Mehr Pfütze als See: Vom Schifferstadter Mittellacheweiher ist nicht mehr viel übrig. Foto: arts
Die Luft fehlte: Die Angler haben im Juli Fische gefangen und in den Bahnweiher umgesetzt.
Die Luft fehlte: Die Angler haben im Juli Fische gefangen und in den Bahnweiher umgesetzt. Foto: Lenz
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