Land und Leute RHEINPFALZ Plus Artikel Rhein-Pfalz-Kreis-Kolumne: Von Busfahrten aufs Land und analogen Auszeiten

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Was den Rhein-Pfalz-Kreis in dieser Woche beschäftigt hat. Kurioses, Abseitiges - und nicht ganz ernst Gemeintes aus den Dörfern.

Busfahrt: Gekreiselt

„Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen. Drum nähme ich den Stock und Hut und tät das Reisen wählen“, schrieb einst Matthias Claudius. Die meisten nehmen heute das Auto. Das ist viel bequemer, als zu laufen. Ganz Mutige nehmen öffentliche Verkehrsmittel. Und oftmals erweist es sich als keine gute Idee. Stock und Hut und Wanderstiefel führen schneller ans Ziel. Es gibt natürlich Ausnahmen. Den 580er-Bus etwa. Mit dem kann man, wenn man will, vom Berliner Platz in Ludwigshafen nach Rödersheim-Gronau fahren. Ich habe das gemacht und wurde prompt von Freunden gefragt, wo um Himmels willen Rödersheim-Gronau sei. Egal. Der Busfahrer wusste es. Und ich bin dort gelandet, wo ich hinwollte. Pünktlich. Etwas heiß wurde es mir unterwegs trotzdem. Als nämlich der Bus schwungvoll in Schauernheim in den Storchenkreisel fuhr und ich mich fragte, wie er in sieben Minuten am Rathaus in Dannstadt sein will, wenn er über Fußgönheim fährt. Ha! Nix Fußgönheim. Der Storchenkreisel wird vom Busfahrer als Wendehammer genutzt. Einfahrt gleich Ausfahrt und auf gleichem Wege zurück. Das irritiert zunächst. Auf der anderen Seite kommt man als Fahrgast des 580er-Busses in den Genuss, diesen von Ehrenamtlern liebevoll gestalteten Kreisel von allen Seiten zu bewundern. Ob es sich lohnt, ein zweites Mal durch die Speyerer Straße zu fahren, sei dahingestellt. Praktisch jedoch für alle, die auf dem Hinweg vergessen hatten auszusteigen. Die Kollegen habe ich ausführlich übers Storchengekreisel informiert und überhaupt von dieser interessanten Busfahrt berichtet. Wir haben gelernt: Ja, es ist möglich, ohne Stock und Hut oder Auto an ein Ende des Rhein-Pfalz-Kreises zu kommen. Und die Freunde wissen jetzt, dass es Rödersheim-Gronau gibt. Da kommt dann nach Claudius noch Goethe ins Spiel: Reisen bildet.

Internet: Gequält

Doch ja, Rödersheim-Gronau gibt es sehr wohl – und es ist durchaus eine (Bus-)Reise wert. Es ist ruhig, umgeben von Gemüsefeldern und Wingerten. Und es ist – erwähnte ich es schon? Ruhig! Mit anderen Worten, man kann hier wirklich abschalten. Und manchmal wird auch etwas abgeschaltet – das Internet zum Beispiel, wie in dieser Woche für eine – eigentlich gar nicht so lange – Weile. Nun im ersten Moment denkt man: Passt doch, ist doch prima – einfach mal ganz entspannt analog vor sich hin chillen. Das klappt! Kein Problem! Hab’ ich endlich mal Zeit, die Urlaubsvideos zu sichten und zu schneiden. Ach Scheibenkleister, die sind ja in der Cloud gespeichert! Na, dann schaue ich meine Serie … in der Mediathek, ach menno, die ist ja auch nur online „geöffnet“. Musik oder Podcast hören/streamen, Sie ahnen es: Nix da! Der Frust steigt langsam, aber stetig – auch über die eigene Inkompetenz, ohne Internet den Feierabend gemütlich ausklingen zu lassen. Ab an den Bücherschrank, gepflegt auf die Couch hinfläzen: „Alexa, Licht an!“ Mist! Mist! Mist!

Bücher: Gelungen

Dafür bekommen das unsere Lesesommer-Kinder ganz problemlos hin: Ganz analog ein Buch lesen ist immer noch angesagt. Und das trotz Kindheit mit Handy, Tablet, Computer, Streamingdienst und Spielekonsole. Sogar für „alte Schinken“ können sich die Kinder begeistern, wie in dieser Woche die siebenjährige Eva aus Böhl-Iggelheim. Ihr Lesesommer-Tipp war der berühmte Sherlock-Holmes-Fall „Das Geheimnis des blauen Karfunkels“. Kinder wie Eva beweisen: Manchmal braucht es nur einen kleinen Anreiz, wie eben die Lesesommeraktion des rheinland-pfälzischen Bibliothekszentrum.

Ein gechilltes Wochenende

wünschen Enzenauer und Reber

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