Dannstadt-Schauernheim RHEINPFALZ Plus Artikel Mit „Saft“ aus der Region

Mit Auslaufen der EEG-Umlage könnte der Strom, der mit vor 20 Jahren in Betrieb genommenen Photovoltiakanlagen gewonnen wird, au
Mit Auslaufen der EEG-Umlage könnte der Strom, der mit vor 20 Jahren in Betrieb genommenen Photovoltiakanlagen gewonnen wird, auch in den Regionalstrom fließen.

Ihre eigenen Gebäude möchte die Verbandsgemeinde Dannstadt-Schauernheim künftig mit Ökostrom betreiben. Damit der ganz sicher auch aus erneuerbaren Quellen kommt, soll er ausschließlich von nahegelegenen Anlagen bezogen werden. Was bietet da die Region? Ein Experte gibt Aufschluss.

„Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom“, hob Sebastian Körner gleich zu Beginn seiner Präsentation in der jüngsten Sitzung des Verbandsgemeinderats hervor. Zu dieser hatte Bürgermeister Stefan Veth (CDU) den Vertriebsleiter des Verbandsgemeinde-Werks eingeladen. Wozu ihn wiederum ein Antrag der Grünen-Fraktion veranlasst hatte, die Kommune solle ihre Liegenschaften möglichst ab sofort mit klimaneutralem Ökostrom versorgen. „Aktuell wird der Bedarf durch einen Strom-Mix gedeckt, der sich negativ auf die CO2-Emissionen auswirkt. Das steht im Widerspruch zum Ziel des Rhein-Pfalz-Kreises, durch die Umsetzung eines Klimaschutzkonzepts eine kontinuierliche Verminderung der Treibhausgasemissionen zu erreichen“, begründete Ralf Klein (Grüne) den Vorstoß.

Zurück zu Strom-Experte Körner. Ihm zufolge müssen sämtliche Ökostrom-Varianten einige Kriterien erfüllen. So muss die doppelte Vermarktung ihres Umweltnutzens ausgeschlossen und die Herkunft des Stroms auf eindeutig identifizierbare erneuerbare Energiequellen zurückführbar sein. Außerdem müssen sie die Vorgaben einer EU-Richtlinie und des Erneuerbare-Energien-Gesetzes erfüllen. Daneben bedürfen sie entsprechender Herkunftsnachweise.

Aus den verschiedenen Tarifen

Drei solcher Ökostrom-Varianten stellte Körner den Ratsmitgliedern vor, wobei schnell deutlich wurde, weshalb Ökostrom nicht gleich Ökostrom ist. Der günstigste Tarif „Erneuerbare Erzeugung“ bedeutet einen Aufschlag von 0,25 Cent je Kilowattstunde. Was bei dem Jahresverbrauch der kommunalen Liegenschaften von insgesamt 1,32 Gigawatt Mehrkosten von 3300 Euro im Jahr bedeuten würde. Bei diesem Tarif könne die Herkunft auf den Alpenraum eingegrenzt werden. Es sei aber nicht garantiert, dass die Betreiber der Anlagen nicht auch noch Kern- und/oder Kohlekraftwerke betreiben. Ebenso wenig sei nachgewiesen, dass die erneuerbare Erzeugung besonders nachhaltig und ökologisch vorbildlich geschehe, physisch gekoppelt seien Erzeugung und Verbrauch hier auch nicht.

Für den Tarif „Ökostrom“ würde laut Körner ein Aufschlag von 0,50 Cent je Kilowattstunde fällig, was mit 6600 Euro zu Buche schlagen würde. Die Herkunftsangabe bleibt mit „Europa“ recht vage, dafür sei sichergestellt, dass die Anbieter keine Kern- und/oder Kohlekraftwerke betreiben, der Strom besonders nachhaltig und ökologisch vorbildlich erzeugt werde und Erzeugung sowie Verbrauch physikalisch gekoppelt seien.

