Rhein-Pfalz Kreis Mit harten Bandagen
«Neuhofen.»Die Stimmung im Dorf ist erkennbar gereizt und es wird mit harten Bandagen gekämpft. Ortsbürgermeister Ralf Marohn (FDP) befürwortet den Bürgerentscheid ausdrücklich und ruft zu zahlreicher Wahlbeteiligung auf. Er hat kein Verständnis, dass sich die SPD gegen die Abstimmung gewehrt hat. Es sei bedauerlich, dass die Supermarkt-Gegner Unwahrheiten verbreiten, ihn persönlich angreifen und selbst kein schlüssiges Konzept vorlegen. Die Supermarkt-Gegner kommen nicht nur aus den Reihen der SPD. Verschiedene Interessensgruppen haben sich mittlerweile zur „IG SpOrtsmitte“ zusammengeschlossen und werden von den Sozialdemokraten unterstützt. Sie alle wollen – aus verschiedenen Gründen - verhindern, dass der jetzige Tennenplatz einem Supermarkt weichen soll. Denn infolgedessen würde nahe des Badeweihers ein neues Sportzentrum gebaut werden. Dagegen wehren sich viele Bewohner der dortigen Hochhäuser. Sie befürchten die Zerstörung der Natur, die Zunahme von Lärm und Beeinträchtigung durch Flutlicht. Dem Vorschlag des Ortsbürgermeisters, das Sportzentrum noch stärker an den Ortsrand hinter den Badeweiher zu rücken, trauen sie nicht. „Das Genehmigungsverfahren ist völlig unklar und müsste geändert werden“, sagt Anwohnerin Helga Weber. Sie weiß, dass der jetzige Flächennutzungsplan nur das Areal zwischen der Reitanlage und dem Badeweiher – also in unmittelbarer Nähe der Hochhäuser – als eine mögliche Sportstätte zulässt. Den Tennenplatz wollen auch die umliegenden Anwohner in der Ortsmitte nicht gegen einen Supermarkt eintauschen. Sie befürchten ebenfalls eine Zunahme des Lärms, erhöhtes Verkehrsaufkommen und Belastung durch Feinstaub. „1650 Quadratmeter Marktfläche mit der entsprechend hohen Menge an Parkplätzen erscheint uns für Neuhofen viel zu groß. Einen kleineren Supermarkt mit mehr Wohnbebauung hätten wir eher akzeptieren können“, sagt Marlies Hauck. Sie mahnt auch an, dass die Kinder wegen des Verkehrsflusses keinen sicheren Schulweg mehr hätten. Existenzsorgen bewegen hingegen die Gewerbetreibenden in der Otto-Dill-Straße. Sie lehnen einen zusätzlichen Supermarkt in der Ortsmitte generell ab. Die Zusage von Edeka, den Treff 3000 für fünf Jahre weiter zu betreiben, ist für Jörg Dittmer, den Inhaber der Postfiliale, ein fauler Kompromiss. Die Ladenbesitzer fürchten mittelfristig eine Zerstörung des gut funktionierenden Centers und werben für ihr Anliegen. „Wir sind zuversichtlich, dass wir die Neuhofener Bürger davon überzeugen können, dass ein Supermarkt auf dem Tennenplatz die falsche Entscheidung ist“, unterstreicht Dittmer. Die SPD teilt die Einwände der „IG SpOrtsmitte“. Sie führt weitere Argumente für eine Supermarktansiedelung in der Industriestraße an, wofür es aktuell aber keine Baugenehmigung gibt. „Der Standort hätte den Vorteil, dass es dort keine Anwohner gibt, die durch Lärm und hohes Verkehrsaufkommen beeinträchtigt werden“, sagt die Beigeordnete Melanie Hieb. Und Fraktionschef Arthur Nasel ergänzt: Durch das Entstehen einer Tankstelle am Ortseingang bekäme der Standort mehr Gewicht. Zudem würden die Bürger, von der B 9 kommend, mehrere Läden direkt ansteuern und der Verkehr würde den Ortskern weniger belasten. Dass der Supermarktstandort von den Bürgern recht unterschiedlich wahrgenommen und bewertet wird, beweisen die mehr als 1000 Unterschriften, die die Vertreter des Bürgerbegehrens gesammelt haben. Denn die Befürworter versprechen sich vor allem eine attraktive und zukunftsfähige Ortsmitte. „Die Unterstützer des Bürgerbegehrens erkennen hektische Aktivitäten der Gegner der städtebaulichen Entwicklung des Tennenplatzes. Offenbar beruht das auf der spürbaren Aufmerksamkeit der Bevölkerung, die dem Bürgerbegehren entgegengebracht wird“, sagt Bernhard Hesse, einer der Vertretungsberechtigten. Auch diese Gruppe bekommt aktive Unterstützung aus der Kommunalpolitik. André Schlosser, der Vorsitzende des CDU-Ortsvereins, unterstreicht vor allem, dass es bei CDU und FDP ein klares Konzept gebe, das er bei den Supermarktgegnern vermisse. „Wir wollen Neuhofen weiterentwickeln und werden uns mit voller Kraft und aus Überzeugung für den Supermarkt auf dem Tennenplatz einsetzen.“ Die Fraktionssprecherin der FDP, Gisela Kluger, sieht keine Alternative für diesen Standort. „Wer in Neuhofen einkaufen will, stimmt mit ,Ja‘. Das bedeutet, dass es keine Alternative gibt und Neuhofen ansonsten keinen Supermarkt bekommen wird.“ Bislang haben die Akteure des VfL Neuhofen mit viel Geduld ertragen, dass Sanierungskonzepte immer wieder hinausgezögert wurden und nichts geschehen ist. Mittlerweile hat sich der Verein mit deutlichen Worten positioniert. Der Verein unterstützt einen Neubau des Sportplatzes am Ortsrand aus mehreren Gründen. Der Vorsitzende Alwin Hamm-Wurmehl kann unter anderem eine verkehrstechnische Gefährdung der Sportler nicht erkennen. „Der jetzige Platz liegt an der am meisten befahrenen Straße der Gemeinde. Hingegen erscheint uns die Erreichbarkeit des neuen Sportgeländes, etwa über den Rehbachwanderweg, als sehr ungefährlich.“ Eine konkrete Einschätzung des Abstimmungsergebnisses will keiner der Sprecher abgeben. Befürworter und Gegner des Standortes eint jedoch ein Aspekt: Es sei wichtig, dass sich viele Neuhofener Bürger an der Abstimmung beteiligen, um ein klares Meinungsbild zu erhalten. Das könnte aber knapp werden. Es bleibt wohl noch spannend.