Rhein-Pfalz Kreis Musiklehrer spielt jetzt erste Geige
Bobenheim-Roxheim. Er hat schon mit dem früheren Profi-Fußballer Michael Ballack im ZDF-Sportstudio geplaudert, mit Basketballer Dirk Nowitzki oder mit dem Journalisten Peter Scholl-Latour. Allerdings nur ganz kurz. Denn in seinem „früheren Leben“ arbeitete Andreas Mock als Toningenieur und versorgte die Studiogäste beim ZDF in Mainz mit drahtlosen Mikros. Der Grünstadter hätte sich auch hinterm Mischpult verschanzen können, aber das ist nicht sein Ding. „Ich hab’ mich immer unten im Studio einteilen lassen“, erzählt Mock. „Das war zwar nicht anspruchsvoll, aber nett.“ Auf Dauer wurde es ihm allerdings doch zu langweilig und der Schichtdienst bis 3 Uhr sonntagnachts zu anstrengend – zumal wenn man eine Familie gründen möchte. „Die mit dem krummen Lebenslauf, das sind die Interessanten“, meinte ein Seminarleiter zu Andreas Mock. Der 37-Jährige lacht gut gelaunt darüber, als er es erzählt. „Na, so krumm ist mein Lebenslauf auch nicht.“ Mock sattelte nur vom Toningenieur auf Lehramt um und studierte in Landau Musik und Grundschulpädagogik, weil er gern mit Kindern arbeitet. „Es ist schön, Menschen zu begleiten und ihnen etwas mitzugeben.“ Nicht nur Wissen meint er damit, sondern auch soziales Verhalten. Disziplin zum Beispiel lerne man durchs Musizieren. „Wenn man nicht übt, kommt man nicht voran. Und wenn man mit der Gitarre etwas vorspielen muss, und es nicht kann, dann lässt sich das nicht schönreden“, sagt Mock, der neben seinem Studium an der Musikschule Leiningerland unterrichtete. Er selbst wollte mit neun Jahren Gitarre lernen und spielt sie bis heute in der Freizeit, manchmal auch Bass, aber immer Klassik-Rock: Led Zeppelin, Deep Purple ... „Urige, erdige, simple Musik“, sagt Mock. „Ich mag einfache Dinge, die doch kraftvoll sind.“ Von den langen Haaren und dem Grunge-Look, den er seinem Musikgeschmack entsprechend noch zu Abiturzeiten trug, hat er sich verabschiedet. Ein Poster mit den Instrumenten seiner Idole hängt aber noch neben seinem Schreibtisch in der Rheinschule. Dort wird er als Rektor künftig mehr Zeit verbringen und weniger unterrichten. Er wird weiterhin Musik lehren, aber keine Klassenleitung mehr übernehmen. Auf den neuen Aufgaben-Mix freut er sich. „Ich bin am liebsten mittendrin und gucke, dass der Betrieb gut läuft“, sagt er. „Kollegen den Rücken freihalten, verwalten, Ansprechpartner für Eltern sein, die Kinder treffen.“ Mit rund 260 Schülern und 25 Lehrern, einem Ganztagsschulbetrieb und einer Schwerpunktschule für Integration ist das Boot allerdings gewaltig, das man als Leiter der Rheinschule steuern muss. Mock hatte Zeit, in diese Aufgabe hineinzuwachsen: Nach seinem Referendariat an einer kleinen Schule bei Kusel wechselte er vor fünf Jahren zur Rheinschule. „Das ist genau die richtige Distanz zu meinem Wohnort in Weisenheim am Berg.“ 2013 übernahm er die Stellvertretung der Leiterin Petra Pfeifer. Nach ihrem Abschied in die Altersteilzeit ist er an ihren Schreibtisch umgezogen und froh, nach seiner Lernphase als Konrektor eigene Entscheidungen treffen zu können. „Ich bin ein teamorientierter Typ, der gerne viele einbindet“, sagt er. „Sehr ausgeglichen und ruhig.“ Schon als Konrektor sei er bei schwierigen Elterngesprächen als Ruhepool dabeigewesen, um die Wogen zu glätten. Er ist Vater von zwei Jungen im Alter von vier und sechs Jahren und kann daher nachvollziehen, wie Kinder von ihren Erlebnissen berichten und warum Eltern aufgebracht reagieren. „Das ist nicht persönlich gemeint“, weiß er. Das System der Ganztagsschule sei gut eingespielt. Spannend findet Mock dabei die rhythmisierte Ganztagsschule, bei der nachmittags Mathe stattfinden kann und vormittags Radfahren, um Anspannung und Entspannung zu mischen. Überhaupt interessiert ihn für die Zukunft der Rheinschule ein offenerer Unterricht, der stärker an die individuellen Bedürfnisse der Schüler angepasst ist. An der Schwerpunktschule müssen ohnehin behinderte und lernschwächere Kinder integriert werden. „Wir haben Kinder, die super gut sind und andere, denen beispielsweise Rechnen schwer fällt. Die Bandbreite ist riesig, und wir müssen schauen, dass wir allen gerecht werden“, sagt Mock. „Wir müssen noch individueller werden. Das ist die große Herausforderung.“ Ab diesem Jahr wird daher der Klassenverband pro Stufe in einer Schulstunde aufgelöst und Gruppen mit Lernschwerpunkten werden gebildet. „Die Fixen lösen Knobelaufgaben, wer in Geometrie Probleme hat, tüftelt daran...“ Strenggenommen – wenn man die Integration weiterdenke – müsste man die Jahrgänge ganz auflösen, überlegt Mock. Dann würde Sitzenbleiben wegfallen und Klassenüberspringen leichter gemacht. Aber das ist allerdings noch ferne Zukunftsmusik.