Maxdorf / Lambsheim
Noch keine Dauerlösung für den Biberdamm gefunden
An dem Regenrückhaltebecken, in das Wasser aus dem Mittelgraben fließt, hat es dem Biber anscheinend so gut gefallen, dass er beschlossen hat, sich hier häuslich niederzulassen. Er hat begonnen, aus Ästen, Zweigen, Steinen, Pflanzen und Schlamm einen Damm zu bauen. Damit hat er das Wasser angestaut, so dass ein neues Gewässer entstanden ist, an dem der Biber eine Burg gebaut hat. Eine Burg, in der der Biber inzwischen mit einem Weibchen lebt und den Nachwuchs aufzieht. Der Eingang der Biberburg liegt unter Wasser, damit Feinde des Bibers, die im Gegensatz zu ihm nicht schwimmen können, nicht hinein gelangen.
Der Biberdamm ist eine Sperre, die dazu führte, dass das Wasser aus dem Regenrückhaltebecken nicht mehr in den Floßbach ablaufen konnte und das Becken, in das 19,2 Millionen Liter Flüssigkeit passen, immer voller und voller wurde. Das wiederum hatte zur Folge, dass nicht mehr genug Platz war für Wasser aus dem Mittelgraben.
Überschwemmung droht
Der Mittelgraben hat für die Entwässerung und den Hochwasserschutz der Verbandsgemeinde Maxdorf eine zentrale Funktion. Über ihn wird Regenwasser aus verschiedenen Bereichen, vor allem der Gemeinde Maxdorf, aber auch aus Fußgönheim, abtransportiert. Wenn der Mittelgraben zu voll wird, besteht die Gefahr, dass er über die Ufer tritt und es Überschwemmungen gibt.
Um dies zu vermeiden, wurden Gespräche zwischen der Verbandsgemeinde Maxdorf, der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim, auf deren Gemarkung der Biberdamm liegt, sowie der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd geführt. Biber sind in Deutschland sehr selten und deshalb geschützt. Aus diesem Grund darf der Biberdamm nicht einfach abgerissen werden, sondern es sind nur Maßnahmen zulässig, die von der SGD als Obere Naturschutzbehörde genehmigt werden.
Letztendlich einigte man sich darauf, dass die Höhe des Biberdamms reduziert werden darf, sodass das Wasser eher abfließen kann. Mitarbeiter des Gewässerzweckverbands Isenach-Eckbach trugen die oberen 40 Zentimeter des Biberdamms ab.
Seitdem liefern sich der Gewässerzweckverband und die Biberfamilie eine Art Hase-und-Igel-Spiel. Die Mitarbeiter des Zweckverbands tragen den oberen Rand des Biberdamms ab, die Biber bauen den Damm wieder höher und der wird wieder abgetragen und so weiter.
„Der Biber ist fleißig“, sagt Paul Poje (CDU), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Maxdorf. Wie er auf Anfrage berichtet, werden die Höhe des Damms und der Wasserstand regelmäßig überprüft, und alle zwei bis drei Wochen werde der obere Rand des Damms „abgeschabt“. „Die Tiere erhöhen den Damm immer wieder“, sagt Nora Schweikert, Sprecherin der SGD. Nach ihren Angaben liegt eine artenschutzrechtliche Genehmigung vor, den Damm immer wieder auf ein festgelegtes Höhenniveau abzuschleifen.
Becken wird nicht leer
Wenn der Damm niedrig ist, könne ein Teil des Wassers aus dem Regenrückhaltebecken abfließen. „Der Wasserspiegel ist abgefallen“, sagt Schweikert. Doch leer geworden sei das Becken nicht, weil die Biber ihren Damm immer wieder neu erhöht haben. Auch im Mittelgraben staue sich immer wieder Wasser, berichtet Poje.
Bereits vor einigen Monaten war klar, dass der ständige Kreislauf aus Abschleifen und Wiederaufbauen keine dauerhafte Lösung ist. Der Hochwasserschutz für Maxdorf könne nur gewährleistet werden, wenn der Biberdamm komplett entfernt wird, hatte die SGD im Juli mitgeteilt. „Die Freigabe dieser Maßnahme ist noch in der Entscheidungsphase“, hatte es geheißen. Eine Entscheidung sollte eigentlich im September fallen.
Da der Biberdamm auf der Gemarkung der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim ist, muss die den Abbau beantragen. Der Antrag werde gestellt, „sobald die SGD grünes Licht gibt“, weiß Bürgermeister Poje. „Die Argumente der Verbandsgemeinde und des Gewässerzweckverbandes sowie Einwände der Naturschutzverbände befinden sich in Prüfung“, teilt Schweikert mit.