Rhein-Pfalz Kreis Mehr Futter für die Biotonne
Nur ein bisschen weniger Müll als 2015 haben die Einwohner des Rhein-Pfalz-Kreises im vergangenen Jahr produziert: 438,4 anstatt 440,4 Kilogramm pro Kopf. Die Abfälle teilten sich aber anders auf die Tonnen auf, weil es seit Januar die Pflichtbiotonne gibt.
Wer eine Biotonne vor der Hautür hat, nutzt sie auch. Rund 33 Kilo Bioabfälle pro Kreiseinwohner landeten 2016 in der Tonne mit dem braunen Deckel. Das sind rund 18 Kilo mehr als 2015. Dafür kam weniger Abfall in die Restmülltonne: Die Menge sank um 27 auf 100 Kilo pro Einwohner. Mehr in die Biotonne, weniger auf den Kompost – auch das ist eine Entwicklung, die mit dem neuen Behälter einhergeht, den rund 66 Prozent der Privathaushalte im Kreis nutzen. 32,6 Prozent kompostieren. „Der Rest entfällt auf Zweitwohnsitze im Wochenendgebiet oder auf Campingplätzen, die nicht regelmäßig bewohnt sind. Sie sind nicht an die Pflichtbiotonne angeschlossen“, sagt Volker Spindler, Leiter des Eigenbetriebs Abfallwirtschaft, zur Abfallmengenbilanz des Kreises, die am Dienstag im Werkausschuss vorgestellt wurde. Der Biomüll aus dem Kreis wird bei ZAK, der Zentralen Abfallwirtschaft Kaiserslautern, weiterverarbeitet. In deren Anlagen entstehen laut Spindler aus Bioabfall Gas und Strom. Gefüttert werden sie nun mit rund 5100 Tonnen Bioabfall aus dem Rhein-Pfalz-Kreis, der bei der Firma Zeller in Mutterstadt und der GML in Grünstadt umgeschlagen wird. Die Einführung der Biotonne war ein logistischer Kraftakt für den Eigenbetrieb Abfallwirtschaft des Kreises. Denn es wurden nicht nur Biotonnen, sondern auch andere neue Abfallbehälter verteilt und alte eingesammelt. In sechs Wochen wurden zum Jahreswechsel 2015/16 rund 150.000 Mülltonnen bewegt, weil die Abfuhrleistungen für Rest- und Biomüll neu ausgeschrieben worden waren und Remondis den Zuschlag erhalten hatte. Die Firma brachte eigene Tonnen mit. Nicht betroffen waren die Papiertonnen, die bis einschließlich 2018 von der Firma Becker geleert werden. Der Werkausschuss stimmte am Dienstag einer Verlängerung des Vertrags zu. Er nickte außerdem ab, dass die Vermarktung des Altpapiers für das Jahr 2018 neu ausgeschrieben wird. „Damit laufen die Verträge für Sammlung und Verwertung Ende kommenden Jahres gleichzeitig aus. Das ist wichtig, damit wir diese Sparte neu strukturieren können – auch in wirtschaftlicher Hinsicht“, erklärt Werkleiter Spindler gegenüber der RHEINPFALZ. Derzeit erziele der Eigenbetrieb wegen der guten Marktpreisentwicklung hohe Erlöse bei Papier, Pappe, Kartonagen. Die Verwertungsquote der im Kreis entsorgten Abfälle lag 2016 bei 99,9 Prozent. Fast 61 Prozent wurden zu neuen Stoffen recycelt. Circa 39 Prozent gingen „in sonstige Verwertungsmaßnahmen“. Abfall wurde etwa verbrannt, freiwerdende Energie ins Fernwärmenetz gespeist. „Thermische Verwertung nennen wir das“, so Spindler. Insgesamt produzierten die Kreisbürger mit 438 Kilogramm pro Einwohner vergleichsweise wenig Hausabfälle. Bei den Hausrestabfällen (Haus- plus Restsperrabfälle) hat der Kreis laut seiner Bilanz mit 115 Kilogramm pro Einwohner das Landesziel dicke erreicht. Ausgerufen sind 140 Kilo pro Einwohner als Obergrenze, die Städte und Kreise in Rheinland-Pfalz bis 2025 nicht überschreiten sollten. Besser werden muss der Kreis noch beim Biomüll. Von den gut verwertbaren Stoffen sollen landesweit 170 Kilogramm pro Einwohner aus der gesamten Abfallmenge gezogen werden. Im Kreis sind es erst 126. Aber das kann ja noch werden, wenn alle fleißig die Tonne mit dem braunen Deckel befüllen. Allerdings sollten darin tatsächlich nur Bioabfälle landen. Das war bislang nicht immer so, wie Walter Altvater (Grüne) anmerkte. „Wir können das nicht kontrollieren“, antwortete der zuständige Kreisbeigeordnete Konrad Heller (CDU). Aber er appelliert an die Bürger: Bitte sortieren! Wenn der Kreistag den 2016er-Abschluss abgesegnet hat, sollen die Gebühren nachkalkuliert werden. Mehr Bio, weniger Restmüll – ob das Einfluss auf die Gebühren hat, steht noch nicht fest. Ein Kreisbürger zahlt zum Beispiel für einen 60 Liter großen Restabfallbehälter mit acht Freileerungen weiter eine Grundgebühr von 59,40 Euro und für eine Biotonne gleichen Volumens 26,40 Euro. Ab Herbst will der Eigenbetrieb dann über die neuen Gebühren beraten. Spindler: „Wir wollen sie auf jeden Fall stabil halten.“