Rhein-Pfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Rhein-Pfalz-Kreis: Manche sehen bei Grünschnitt rot

Rasenschnitt kann auch zum Trocknen ausgelegt werden, dann beginnt er nicht zu müffeln. Auf dem Beet unter Büschen verhindert er
Rasenschnitt kann auch zum Trocknen ausgelegt werden, dann beginnt er nicht zu müffeln. Auf dem Beet unter Büschen verhindert er, dass Unkraut wächst, lautet ein Tipp von Volker Knörr.

Der Garten scheint für manche in Corona-Zeiten ein wichtiger Zufluchtsort zu sein. Oder liegt es am Sonnenschein, dass dieser Tage so viel Grünschnitt auf einmal anfällt wie selten zuvor. „Er wird abgeholt“, verspricht Volker Knörr. Der Beigeordnete appelliert erneut an die Vernunft der Kreisbürger. Denn so mancher hat schon wüst gedroht.

Toilettenpapier kaufen und Rasen mähen. Manche Menschen scheinen in Zeiten von Corona nichts anderes zu tun zu haben. Zumindest bleiben die Regale mit dem begehrten Hygieneprodukt im Supermarkt leer. Dafür füllen sich Säcke. Der Grünschnitt muss aus dem Garten. Schnell. Doch da gibt es inzwischen ein Problem.

Seit Dienstag haben alle Wertstoffhöfe im Kreis geschlossen. Komplett. Es gibt auch keine Ausnahmegenehmigungen mehr. Das hat nicht funktioniert. Der Ansturm auf die Annahmestellen in Mutterstadt und Schifferstadt blieb ungebremst. „Es ging nicht anders – zum Schutz der Bürger, aber auch zum Schutz unserer Mitarbeiter“, sagt Volker Knörr (CDU), der als Beigeordneter für die Abfallwirtschaft im Kreis zuständig ist. „Es kann nicht sein, dass wir ein Versammlungsverbot haben und dann trifft sich alles am Container auf dem Wertstoffhof.“

Bis Juli wird Grünschnitt abgeholt

Wertstoffhof zu. Grünschnittsack voll. Jetzt muss der Abfallkalender zurate gezogen werden. Denn im Rhein-Pfalz-Kreis wird Grünschnitt auch zu Hause abgeholt. „Bis Juli alle fünf bis sechs Wochen in allen Gemeinden“, sagt Knörr. Und damit sind die Bürger im Kreis in einer ziemlich komfortablen Lage. In Mannheim etwa gibt es genau zwei Termine, einen im Frühjahr und einen im Herbst. In anderen Kommunen keinen einzigen. Knörr hofft, dass die Kreisbürger das Privileg zu schätzen wissen. Denn ein zusätzlicher Abholtermin, weil die Wertstoffhöfe geschlossen haben, kann nicht mehr eingeschoben werden. „Dazu reichen einfach die Kapazitäten des Abfuhrunternehmens nicht“, sagt Knörr.

Im Falle des Grünschnitts ist das die Firma Zeller in Mutterstadt, die dem Beigeordneten zufolge auch so schon an ihre Grenzen stößt. „Ganz einfach deshalb, weil unglaubliche Mengen vor Hof- und Gartentüren liegen.“ Oft sei das mehr als die erlaubten zwei Kubikmeter, aber es würde nicht nachgemessen und alles mitgenommen. „Dadurch schaffen die Teams jedoch nicht immer ihre Runden. Es kann also durchaus sein, dass der Grünschnitt auch mal einen Tag länger liegt. Aber er wird abgeholt“, sagt Knörr. Wegen der Verzögerung haben Kreisverwaltung und Eigenbetrieb Abfallwirtschaft schon wüste Drohungen erreicht. „Leute rufen an, schimpfen und kündigen an, ihren Abfall einfach in die Walachei zu werfen. Das ist nicht schön.“ Stress also am Kundentelefon des Eigenbetriebs Abfallwirtschaft, zumal Knörr zufolge vier Mitarbeiter an die Corona-Hotline abberufen wurden und Leute beraten, die wirklich Sorgen haben.

Damit es nicht plötzlich aus der Tonne müffelt

Neben dem Grünschnitt-Desaster sollte sich nicht auch noch ein Sperrmüll-Fiasko auftun, meint Knörr und bittet die Kreisbürger darum, keine größeren Projekte zu Hause anzuschieben, wenn sie keine Möglichkeiten haben, Dinge zwischenzulagern. „Wichtig ist doch, dass Haus- und Biomüll weiter regelmäßig abgeholt werden. Müll, der stinkt.“ Dazu müssten die Mannschaften der Versorger aber auch bereitstehen. Deshalb sei immer ein Teil der Mitarbeiter im bezahlten Urlaub, um im Corona-Fall ausgetauscht werden zu können. „Das heißt, wir arbeiten mit weniger Leuten“, sagt Knörr. Abfuhrtermine verzögerten sich also nicht wegen Untätigkeit, sondern um das System weiter aufrechtzuerhalten. Damit es nicht plötzlich aus der Tonne müffelt, wenn man im Garten die Frühlingssonne genießen will.

x