Rhein-Pfalz Kreis Pfälzer Vielfalt in der Kiste

Rödersheim-Gronau. Nein, in Köln, Berlin, Hamburg und auf Sylt muss man auf Tomaten und Kartoffeln von Klaus Fix verzichten. Selbst Frankfurter, ja Mannheimer haben Pech. Der Gronauer Landwirt beliefert ausschließlich Kunden im engeren Umkreis. Schließlich soll die Ökobilanz noch stimmen, sonst könnte er das mit dem „Bio“ auch sein lassen, findet er. „Auf die Idee mit den Gemüsekisten sind wir gekommen, als wir uns überlegt haben, wie wir unsere Produkte regional vermarkten können – ohne Zwischenhändler.“ Die Kunden sollten wissen, woher sie ihr Gemüse haben und eine Bindung zum Betrieb aufbauen. Das ist gelungen. Es gibt Leute, die beziehen seit 15 Jahren die Fix’sche Standardkiste. „Sie nehmen sie so, wie wir sie liefern.“ Allerdings hat in den eineinhalb Jahrzehnten nicht nur Bio geboomt, es sind auch die Ansprüche der Bio-Käufer gestiegen. Heute bietet Klaus Fix seinen rund 200 Stammkunden eben nicht nur Tomaten und Kartoffeln aus dem eigenen Anbau an, sondern auch Brot, Bananen und Bartholomäus Gewürzblüte, einen milden Schnittkäse. Und wer will, bekommt sogar noch einen Putzschwamm mitgeschickt. Ganz bio natürlich. Online findet sich eine ganze Palette an Naturprodukten. Für Fix ist es eine Gratwanderung geworden: Bioprodukt oder regionales Erzeugnis? „Bei unseren Kisten-Angeboten haben hiesige Produkte Vorfahrt. Und im Sommer gibt es eben jede Woche Tomaten.“ Wegwerfen will Fix nichts, was er – mit viel Arbeit verbunden – aufgezogen hat. „Da geben wir den Leuten lieber Rezepte an die Hand, was sich aus Tomaten alles zaubern lässt.“ Trotzdem wandern an diesem Mittwochmorgen auch mal italienische Trauben oder eine Orange in einen der grünen Kästen, die am Mittag auf die Reise gehen. „Im Sommer, nach den Erdbeeren, gibt es kaum noch heimisches Obst, dann greifen wir auf solche Produkte zurück“, sagt Fix. „Aber jetzt kommen schon wieder Pfälzer Pflaumen, Äpfel und Birnen ins Spiel.“ Und in die Kiste. Eigentlich sieht die Halle wie ein kleiner Gemüseladen aus – nur wird die Ware hier nicht über die Theke gereicht, sondern eben in Boxen gepackt. Computer verraten den Mitarbeitern die Kundenwünsche. Morgens ab 6 Uhr spucken sie die fertigen Listen aus. Dann werden Möhren gewogen und Salatköpfe gezählt. Die meisten wählen eine Standardkiste, deren Inhalt Fix vorgibt, und tauschen ein paar Dinge aus – Paprika statt Fenchel, Gurke statt Kopfsalat. Nicht jeder isst eben alles. „Es ist inzwischen schon ein gewaltiger logistischer Aufwand, den wir zu stemmen haben“, sagt der 52-Jährige, der als Quereinsteiger in die Landwirtschaft gekommen ist. „Ganz am Anfang haben wir in die Kisten gepackt, was wir auf dem Feld hatten, und ich bin selbst noch losgefahren, sie verteilen.“ Die ersten Kundenwünsche und Abänderungen wurden auf Karteikarten festgehalten, dann kam der Computer dazu und heute betreut ein professioneller Dienstleister den Online-Shop. Ein anderer fährt die Kisten aus. Wenn es dann trotzdem mal hakt im System, drückt Fix auf der Maus rum und wird etwas nervös. Klicken statt Kartoffeln ernten, Touchpad statt Traktor – man hat das Gefühl, diese Computersachen sind nicht so seine Welt. Fix’ Helfer sind also nicht böse, als ihr Chef in Richtung Gewächshäuser verschwindet. Der Landwirt auch nicht. Der etwas knorzige Pfälzer taut draußen regelrecht auf. Der Weg zum Gemüse führt vorbei an einer Wiese – Fix’ kleine Wildnis. „Ich lasse solche Flächen stehen – bei all den kiesgedeckten Vorgärten und akkuraten Rasenflächen brauche ich ein bisschen Natur. Außerdem entwickeln sich hier sehr viele Nützlinge, die ich in den Gewächshäusern gut gebrauchen kann. Schwebfliegen und Marienkäfer kommen in die Tunnel, sobald Läuse dort sind.“ An den Folienbauten angelangt, kommt uns Paprikageruch entgegen. So intensiv können die Schoten also riechen, wenn sie nicht aus Holland kommen. Lecker. Und so schön bunt: orange, gelb, rot. „Sie wissen ja aber, dass alle Paprikas grün zur Welt kommen und sich erst mit zunehmendem Reifegrad verfärben ...“ Fix lacht. Im nächsten Tunnel wachsen Tomaten: kleine, große, lange, runde. Fix nascht. Schmeckt’s? „Probieren Sie halt mal. Ich finde schon. Überhaupt esse ich sehr gerne Tomaten.“ Den Folienhäusern schließen sich freie Felder an. „Wir bauen relativ kleine Sätze mit möglichst vielen Kulturen an, damit wir Pfälzer Vielfalt in die Kiste kriegen.“ Fenchel, Endiviensalat, Brokkoli, Wirsing – doch viele Kulturen machen auch viel Arbeit. Fix kann nicht für alles passende Maschinen kaufen, also ist Handarbeit angesagt. Und um nicht den Überblick zu verlieren, wann was in und wann was aus dem Boden kommt, bedarf es einer guten Planung. Außerdem darf ein zertifizierter Biobetrieb nicht einfach Pflanzenschutzmittel versprühen. Um der Nebenkräuter, wie Unkraut hier politisch korrekt genannt wird, Herr zu werden, müssen Fix und seine Leute einiges an Aufwand betreiben. Wenn die Tomaten dann verführerisch rot leuchten, die Paprikaschoten gelb glänzen und der Kopfsalat vor Frische knackt, ist der Landwirt stolz. Und die Mühe hat sich erst recht gelohnt, wenn die Kunden sich beim Einkaufen freuen. Weil aber der persönliche Kontakt in den virtuellen Welten verloren geht, hat Klaus Fix noch einen Stand auf dem Biomarkt in Mannheim – auf den Kapuzinerplanken. So kommen die Mannheimer doch zu Gemüse aus dem Hause Fix, und der Landwirt kann in zufriedene Gesichter blicken. Face-to-Face-Kontakt mit Kunden, wie man das heute nennt, hat der Rödersheim-Gronauer auch samstags von 9 bis 13 Uhr. Dann wird die Kisten-Pack-Station tatsächlich zum Gemüseladen. Kontakt www.biofix.de