Strom aus der Pfalz

Seit Kurzem könne das Verbandsgemeinde-Werk, das die Kommune mit der Thüga betreibt, den Tarif „Regionalstrom“ als dritte Alternative anbieten. Zum 1. Juli solle dieser auch für Privathaushalte angeboten werden. Dieser erfülle sämtliche Kriterien, die auch der „Ökostrom“-Tarif erfüllt. Zusätzlich könne bei diesem Produkt jedoch die Herkunft auf einen Umkreis von zirka 50 Kilometern eingeschränkt werden. Das heißt, alle Anlage zum Erzeugen von Strom aus erneuerbaren Energien sind bekannt und befinden sich in der Gegend. Aktuell sind das acht Anlagen in der Pfalz und eine in der Kurpfalz: der Solarpark in Weilerbach, das Geothermiekraftwerk in Insheim, der Windpark in Göllheim, der Windpark in Bubenheim, der Windpark in Oberndorf und der Solarpark in Bühl. Dafür ist der Aufschlag mit 0,75 Cent je Kilowattstunde beziehungsweise 9900 Euro der höchste.

Vom ersten Tarif waren Bürgermeister und Rat nicht angetan. Dieser sei zwar der günstigste, erfülle die Ansprüche an den angestrebten Ökostrom aber nicht wirklich. „Für den mittleren Tarif müssten wir 1,7 Prozent mehr bezahlen, für das hochwertigste Produkt 2,7 Prozent. Das ist jetzt keine wahnsinnige Steigerung. Ich bin dafür. Regionalstrom ist ein gutes Angebot, damit können wir die Weichen richtig stellen“, sagte Rathauschef Veth.

„Ökostrom und herkömmlicher Strom können doch über eine Leitung gar nicht getrennt werden“, wandte Artur Oberbeck (CDU) ein. Das räumten Körner und Veth ein. Momentan erfolge die Versorgung mit Ökostrom nur bilanziell. Doch wenn sich immer mehr Verbraucher für Ökostrom entscheiden, steige der Anreiz für die großen Stromerzeuger, komplett auf erneuerbare Energien umzustellen. Auf lange Sicht werde so dann auch physikalisch Ökostrom aus der Steckdose kommen. „Denn Strom aus erneuerbaren Energiequellen ist einfach wirtschaftlicher als aus Atom- oder Kohlekraft“, sagte Vertriebsleiter Körner. „Zumal die Bepreisung von CO2 nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts noch steigen wird“, ergänzte Andreas Pfeiffer (Grüne). „Die Preise an der Handelsbörse explodieren schon. Das wird für uns alle noch deutlich teurer“, bestätigte Körner.

Auch von Windrädern im Wald?

Herbert Hery von der FWG betonte, dass Ökostrom nicht automatisch gut sei: „Entscheidend ist dabei doch die CO2-Einsparung.“ Dazu bat er um Angaben. Körner kündigte an, die künftig eingesparte Menge des klimaschädlichen Gases zu errechnen und nachzureichen. Uwe Schölles (SPD) fand das Produkt toll, zumal in der Pfalz Regionalität ohnehin großgeschrieben werde. Er fragte sich aber, ob die genannten Anlagen reichen, um den Strombedarf zu decken, wenn viele Kommunen und Bürger mitmachen. „Wir fangen jetzt an und haben noch Luft nach oben. Sollten Engpässe drohen, können wir den Umkreis ausweiten“, antwortete Körner. Helfen könne zudem die bald auslaufende EEG-Umlage für vor 20 Jahren in Betrieb genommene Photovoltaikanlagen. Der damit erzeugte Strom könne dann auch in den Regionalstrom fließen.

Bettina Kleemann (CDU) stand dem Ökostrom-Anliegen aufgeschlossen gegenüber. Sie hatte allerdings Bedenken, ob der regionale Ökostrom nicht vielleicht auch aus Windkrafträdern im Pfälzerwald bezogen wird, deren Bau ihre Fraktion ablehne. Das verneinte Körner. Darauf achte das Werk bei der Auswahl der Anlagen. Grünen-Ratsmitglied Klein, der Veth sonst oft kritisiert, lobte den Verwaltungschef: „Regionalstrom ist ein vorbildliches Produkt. Ich finde es gut, dass auch der Bürgermeister die mögliche Vorreiterrolle sieht.“

So beschloss die Ratsmehrheit bei jeweils einer Gegenstimme, den Grünen-Antrag anzunehmen, die Liegenschaften der Verbandsgemeinde fortan mit Ökostrom zu versorgen und dafür den neuen Tarif „Regionalstrom“ zu wählen.

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