Lambsheim
Plötzlich vier Meter hoch: seltenes Phänomen im Garten
Uli Beier hat nachgemessen. Mehr als vier Meter sei die Pflanze, die da in seinem Garten steht, mittlerweile groß. Bis vor wenigen Wochen allerdings war sein Exemplar einer Agave parryi nicht einmal einen Meter hoch. Die Blätter der Pflanze reichen ihm gerade einmal bis zu den Knien. Nahezu unverändert stand diese Pflanze dort seit 2008 herum. Nach 15 Jahren aber hat sich etwas getan: „Am 15. Mai habe ich gesehen, da wächst etwas raus“, erzählt der 60-jährige Betriebsassistent, der bei Roche arbeitet. Von da an habe er fast täglich Veränderungen feststellen können. Der Stängel wuchs immer höher und bildete in luftiger Höhe Blüten aus, die sich demnächst öffnen könnten.
„Dass Agaven blühen, ist, zumindest bei Privatleuten, schon etwas ungewöhnlich“, bestätigt Alexander Haas, Mitarbeiter im Pflanzenschauhaus des Mannheimer Luisenparks, in dem Besucher sich verschiedene Agaven anschauen können. Gärtner Haas hat selbst längere Zeit in Südamerika gelebt und kennt sich mit dieser exotischen Art aus. Er sagt, es brauche oft ein bis zwei Jahrzehnte, bis Arten wie die Agave parryi blühen. „Viele haben nicht die Geduld“, meint er.
Dass diese Blüte etwas Außergewöhnliches sein könnte, ist Uli Beier erst so richtig klar geworden, nachdem er einen Medienbericht über eine blühende Agave im Raum Karlsruhe entdeckt hatte. Nach dem Botaniker Charles Christopher Parry benannt, fühlt sich Beiers Agave normalerweise in einigen Südstaaten der USA sowie in Mexiko wohl. Weil sie aber als winterhart gilt, hat Beier sein Glück versucht und das zentralamerikanische Pflänzlein nach Lambsheim geholt.
Blüte besiegelt Ende der Pflanze
Es ist nicht das einzige exotische Gewächs, das in seinem Garten gedeiht. Auch weil Yucca-Palmen, Agaven & Co. als pflegeleicht gelten und wenig Wasser benötigen, hat sich der Lambsheimer ein bisschen Exotik hinter sein Haus gepflanzt. Verschiedene Bananenpflanzen vervollständigen das Gartenbild. Früchte bilden die jedoch nicht aus – dafür sei die Pfalz nicht warm genug. Damit heimische Insekten bei aller Exotik noch auf ihre Kosten kommen, hat Beier auch Europäisches angepflanzt.
Nach dieser außergewöhnlichen Blüte muss sich der Lambsheimer übrigens von seiner Pflanze verabschieden. Denn die spektakuläre Aktion wird die Agave nicht überleben. „Nach der Blüte stirbt sie ab“, bestätigt Alexander Haas. „Aber sie vermehrt sich dadurch zu Hunderten, und der Zyklus beginnt von Neuem“, erklärt er die Eigenheiten dieses Naturschauspiels.