Dannstadt-Schauernheim
Per Livestream in den Werkstattladen: Und täglich grüßt Monja
10 Uhr morgens. Ein Klick auf Instagram und schon ist man zugeschaltet. „Guten Morgen aus dem Werkstattladen“ begrüßt Monja Hastenteufel ihre Zuschauer. „Schön, dass Ihr wieder dabei seid.“ Während der Corona-Krise öffnet sie virtuell ihre Ladentüren für alle, die sich für ihre Arbeit oder einfach ihre amüsante Unterhaltung interessieren.
„Monja-TV“ kann inzwischen eine Fangemeinde von mehreren hundert Aufrufen pro Tag verzeichnen und für so manch einen ist es bereits zum festen Ritual geworden, für eine gute halbe Stunde mit einer Tasse Kaffee via Handy in Monjas Welt zwischen Stoffballen und Kleiderstangen einzutauchen. Um sich dort „live“ mit ihr auszutauschen.
Entstanden sei diese Plattform aus der Not heraus, sagt die 52-jährige Nähkünstlerin. Für sie war es wichtig, den Kontakt zu den Kunden und Freunden zu halten. „Und jetzt ist es so, als ob jemand in den Laden kommt“, freut sie sich, dass ihr Konzept aufgegangen ist. Außerdem würde sie durchdrehen, müsste sie nur auf dem Sofa rumsitzen, räumt sie ein.
Flippig freche Farbkombi
Sie selbst trägt bei ihren Übertragungen stets ein anderes farbenfrohes Tuch um den Hals drapiert. Oder auch mal eine Mütze, schließlich gehören doch Mützen, insbesondere für Kinder, zu ihren absoluten Rennern. Und gerade jetzt können die Kopfbedeckungen einen guten Dienst erweisen, indem sie den sich allmählich vergrößernden Haaransatz kaschieren. Neuerdings gibt es auch Masken, Monja Hastenteufel nennt sie Facys, – mit passendem Loopschal dazu.
Ihre Kreationen tragen Namen, da gibt es beispielsweise „Kerstin“, einen doppelt genähten Dreiecks-Schal mit großblumigem Muster auf weißem Grund, daneben etwa „Kranich“, einen zimtfarbenen Halsschmuck mit Vogelmotiv aus weicher Viskose oder auch „Filipa“ in flippig frecher Farbkombi.
Ein Pling, eine Anfrage während der Live-Story: Ob sie auch Mode für die Großen habe. Aber ja doch, eine Kollektion von Oversize-Pullis aus Baumwoll-Jersey kommt zum Vorschein, gefertigt nach eigenen Schnitten. Mit ansteckender Begeisterung dreht und wendet die Mutter zweier Söhne, die sich selbst als nähsüchtig bezeichnet, ihre Werke oder die Stoffe, aus denen mal welche werden, vor der fixierten Handy-Kamera und bittet um Rückmeldung.
Ganz oft geht der Daumen hoch
Den Blick auf das vor ihr liegende Tablet gerichtet, muss sie darauf nicht lange warten. Mit „wunderschön“, „toll“, „will ich haben“ und Daumen-hoch-Emojis sind sich die eingeblendeten Kommentare einig: Es gefällt. So Ausgewähltes wird gleich auf die Seite gelegt und möglichst schnell verschickt oder abgeholt. Bestellungen können aber auch individuell per separatem Video-Chat oder im Online-Shop aufgegeben werden. Diesen baut sie gerade aus.
Denn ihr Monja-Mobil, mit dem sie seit vier Jahren über die Märkte der Region zieht, muss für größere Ausflüge momentan in der Garage stehen bleiben. Aber jetzt, wo kleinere Läden wieder öffnen dürfen, will sie ihr Hoftor in der Böhler Straße 9 offen lassen und Tische rausstellen, auf denen die Kunden stöbern können. Der Laden selbst bleibt vorerst zu.
Trotz aller momentanen Widrigkeiten liebt sie, was sie tut. Vor 20 Jahren wurde ihr Hobby zum Beruf, den sie nicht Beruf sondern „Mission“ nennt. „Ich mach das so gern“, sagt sie. „Und ich bin gerne bei Euch“, an ihre Zuschauer gerichtet. Jeder darf sich in ihren Storys einbringen, sich live mit eigener Kamera zuschalten, Fotos oder Posts schicken. „Das beflügelt mich und versüßt mir den Tag“, sagt Monja Hastenteufel. Egal, ob der Paketbote gerade klingelt, der Platz vor der Kamera mal kurz leer bleibt oder der Ton mal kurz weg ist, „Monja-TV“ ist kurzweilig und authentisch. Wie das wahre Leben eben, so wie es ist und ohne Filter.