Rhein-Pfalz Kreis Schicksale in Messing graviert

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Schifferstadt. Sogenannte Stolpersteine sollen künftig auch im Schifferstadter Straßenpflaster an Opfer der nationalsozialistischen Herrschaft erinnern. 13 dieser kleinen Pflastersteine mit Messingauflage, in die Name, Lebensdaten und Schicksal von Verfolgten aus Schifferstadt eingraviert sind, werden am Freitag, 21. November, erstmals an vier Stellen in der Stadt verlegt. Dass einer der Menschen, denen ein Stolperstein gewidmet ist – der 84-jährige Claude Levy – , selbst zur Verlegeaktion kommen wird, ist wahrscheinlich ein Novum bei dieser europaweiten Aktion.

Ehemalige jüdische Einwohner Schifferstadts, aber auch politisch Verfolgte, gehören zu den ersten 13 Menschen, derer auf diese Weise gedacht werden soll. Die Steine werden an den Orten verlegt, an denen die Betroffenen zuletzt freiwillig gelebt oder auch gearbeitet haben. Inzwischen liegen mehr als 46.000 Stolpersteine in rund 1100 Orten Deutschlands und Europas. Sie werden durch Spenden finanziert. Die Idee, sich auch in Schifferstadt der durch den Kölner Künstler Gunter Demnig ins Leben gerufenen Aktion anzuschließen, entstand im „Bündnis gegen Rechts und für Toleranz“, dem unter anderem Vertreter von Pfarrgemeinden, Schulen und Parteien angehören, sagt Uwe Volk, Referatsleiter in der Stadtverwaltung. Dort laufen die organisatorischen Fäden der Schifferstadter Stolperstein-Aktion zusammen. Nach einiger Vorlaufzeit ist es nun so weit. Von den Stadtarchivaren und Mitgliedern des Bündnisses wurden Verfolgte aus der Stadt ermittelt. Ihre Lebensläufe und ihr Schicksal haben Schüler eines Leistungskurses Geschichte am Paul-von- Denis-Gymnasium mit ihrer Lehrerin Lenelotte Möller erarbeitet. Sie werden an den einzelnen Verlegestellen darüber berichten. Schüler der Salierschule wiederum haben mit Lehrer Andreas Becker eine Ausstellung zusammengestellt, die bis 11. Dezember im Foyer des Rathauses zu sehen sein wird. Dass zwei weitere Opfer, deren Schicksal bereits recherchiert worden ist, nun (noch) nicht berücksichtigt werden, hat organisatorische Gründe, sagt Verwaltungsmitarbeiterin Cornelia Grüninger. Deren Steine sollen ein andermal verlegt werden. Beginnen wird Gunter Demnig am Freitag um 9 Uhr in der Alleestraße 8, wo einst die Familie Mängen lebte. Drei Stolpersteine werden gesetzt für die hier 1878 geborene Klara Mängen, die nach Gurs deportiert und in Chelmno ermordet wurde, sowie ihre Kinder Alice Liese und Heinz, denen die Flucht gelang. Etwa um 9.30 Uhr wird in der Bahnhofstraße 48 mit fünf Stolpersteinen der Familie Levy gedacht. Rosa Levy, geboren 1872, überlebte die Deportation. Ihr Sohn Leo und seine Frau Meta wurden in Auschwitz ermordet. Deren Kinder Kurt und Hanna überlebten. Hanna wurde neunjährig von einer Hilfsorganisation nach Palästina geschleust. Ihr Bruder Kurt, der heute Claude heißt und nach Schifferstadt kommt, überlebte versteckt in Frankreich. Ihr Nachbar war Georg May, einst ein Schifferstadter Weinhändler, der als Anhänger der Separatisten bei den Nazis in Ungnade fiel. Er wurde 1937 im KZ Dachau erschossen, ein Stolperstein wird vor seinem einstigen Wohnhaus in der Bahnhofstraße 50 verlegt. Am Schillerplatz 4 schließlich geht es ab etwa 10.30 Uhr um die jüdische Familie Mayer. Johanna Mayer und ihr Sohn Kurt wurden in Lodz beziehungsweise Auschwitz ermordet. Die Töchter Erna und Alice flohen in die USA und nach Argentinien. Am Vorabend der Stolperstein-Verlegung, Donnerstag, wird Gunter Demnig um 18 Uhr im Alten Rathaus einen Vortrag über „Stolpersteine - Spuren und Wege“ halten. Er skizziert darin seinen künstlerischen Werdegang von 1968 bis zum Projekt „Stolpersteine“. Im Anschluss an den Vortrag ist Gelegenheit zur Diskussion. Der Eintritt ist frei.

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