Schifferstadt
Molemol gewinnt Preis: Kreative Arbeit im Team wird gewürdigt
„Mol emol“ ist Pfälzer Mundart für die Aufforderung „Male einmal“. Diesen Namen hat sich eine Gruppe gegeben, die schöpferisch-gestaltend aktiv ist. Angefangen hat Molemol im Jahr 2007. Begründer war der Harthausener Maler Theo Ofer. Er leitete die Gruppe bis 2009 und zog sich dann aus Altersgründen zurück. Etwas später übernahm Karin Bury, Malerin und Kunsthistorikerin aus Schifferstadt, die Leitung.
Angebote gibt es je nach Unterstützungsbedarf und Grad der Selbstständigkeit. Die Besucher der Tagesförderstätte werden etwas mehr angeleitet und von ihren Betreuern begleitet. Es gebe aber auch selbstständigere Teilnehmer, die eigene künstlerische Ideen entwickeln und persönliche Ausdrucksformen entwickeln möchten. Auch für sie gebe es Rat und Hilfe bei ihrer künstlerischen Arbeit, erklärte Karin Bury in einem früheren Gespräch mit der RHEINPFALZ.
Bereits 2010 kaufte Landrat Clemens Körner (CDU) zwei Arbeiten von Molemol-Künstlern, die seither sein Dienstzimmer schmücken. „Ich werde oft von Besuchern gefragt, wer diese Bilder gemalt habe“, sagte er bei der Preisverleihung im Wohnheim der Lebenshilfe im Waldspitzweg. „Alle Künstler sind seit vielen Jahren dabei. Wir freuen uns sehr, dass so ein Angebot möglich ist“, sagte Gerhard Wissmann, der Vorsitzende der Lebenshilfe Speyer-Schifferstadt.
Besonders bedankte sich die künstlerische Leiterin, Karin Bury, und sie dankte nicht nur der Sparkassenstiftung für den Preis: „Molemol ist Teamwork, zu dem viele Helfer beitragen“, sagte sie. Dazu gehöre das Holen und Bringen der Künstler zum Atelier in der Speyerer Herdstraße, die Hilfe beim Organisieren von Ausstellungen, das Besorgen von Material, das Rahmen und Hängen der Bilder und vieles mehr. Bury dankte im Namen der Künstler für den Förderpreis. „Diese Würdigung macht uns alle stolz. Sie ist Ermutigung und Antrieb, weiterzumachen“, sagte sie. Es sei wichtig, dass die Künstler und ihre Kunst wahrgenommen werden, regional und überregional.
Dabei soll die Kunst von Menschen mit Behinderung gleichberechtigt wahrgenommen werden und keinen Sonderstatus bekommen. Bezeichnungen wie „Art Brut“, „Outsider Art“ oder „Deviante Kunst“ seien zwar gut gemeint, würden aber auch diese Kunst stigmatisieren und nicht gleichwertig erscheinen lassen. Molemol sei kein therapeutisches Angebot mit dem Ziel, Defizite auszugleichen oder psychische Störungen zu lindern. Diese Hilfe bekommen die Künstler wie die anderen Bewohner der Lebenshilfe-Einrichtungen. Molemol solle vielmehr ein gleichberechtigtes Miteinander ermöglichen von Menschen mit und ohne Behinderungen, die sich für Kunst interessieren und schöpferisch tätig sind – getragen von gegenseitigem Respekt, Akzeptanz und ehrlichem Interesse am Gegenüber. „Tonemol“ ist seit 2011 ein weiteres Angebot künstlerischer Arbeit: Besucher der Tagesförderstätte und die Speyerer Seniorengruppe gestalten plastische Werke aus Ton.
Mehrere Künstler der Lebenshilfe haben bei landesweiten Wettbewerben wie „Behinderte Menschen Malen“ teilgenommen, und ihre Werke wurden zum Beispiel auf Kalenderblättern gedruckt. 2012 entstand der „Trompetenbaum“ aus alten Blechblasinstrumenten, in dem Keramikvögel nisten, die von Tonemol-Künstlern gestaltet wurden. Die Installation schmückt das Schifferstadter Lebenshilfe-Haus. Ein besonderes gemeinsames Werk entstand zum 50-jährigen Bestehen der Lebenshilfe Speyer-Schifferstadt: Gedichte von Sandra Trunk und Bilder der Malgruppe Molemol gestalteten einen zu diesem Anlass herausgegebenen Kunstband.
Hendrik Fehr, Vater von Molemol-Künstler Martin Fehr, bedankte sich bei Karin Bury und der Lebenshilfe für dieses besondere Angebot. Die Künstler bekommen die Möglichkeit, sich auszudrücken und Gefühle zu zeigen, sagte er. Als Vertreter des Vorstands der Sparkasse Vorderpfalz überreichte Oliver Kolb die Urkunde, die den Preis symbolisiert. Das Preisgeld sei schon überwiesen, sagte er.