Schifferstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Neue Kita für 4,5 Millionen Euro: Wie ein Propeller

Bobby-Cars dürfen im Kindergarten nicht fehlen. In der neuen Schifferstadter Kita ist eine Rennstrecke für die beliebten Fahrzeu
Bobby-Cars dürfen im Kindergarten nicht fehlen. In der neuen Schifferstadter Kita ist eine Rennstrecke für die beliebten Fahrzeuge geplant.

Um den Betreuungsbedarf für Schifferstadter Kinder decken zu können, möchte die Stadt am Sportzentrum eine neue Kita bauen. Wie sie aussehen und ökologisch nachhaltig gestaltet werden könnte, hat sich der Bauausschuss nun erläutern lassen. Auch, was sie kostet, zeichnet sich ab.

Entstehen soll die neue Kita in Schifferstadt für voraussichtlich rund 4,5 Millionen Euro auf der großen Wiese neben dem Parkplatz der Wilfried-Dietrich-Halle und dem städtischen Stadion, an Ecke Neustadter Straße/Am Sportzentrum. Das zweigeschossige Gebäude soll nach Angaben von Ines Grübel, Geschäftsführerin von PIA Architekten, im vorderen Bereich zum Parkplatz hin errichtet werden, der als Zufahrt dient.

„Es verfügt über eine propellerartige Grundstruktur“, sagte die Architektin nun im Bauausschuss. In der Mitte sieht ihr Entwurf im Erd- und im Obergeschoss einen „Marktplatz“ vor, der zugleich zentraler Essraum sein soll. Darum herum sollen drei „Propellerflügel“ die verschiedenen Räume beherbergen. Als Herzstück bezeichnete sie den Flügel zur Straße „Am Sportzentrum“ hin, der je Stockwerk zwei Gruppenräume, zwei Kleingruppenräume und einen Schlaf- beziehungsweise Ruheraum umfassen soll.

Eine Toilette direkt von außen erreichbar

Im zweiten Flügel des Erdgeschosses zum Stadion hin hat Grübel die Vollversorgerküche, eine Kinderküche, Lagerräume sowie Sanitäranlagen eingeplant – einschließlich Duschen und Wickelplätzen. Zudem ist eine Toilette ausschließlich vom Außengelände her erreichbar, damit Kinder, die im Freien spielen, sie aufsuchen können, ohne vorher durch das ganze Gebäude laufen zu müssen. Im Obergeschoss befinden sich in diesem Flügel wiederum Sanitäranlagen sowie anstelle der Küchen ein Mehrzweckraum mit Schiebewand und ein Geräteraum. Von einer Etage zur anderen können gehbehinderte Kinder oder Besucher barrierefrei mit dem Aufzug gelangen, der über den zentralen „Marktplatz“ zugänglich ist.

Im dritten Flügel an der Ecke Parkplatz/Stadion sind im Erdgeschoss nach dem Entwurf ein Büro für die Kita-Leitung, ein Pausenraum und ein Raum für die Hausanschlüsse vorgesehen. Eine brandschutzsichere Treppe verbindet die beiden Etagen. Im Obergeschoss soll es einen Personalraum sowie einen Materialraum geben und ein Zimmer für Elterngespräche.

Fast alles aus Holz

Das gesamte Gebäude soll laut Planerin Grübel als Holzbau mit einer tragenden Bodenplatte entstehen. Die Außenwände würden dabei als Holzrahmenwände ausgeführt, die tragenden Innenwände als Massivholzelemente. Lediglich der Aufzugschacht werde betoniert, und bei den Fenstern empfehle sie Kunststoff statt Holz, da diese Variante günstiger wäre. Am Ende erreiche das Ganze fast Passivhaus-Standard und lasse sich CO2-neutral betreiben. „Das Flachdach wird begrünt und nahezu vollständig mit einer Photovoltaikanlage bedeckt“, erläuterte die Expertin.

Entwässert wird der Kita-Neubau laut Jürgen Reimer vom Büro Kohl und Frech im Trennsystem, also Regen- und Schmutzwasser gesondert. Für das fetthaltige Abwasser der Küche sei ein separates Leitungssystem angedacht. Die Sanitärräume werden kindgerecht ausgestattet, warmes Wasser wird dezentral elektrisch aufbereitet. Beheizt wird das Gebäude von den Stadtwerken über eine Wärmepumpe – eventuell mit Anschluss an kalte Nahwärme – und mit einer Fußbodenheizung. Zudem sind zwei getrennte Lüftungsanlagen samt Wärmerückgewinnung geplant: eine für die Küche samt Nebenräumen und eine für die Gruppen- und Personalräume.

Sandspielbank und Krabbelfelsen

Justus Medgenberg, Geschäftsführer von A-Energen, hob den vergleichsweise niedrigen Energiebedarf hervor. Ein großer Teil davon könne mit der etwa 400 Quadratmeter großen Photovoltaikanlage gedeckt werden, ganz energie-autark werde die neue Kita aber nicht sein.

Laut Andreas Mangold vom Planungsbüro Piske erhält der Neubau zum Außengelände hin Terrassen, über die die Kinder ins Freie gelangen. Vorgesehen sind altersgerechte Abschnitte für alle Altersgruppen. Für Klein(st)kinder sollen etwa eine Sandspielbank und Krabbelfelsen angelegt werden, für ältere Jungen und Mädchen modellierte Rasenhügel und eine Spielanlage mit Turm zum Klettern und Rutschen. Zudem soll eine Bobbycar-Rennstrecke entstehen. Die große Freifläche eigne sich zum Spielen und für Feste. Sollten immer mehr Schifferstadter gleichzeitig Eltern werden und Betreuungsplätze benötigen, könne hier aber auch ein Anbau für zwei zusätzliche Kita-Gruppen errichtet werden.

Die Präsentationen kamen bei den Ausschussmitgliedern gut an. Nach Diskussionen über Details stimmten sie dem Entwurf für den Kita-Neubau und den Konzepten zu. Auf dieser Grundlage können die Experten nun die Planungen vorantreiben. „Wir freuen uns riesig auf das Projekt und hoffen, dass wir bald anfangen können“, sagte Bürgermeisterin Ilona Volk (Grüne).

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