Rhein-Pfalz Kreis Mittelaltermarkt zum Dorfjubiläum?
Dannstadt-Schauernheim. Das 1250-jährige Bestehen der Ortsteile Dannstadt 2017 und Schauernheim 2018 soll mit einer Festmeile gewürdigt werden. In Dannstadt soll diese durch einen Mittelaltermarkt rund um das Zentrum Alte Schule (ZAS) attraktiv gestaltet werden. Dafür hat sich die Mehrheit des Gemeinderats in einem Grundsatzbeschluss ausgesprochen. Mit einer Einschränkung: Das Spektakel muss bezahlbar sein.
Eigentlich wollte Ortsbürgermeister Bernd Fey (CDU) im nichtöffentlichen Teil der Ratssitzung am Dienstag über den Stand der Planungen für die Jubiläumsfeierlichkeiten berichten. Almut Schaab-Hehn (Grüne) hielt es jedoch für angebracht, das öffentlich zu tun statt hinter verschlossenen Türen. Die SPD-FDP-Gemeinschaftsfraktion unterstützte das Ansinnen. Die Christdemokraten waren dagegen oder enthielten sich. Mit acht zu sieben Stimmen wanderte das Thema daher in den öffentlichen Teil. Was ein Mittelaltermarkt alles bieten könnte, erläuterten Iris Geyer und Mary Linxweiler von der IG Winelandgames. Diese hat sich auf die Organisation solcher Veranstaltungen spezialisiert – ist zum Beispiel für die Planung eines Markts samt Historienspiel rund um den Reichstag von 1529 an der Dreifaltigkeitskirche in Speyer vom 22. bis 24. April zuständig. „Ich rate allen, sich dort mal einen persönlichen Eindruck zu verschaffen“, empfahl Fey. Einen theoretischen Überblick boten Geyer und Linxweiler mit ihrer Präsentation. Beliebt sind demnach mittelalterliche Fahrgeschäfte wie das Handkurbel-Riesenrad und das Kettenkarussell. Wichtig für den Erfolg beim Publikum seien die verschiedenen Spielbuden und Angebote für Kinder. Hier hätten sich Wikingerschiff und Kinderschminken stets als Renner erwiesen. Zudem wären ein Axtwurfstand und Drachenschießen mit der Armbrust möglich. „Zu einem Mittelaltermarkt gehören auch Handwerker. So könnten ein Schmied und ein Gerber ihre Berufe anschaulich vorstellen“, nannte Linxweiler weitere Bestandteile. Auch ein Henker samt seinem morbiden Werkzeug gehöre zum Portfolio der IG Windelandgames. Nicht zu vergessen die Gaukler und Bands, die mittelalterliche Musik darbieten, Händler, die unter anderem Schmuck herstellen sowie Wirte, die Speisen vom Wildschwein bis zum Flammkuchen zubereiten. Zusätzliche Attraktionen könnten sein: eine Feuershow nach Einbruch der Dunkelheit, eine Bauchtanzgruppe, Tiere wie Kamele, Pferde und Ziegen, ein Münzpräger und eine Malteser-Hilfsgruppe mit moderner Ausstattung, aber in mittelalterlicher Aufmachung. „Ziel ist, dass die Besucher dem Alltagsstress für eine Weile zu entfliehen und in die Vergangenheit einzutauchen können“, sagte Linxweiler. Da sich ein Tag für die Händler nicht rechne, dauere das Spektakel drei Tage, ergänzte Geyer. In Dannstadt seien bis zu 60 Marktstände möglich, die Schausteller könnten auf den Freiflächen in zwei oder drei Lagern zelten. Die voraussichtlichen Kosten könne sie kaum beziffern, da diese von vielen Faktoren abhingen, zum Beispiel was die Gemeinde letztlich anbieten wolle und was in Eigenleistung erbracht werden könne. Ein großes Paket würde wohl mit rund 26.000 Euro brutto zu Buche schlagen. „Es wäre am besten, wenn Sie uns einen Betrag nennen, den Sie ausgeben können, damit wir schauen, was damit möglich ist“, meinte Geyer. Das soll laut Ortsbürgermeister Fey bis zu den Haushaltsberatungen im Mai erledigt werden. Zumal Geyer verdeutlichte: „Wir brauchen zur Vorbereitung ein Jahr Vorlauf.“ Fey zufolge würden Gemeinde und örtliche Vereine eine Festmeile einem Festumzug vorziehen. Die Frage sei hierbei: „Machen wir es attraktiv und gescheit, was etwas kosten wird, oder lassen wir’s? Denn wir wollen uns ja nicht blamieren, indem wir zu einer Festmeile einladen und nichts zu bieten haben.“ Klaus Dissinger (CDU) hielt den Mittelaltermarkt für einen guten Einstieg. Er biete ein gutes Grundgerüst und den Vereinen die Möglichkeit, sich ergänzend einzubringen. Diese Beteiligung der Bürger sei ausdrücklich erwünscht, sagte Linxweiler. Die Kita Regenbogen habe etwa einen Gutselstand angeboten, merkte Fey an. Die SPD-FDP-Fraktion begrüßte die Idee ebenfalls. Allerdings bekräftigten Christ-, Freie und Sozialdemokraten, dass der Mittelaltermarkt nur ein Baustein der Jubiläumsfeierlichkeiten sei und im Gesamtpaket bezahlbar bleiben müsse. Unter dieser Prämisse stimmten die Ratsmitglieder bei zwei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen dafür, die Idee weiterzuverfolgen. (mamü)