Schifferstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Malen in der Lebenshilfe: Keine Outsider-Kunst

„Die rote Linie ist überschritten“ ist der Titel des Bilds, in dem die Künstlerinnen den Ukraine-Konflikt darstellen möchten.
»Die rote Linie ist überschritten« ist der Titel des Bilds, in dem die Künstlerinnen den Ukraine-Konflikt darstellen möchten.

Molemol! Der Name der Künstlergruppe von der Lebenshilfe Speyer/Schifferstadt ist natürlich kein Zufall. Es ist Pfälzisch und meint: „Mal doch mal!“

Dem Pfälzer Dialekt wird ja nachgesagt, Dinge auf den Punkt zu bringen. Was er hiermit ein weiteres Mal bewiesen hat. Bei Molemol wird gemalt. Warum? Weil es Spaß macht. Punkt. Noch Fragen? Ja, schon. Doch eigentlich ist alles gesagt, vor allem wenn man in die freundlich-lächelnden Gesichter von Marija Lucic, Simone Meinzer und Angelika Schmitt von Molemol schaut. Sie sind von Anfang an bei dem Kreativangebot der Lebenshilfe Speyer/Schifferstadt dabei: mittwochs in der offenen Gruppe und freitags – nur zu dritt – in der Molemol-Ateliergruppe in ihrem Wohnort in Schifferstadt.

Die Künstlerinnen (von links) Angelika Schmitt, Simone Meinzer und Marija Lucic von der Lebenshilfe in Schifferstadt.
Die Künstlerinnen (von links) Angelika Schmitt, Simone Meinzer und Marija Lucic von der Lebenshilfe in Schifferstadt.

In dieser Ateliergruppe, die ein Pendant in der Speyerer Lebenshilfe hat, malen die Künstler, deren Begabung besonders gefördert werden soll, erläutert Karin Bury. Die Speyerer Künstlerin und Kunsthistorikerin leitet seit 2010 diese Kreativangebote. Davor hatte der 2020 verstorbene Künstler Theo Ofer aus Harthausen diese Aufgabe inne.

Rituale haben sich eingespielt

Die Möglichkeit, sich kreativ auszudrücken, ist für die Menschen mit Beeinträchtigung eine Bereicherung. „Rund 80 von ihnen sind bei Molemol dabei, sieben in den zwei Ateliergruppen, die seit 2015 auf Wunsch der Bewohner entstanden sind“, sagt Karin Bury, die auch Kunstkurse gibt. Einen großen Unterschied im Vergleich zum Unterrichten von Menschen ohne Beeinträchtigung spüre sie nicht, bei Molemol müsse sie nur an der einen oder anderer Stelle etwas mehr unterstützen. „Zu Beginn brauchte ich aber Unterricht, meine Leute lehrten mich Pfälzisch“, erzählt sie. Denn: Die erste Frage an sie sei gewesen: „Wie redscht Du denn?“

„Lila Seerosenteich“ ist auch ein Gemeinschaftswerk.
»Lila Seerosenteich« ist auch ein Gemeinschaftswerk.

Mittlerweile sei die „Sprachbarriere“ überwunden und andere Rituale hätten sich eingespielt. „Es gibt jedes Mal Cappuccino und Gebäck“, erzählt Angelika Schmitt – so könne sie gleich viel besser malen. Blumen sind ihre Lieblingsmotive, sie mag Rosen und Sonnenblumen, wegen der kräftigen Farben. Zu dritt haben sie einen opulenten Strauß Sonnenblumen in einer Vase gemalt, das Bild ist Teil der kommenden Ausstellung. Simone Meinzer fühlt sich auch von der Natur inspiriert. Elefanten habe sie schon öfter zu Papier gebracht und zeigt eines ihrer Werke, darauf ein Dickhäuter in kräftigen Blau- und Lilatönen. Alles sei möglich: „Hier wird keine Bildidee geradegebogen“, sagt Karin Bury. Zu Beginn der Stunden sprechen sie über Kunst, sie zeigt Bilder und Bücher von Künstlern und Ausstellungen. Dann geht es an die Umsetzung – und das auf ganz individuelle Art und Weise. „Die drei Schifferstadter Frauen sind eher extrovertiert“, berichtet Karin Bury. Es werde viel besprochen und spontan gemalt. Andere wiederum seien sehr konzentriert und planvoll bei der Sache. „Wenn dann mal was nicht so klappt, dann ist auch schon mal die Stimmung nicht so gut“, sagt sie. Gearbeitet wird mit vielen Materialien und Medien, die Experimentierfreude kann also ausgelebt werden.

Keine Mitleidskäufe

Und der künstlerische Output der Molemol-Künstler in den vergangenen 15 Jahren ist beachtlich. Seit 2008 werden die Bilder im Schnitt zwei bis drei Mal im Jahr bei Ausstellungen gezeigt, an über einem Dutzend Kunstprojekten und -wettbewerben haben sie teilgenommen. Es gibt Kunstbände ihrer Werke und viele Bilder hängen in Gebäuden von Verwaltungen, Kirchen oder Verbänden sowie in Banken. Und die Künstler verkaufen ihre Bilder. Den Erlös bekommt je zur Hälfte der jeweilige Künstler und die Molmol-Gruppe.

„Die Sonnenblumen“ ist von Angelika Schmitt und Simone Meinzer
»Die Sonnenblumen« ist von Angelika Schmitt und Simone Meinzer

Karin Bury ist überzeugt, dass die, die Molemol-Kunst kaufen, dass tun, weil sie gut ist. „Das sind keine Mitleidskäufe. Es mach keinen Unterschied, ob da dran steht: Kunst von Beeinträchtigen, oder nicht“, sagt sie. Sie haben sich bewusst dafür entscheiden, damit offensiv umzugehen. Es soll aber kein Etikett als eine Art „Outsider-Kunst“ sein, die Molemol-Werke sollen nicht außerhalb der Kunst stehen: „Es sollte Normalität sein, dass das Kunst ist“, sagt die Malerin. Die Künstler sind auch, wenn möglich, bei den Vernissagen dabei. Dann werden sie angesprochen, im Dialog werden Hemmungen abgebaut – auf beiden Seiten.

Denn obwohl Molemol kein kunsttherapeutisches Angebot sei, wie Karin Bury betont, habe es einen Effekt: „Die Erfahrung, andere interessieren sich für mich und für das, was ich mache, stärkt ihr Selbstbewusstsein. Oft genug mussten sie erfahren, dass man ihnen etwas nicht zutraut.“ Mittlerweile haben die Molemol-Künstler schon etliche Ausstellungseröffnungen erlebt. „Aufgeregt sind wir nicht mehr“, sagen die drei Künstlerinnen unisono, etwas Besonderes sei es aber immer wieder.

Terminabsage

Die für Sonntag geplante Ausstellung „Mal so gesehen“ der Molemol-Künstler im Schifferstadter Club Ebene Eins muss wegen Corona-Fälle n in den September verschoben werden. Der Termin steht noch nicht fest.

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