Rhein-Pfalz Kreis Regen wäscht Dreck ab

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Ludwigshafen ist stolz auf seine Miró-Wand. Mit ihrer Länge von 55 Metern und einer Höhe von zehn Metern an der Fassade des Wilhelm-Hack-Museums ist sie die größte Keramikwand, die der katalanische Künstler geschaffen hat. Sie übertrifft noch die in Paris, Barcelona, Madrid und Palma de Mallorca. Ist auch dieses Wahrzeichen Ludwigshafens in Gefahr?

„Durch die hohe Luftverschmutzung in Ludwigshafen ist die Wand einer extremen Verschmutzung ausgesetzt, die in den Anfangsjahren regelmäßig entfernt wurde. Die Reinigung der Fliesen wurde aufgrund der Kosten eingestellt, was zu einer zunehmenden Entstellung der Wand führt.“ So lauten die letzten Sätze eines Eintrags in der Internet-Enzyklopädie Wikipedia. Nachforschungen ergeben jedoch, dass diese beunruhigenden, nach Verwahrlosung eines wertvollen Kunstwerks klingenden Sätze jeglicher Grundlage entbehren. Dabei ist die Wand nach ihrer Fertigstellung 1979 tatsächlich nur ein einziges Mal gereinigt worden. Das teilt das Gebäudemanagement der Stadtverwaltung auf Anfrage mit. Das war 20 Jahre nach der Installation und hat etwas über 20.000 Mark gekostet. Die Reinigung wurde seinerzeit vorgenommen, weil es ein Gutachter empfohlen hatte. Manfred Schwarz, Diplom-Ingenieur in der Abteilung Werkstofftechnik und Schadensanalyse der BASF, war nach Untersuchungen in den Jahren 1986 und 1999 zu dem Ergebnis gekommen, dass es keinerlei Anzeichen für eine Schädigung der aus 7200 Fliesen zusammengesetzten Wand gebe. Eine regelmäßige Reinigung, so seine Empfehlung, erhöhe jedoch die Farbbrillanz und verringere das Korrosionsrisiko. In seiner in dem Buch „Die Wand“ abgedruckten Analyse kam Schwarz zu dem Schluss: „So kann die Wand des großen katalanischen Künstlers noch sehr viele Jahre das Ludwigshafener Stadtbild verschönern.“ An dieser Einschätzung hält Schwarz heute noch fest. Auf den Wikipedia-Eintrag angesprochen, fällt die erste Reaktion des Gutachters und früheren CDU-Stadtrats eindeutig aus: „Absoluter Unfug.“ Temperaturschwankungen in nördlichen Regionen könnten Mirós keramischen Wandgemälden zwar zusetzen. Aber von der angeblich „hohen Luftverschmutzung“ in der Chemiestadt, wie sie der Wikipedia-Eintrag suggeriere, gehe für die Wand keine Gefahr aus. Dennoch hat Schwarz der Kulturdezernentin schon vor einer Weile eine Reinigung nahegelegt. „Die Farben wirken dann frischer.“ Regelmäßige Proben seit über zehn Jahren, so zuletzt erst vor wenigen Monaten, hätten ergeben, dass eine Reinigung nicht nötig sei, sagt Herbert Nolden, Restaurator des Hack-Museums. „Wahrscheinlich wäscht der Regen das meiste ab.“ Schaden würde eine Reinigung zwar nicht, sie würde aber an dem Zustand der Keramikwand auch nichts ändern. So lautet die Einschätzung von Museumsdirektor René Zechlin. „Die Wand ist glasiert wie eine Vase, an der kein Dreck haften bleibt.“ Derjenige, der den Eintrag bei Wikipedia vorgenommen hat, habe seinen Hinweis vermutlich gut gemeint, glaubt Zechlin. „Es ist ein Nachteil des Internets, dass Tatsachen und bloße Behauptungen oft nicht zu unterscheiden sind.“ Die Stadt will sich nun um eine Richtigstellung und Änderung des Eintrags bemühen. Außerdem sind im nächsten Doppelhaushalt wieder 10.000 Euro an Reinigungskosten vorgesehen. Denn wie sagte der 1983 gestorbene Joan Miró? „Für mich muss ein Bild Funken sprühen. Es muss einen blenden wie eine schöne Frau oder ein Gedicht.“ (huf)

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