Rhein-Pfalz Kreis Pfeilschnell auf Öko-Mission
«LAMBSHEIM.»Jemand krebst herum. Das sagt man, wenn sich jemand ohne Erfolg abmüht. Der europäische Flusskrebs im Lambsheimer Nachtweideweiher kann es besser. Er ist pfeilschnell unterwegs auf Öko-Mission. Der gepanzerte Gesundheitspolizist vertilgt kranke und tote Wasserbewohner und sorgt so für beste Wasserqualität.
„Ich habe schon Krebse schwimmen sehen – so schnell kann man gar nicht rennen“, berichtet Ralf Kopecek vom Sportanglerverein (SAV) Lambsheim, der die Wasserwelt des Weihers genau im Blick hat. Wie ein Torpedo flitze dort der Flusskrebs durchs Wasser, mit angelegten Beinen und Scheren und dem Schwanz als Paddel. Der Flusskrebs, auch Edelkrebs genannt, hält mit seinem Appetit auf erkrankte Fische das Gewässer sauber. „In den 1990er-Jahren haben wir den Weiher mit Krebsen aus dem Pfälzerwald besetzt“, erinnert sich Kopecek. „Stichproben mit der Krebsreuse haben ergeben: Heute tummeln sich hier mehrere Generationen.“ Und ihre Vorfahren schwammen schon vor beinahe 600 Millionen Jahren durch Meere, Seen und Flüsse. Die bis zu 20 Zentimeter großen braunen Tier können 20 Jahre alt werden und sind ein imposanter Anblick: Den Vorder- und Hinterleib schützt ein dicker Panzer, Carapax genannt. Am Vorderkörper sitzen vier Beinpaare. An ihnen hängen Kiemen, mit denen der Flusskrebs atmet. Furchteinflößend wirken die zwei Scheren am Vorderleib, mit denen laut Kopecek schon so mancher Badende in die Füße gezwickt wurde. Die Scheren sind nicht nur das Essbesteck der Krebse. Sie spielen bei der Fortpflanzung eine wichtige Rolle: Wenn im Herbst die Wassertemperatur sinkt, paaren sich die Tiere. Oft kommt es dabei zu erbitterten Kämpfen zwischen den Männchen, bei denen die Scheren als Waffen eingesetzt werden. Schneidet ein Rivale dem anderen die Scheren ab, wachsen diese wieder nach. Aber: Ohne Scheren keine Fortpflanzung. Denn das Männchen hält das Weibchen bei der Paarung damit fest und dreht es auf den Rücken oder auf die Seite. Im Frühjahr entwickeln sich aus den befruchteten Eiern an der Bauchunterseite der Krebsmutter die Larven, die als Jungtiere nahezu durchsichtig sind. Früher gab es fast in ganz Europa Flusskrebse. Ihr wohlschmeckendes Fleisch machte sie zu einem begehrten Nahrungsmittel für jedermann. Heute ist der Flusskrebs in Europa ganzjährig geschützt. In Deutschland ist der größte Vertreter der in Europa heimischen Arten vom Aussterben bedroht und steht auf der Roten Liste. Hauptverantwortlich für den dramatischen Einbruch der Bestände sind die vor etwa 130 Jahren eingeschleppten amerikanischen Flusskrebsarten. Sie sind Überträger der Krebspest, deren Erreger ein Algenpilz ist. Die eingewanderten Flusskrebse sind immun gegen die Sporen, einheimische Stein- und Edelkrebse hingegen haben bei einer Infektion keine Überlebenschance. Einen Flusskrebs im Lambsheimer Weiher zu beobachten, ist nicht einfach. Am ehesten entdeckt man den dämmerungs- und nachtaktiven Panzerträger mit einer Taschenlampe in der Dunkelheit, wenn man größere Steine am Ufer umdreht. Öfter zu sehen sind verlassene Chitinpanzer. Bis zu siebenmal im Jahr häuten sich Flusskrebse, weil ihr aus Chitin und Kalk bestehendes Außenskelett nicht mitwächst. In Lambsheim gibt es auch viele winzig kleine Wasserbewohner, die zu der großen Familie der Krebse gehören und eine wichtige Nahrungsquelle für Fische darstellen: Wegen ihrer hüpfenden Fortbewegung heißen sie Wasserflöhe. Die zu den Blattfußkrebsen zählenden Wasserflöhe bewegen sich in großen Schwärmen. Wo ein Schwarm auftaucht, wird er für den Spaziergänger häufig als dunkle Wolke unter der Wasseroberfläche sichtbar. Ruckartig kommt der Hüpferling oder Ruderfußkrebs von der Stelle, indem er die vorderen Brustbeinpaare kräftig zusammenschlägt. Die Wasserassel wiederum ist eine Läuferin: Sie klettert mit ihren klauenartigen Laufbeinen über den Boden und auf Wasserpflanzen und besiedelt sogar die Rohre von Trinkwasserleitungen, wo sie Biofilme an den Wänden abbaut. Serie Oben paddeln Enten, Schwäne und Badegäste – aber was schwimmt unten? In unserer Serie „Abgetaucht“ haben wir Bewohner in Weihern, im Altrhein und in Bächen des Kreises vorgestellt. Von Aal bis Zander erzählten uns Angler von heimischen Fischarten.